Kreissporttag in der Seenplatte: Vereine bangen um ihre Zukunft
Die Stimmung beim diesjährigen Kreissporttag in der Mecklenburgischen Seenplatte war von ernsten Sorgen geprägt. Während der Kreissportbund erstmals seit Jahren wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann, bestimmen drei drängende Themen die Debatte: fehlende Kinder, bedrohliche Ganztagsschulen und die Konsequenzen gestoppter Kita-Kooperationen.
Fehlende Mitglieder: Ein Preisschild für gestoppte Kooperationen
Steffen Beier, Geschäftsführer des SV Turbine Neubrandenburg, brachte die existenzielle Sorge vieler Vereine auf den Punkt: Allein in Neubrandenburg fehlen rund 200 Kinder im Alter bis sechs Jahren als Mitglieder. „Man kann ein Preisschild dranhängen an diese 200 fehlenden Mitglieder: Das ist einfach die Streichung aller Kita-Kooperationen“, erklärte er vor den 88 Delegierten. Während im Umland des Landkreises die Mitgliederzahlen in dieser Altersgruppe wachsen, konzentriert sich das Problem auf die Sportstadt Neubrandenburg.
Landrat Thomas Müller (CDU) räumte in seiner Erwiderung ein, dass die Kitas unter erheblichem Kostendruck stünden. Er deutete an, dass die Gründe für die Kündigung der Verträge in der notwendigen Trennung von Kita-Finanzierung und Sportförderung lägen. „Wir sind alle unzufrieden mit dieser Entwicklung und wir werden alles Mögliche tun, das wieder möglich zu machen, was vorher auch möglich war“, versicherte Müller.
Kreissportbund reagiert mit Ausbildungsbeschränkung
Der Vorsitzende des Kreissportbundes (KSB), Steven Giermann, kündigte eine eigene Reaktion auf die Entwicklung an: Der Vorstand habe beschlossen, künftig keine Übungsleiter und Trainer mehr auszubilden, die nicht Mitglied in einem Verein der Mecklenburgischen Seenplatte sind. „Es kann nicht unsere Aufgabe sein, Erzieherinnen und Erzieher auszubilden, die in den betroffenen Kitas unsere Kooperationen kündigen“, begründete Giermann die umstrittene Maßnahme.
Ganztagsschulen als zusätzliche Bedrohung
Die Sorge der Vereine reicht jedoch über die Kitas hinaus. Beier und andere Vereinsvertreter blicken mit wachsendem Unbehagen auf den Ausbau der Ganztagsschulen. Da diese vielfach von denselben Trägern geführt werden wie die Kitas, liegt die Befürchtung nahe, dass Sportvereine auch dort keine Rolle mehr spielen werden.
„Nehmen Sie uns mit auf die Reise, sonst reden wir vielleicht im nächsten Jahr nicht über 200 fehlende Mitglieder, sondern über einige tausend“, appellierte Beier eindringlich an die Politik. Kreistagspräsident Thomas Diener (CDU) erwiderte, dass Investitionen in bestehende, demokratiefördernde Strukturen sinnvoller seien als in neue – und der Sport genau das verkörpere.
Ausgeglichener Haushalt und neue Investitionen
Neben der Kita-Debatte stand der Haushalt im Mittelpunkt der Beratungen. Nach einem einstimmigen Kreistagsbeschluss vom Dezember fließen knapp 64.000 Euro zusätzliche Sportförderung in den KSB. Giermann nannte das „ein klares Symbol der gesamten politischen Landschaft“. Der Haushalt für 2026 ist damit erstmals seit Jahren wieder ausgeglichen.
In die Vereinslandschaft fließen 39.000 Euro mehr als im Vorjahr, während die Lizenzzahlen mit fast 1000 geförderten Lizenzen einen Höchststand erreichten. Mit 22.000 Euro Fördermitteln – unter anderem vom parlamentarischen Staatssekretär Heiko Miras und der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin – wurde das Sportmobil des KSB statt des bisher üblichen Leasings erstmals gekauft.
Digitalisierung zur Entlastung der Übungsleiter
Als nächsten Schwerpunkt nannte Giermann die Entbürokratisierung: Ehrungsanträge, Lizenzübermittlung und Sportmobilvermietung sollen digitalisiert werden. Nicht um des Modernisierens willen, sondern „damit die Übungsleiter mehr auf dem Rasen sind, statt stundenlang Anträge auszudrucken, auszufüllen und zu versenden“, erklärte der KSB-Vorsitzende.
Lob vom Landessportbund und Olympia-Bewerbung
Andreas Bluhm, Präsident des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommern, würdigte den KSB Mecklenburgische Seenplatte als „verlässlichen Partner“ mit Vorbildwirkung für das gesamte Land. Aus einem Sonderprogramm sollen landesweit rund 60 Millionen Euro in zehn Jahren in Sportstätten fließen.
Bluhm warb zudem für die deutsche Olympia-Bewerbung: Im September solle entschieden werden, mit welchem Konzept sich Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee bewerbe. Trotz aller aktuellen Herausforderungen bleibt der Blick damit auch auf größeren sportpolitischen Zielen.



