Vom Spielplatz-Projekt zur Dorf-Revolution: Nauendorfer Initiative für Bürgerpreis nominiert
Was als bescheidene Elterninitiative für einen neuen Spielplatz begann, hat sich zu einer beeindruckenden Dorf-Revolution entwickelt. Die Nauendorfer Initiative „Wir sind eins“ hat nicht nur die Spielplatz-Situation verbessert, sondern das gesamte Gemeinschaftsleben im 1.650-Einwohner-Dorf neu belebt. Jetzt steht die Initiative für den renommierten Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ zur Wahl.
Aus einer Idee wurde ein ganzes Dorfkonzept
Als die Schulfreunde Mario Baartz, Maria Schenk und Fabian Kloß mit ihren Familien nach Nauendorf zurückkehrten, fanden sie eine Dorfgemeinschaft vor, die eher nebeneinander als miteinander lebte. Der Spielplatz bestand nur noch aus einer einsamen Schaukel, und die Vereine agierten weitgehend isoliert voneinander. „Wir haben alle Kinder und hatten uns 2022 das Ziel gesetzt, den Spielplatz zu erneuern“, erklärt der 35-jährige Fabian Kloß.
Innerhalb nur eines Jahres sammelte die Initiative durch Familienfeste und Spendenaktionen rund 30.000 Euro – und brachte dabei gleichzeitig die Nauendorfer wieder zusammen. Bei den Festen wurden bis zu 600 Besucher gezählt, ein deutliches Zeichen für den großen Bedarf an Gemeinschaftserlebnissen.
Vom Spielplatz zum Generationengarten
Mittlerweile hat sich auf einer zentralen Wiese in Nauendorf ein kleines Paradies entwickelt: Neben dem neuen Spielplatz mit Matschanlage gibt es ein grünes Klassenzimmer, selbstgebaute Sitzbänke, neu angepflanzte Bäume und ausreichend Platz zum Fußballspielen. Das Herzstück ist jedoch der Generationengarten, in dem jeder Himbeeren, Tomaten oder Kirschen pflücken darf – ein Symbol für die neu gewonnene Gemeinschaft.
„Der Heimatverein war dankbar, dass jemand die Verantwortung übernimmt“, berichtet Maria Schenk (36). Aus der ursprünglichen Elterninitiative ist inzwischen der aktive Kern des Heimatvereins geworden, der Veranstaltungen für alle Generationen organisiert: vom Sommerkino auf der Wiese bis zu gemeinsamen Arbeitseinsätzen für ein schöneres Dorf.
Politisches Engagement und zahlreiche Auszeichnungen
Die Initiative entwickelte sich so erfolgreich, dass sie bei den Kommunalwahlen 2024 als Liste antrat und sensationelle 78 Prozent der Wählerstimmen erhielt. Seitdem stellt „Wir sind eins“ nicht nur mit Maria Schenk die Ortsbürgermeisterin, sondern auch sechs der sieben Sitze im Nauendorfer Ortschaftsrat.
„Wir haben schnell gemerkt: Was wir für den Ort wollen, ist nicht nur ein Spielplatz“, betont Fabian Kloß. Mit Blick auf die politische Entwicklung sei es wichtig, dass man glücklich und harmonisch zusammenlebt. Das Wahlergebnis habe gezeigt, „wie wehrhaft die Demokratie sein kann“.
Die Wände in den sanierten Vereinsräumen in einem alten Gutshaus zeugen von der Anerkennung, die „Wir sind eins“ bereits erhalten hat: Neben dem Deutschen Nachbarschaftspreis 2024 hängen dort die Silber-Urkunde vom Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ und zahlreiche Auszeichnungen als Preisträger der „Revierpioniere“.
Finanzierung durch Engagement und Preisgelder
Da auch in der Nauendorfer Gemeindekasse Ebbe herrscht, werden alle Innovationen ausschließlich durch Spenden, Fördergelder und Preisgelder finanziert. Der neu fertiggestellte Fitnesspark wartet nur noch darauf, dass das umgebende Gras vor der Freigabe ausreichend wächst.
„Wir haben noch viele Ideen, aber wir wollen sie erst öffentlich machen, wenn Planung und Finanzierung stehen“, erklärt Fabian Kloß. Sicher ist jedoch, dass beim großen Frühjahrsputz am 11. April wieder zahlreiche Nauendorfer im Generationengarten mit anpacken werden.
Der Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“
Der Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ wird jährlich an Menschen und Organisationen verliehen, die sich in Halle und dem Saalekreis ehrenamtlich für ihre Mitmenschen engagieren. Personen jeden Alters, Vereine, lose Gruppen oder Initiativen können unter www.esel-auf-rosen.de vorgeschlagen werden. Eine Fachjury entscheidet über die Gewinner, die am 22. August im Neuen Theater Halle ausgezeichnet werden. Vorschläge sind noch bis zum 16. Mai möglich.
Der Preis ist eine gemeinsame Initiative der Mitteldeutschen Zeitung, der Volksbank und des Neuen Theaters Halle und würdigt besonderes bürgerschaftliches Engagement in der Region.



