Scharfe Kritik an Bahn: Falsche Zuganzeigen im sächsischen Regionalverkehr verärgern Fahrgäste
Bahn-Kritik: Falsche Zuganzeigen in Sachsen verärgern Fahrgäste

Fahrgastverband Pro Bahn übt scharfe Kritik an Informationsdefiziten der Bahn

Der Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland hat erhebliche Mängel bei der Fahrgastinformation im sächsischen Regionalverkehr angeprangert. Betroffen sind zahlreiche Linien und Verkehrsunternehmen, insbesondere bei Baustellen, Umleitungen und kurzfristigen Fahrplanänderungen. Die Auskunftssysteme zeigen laut Verbandsangaben immer wieder falsche Daten und Informationen an.

Deutsche Bahn kündigt Sofortprogramm für bessere Kommunikation an

Die Deutsche Bahn hatte bereits Anfang März ein Sofortprogramm für eine verbesserte Information der Reisenden angekündigt, ließ den konkreten Startzeitpunkt jedoch offen. „Eine bessere Kundenkommunikation ist uns ebenso wie Pro Bahn ein wichtiges Anliegen“, erklärte das Unternehmen auf Nachfrage. Das Programm soll noch im Frühjahr im Detail vorgestellt werden und sieht vor, Fahrgäste vor und während ihrer Reise besser zu informieren – sowohl im Zug, am Bahnhof als auch auf digitalen Kanälen.

Züge werden fälschlicherweise als fahrend angezeigt

Besonders schwerwiegend kritisiert Pro Bahn, dass Züge weiterhin als regulär fahrend angezeigt werden, obwohl sie umgeleitet werden oder komplett ausfallen. Dies führt an Bahnhöfen zu unübersichtlichen Situationen, in denen Fahrgäste ohne belastbare Informationen auf nicht verkehrende Verbindungen warten müssen.

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Als aktuelles Beispiel verwies der Verband auf den Karsamstag, als Fahrten des RE3 von Dresden-Neustadt nach Hof ohne jegliche Information in den gängigen Auskunftssystemen über Riesa umgeleitet wurden. Die Züge seien an den ausgelassenen Halten nicht als „ausgefallen“ angezeigt worden. In Dresden-Plauen wartete eine hohe Zahl an Fahrgästen vergeblich, da alle RE-Verbindungen als fahrend angezeigt wurden. Nach Bahnangaben war ein Personenunfall bei Muldenhütten die Ursache für die Umleitung.

Systemisches Versagen der Fahrgastinformation

„Wir erleben derzeit ein systemisches Versagen der Fahrgastinformation“, sagte Pro Bahn-Landesvorsitzender Markus Haubold. „Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um ein wiederkehrendes Muster: Anzeigen stimmen nicht, Apps zeigen falsche Daten, und vor Ort gibt es oft keinerlei verlässliche Hinweise. Für die Fahrgäste ist das schlicht nicht akzeptabel.“

Unzureichende Informationen auch in den Zügen selbst

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die unzureichende Information in den Zügen selbst. Michael Koch, Referent für die Region Dresden und Vize-Bundeschef von Pro Bahn, betonte: „Die Situation in den Fahrzeugen ist insbesondere bei DB Regio ärgerlich.“ Kurzfristige Fahrplanänderungen, Umleitungen oder Ausfälle würden häufig nicht auf den Bildschirmen dargestellt. Stattdessen seien oft statische Anzeigen ohne Echtzeitdaten oder sogar falsche Informationen zu sehen.

Durchsagen erfolgen zu spät oder sind unzureichend

Zudem seien Durchsagen vielfach unzureichend oder erfolgten zu spät, sodass Fahrgäste wichtige Entscheidungen – etwa zum Umsteigen – nicht rechtzeitig treffen könnten, monierte Koch. Hinzu komme, dass Fahrplan-Updates in vielen Fahrzeugen offenbar noch immer nur manuell und nicht aus der Ferne aktualisiert werden – „ein Zustand, der im Jahr 2026 völlig aus der Zeit gefallen ist“.

Regionalverkehr erfordert starke Nerven

„Wer heute im Regionalverkehr unterwegs ist, braucht starke Nerven. Man kann sich auf die Informationssysteme oft nicht verlassen, weder am Bahnsteig noch im Zug. Das darf in einem modernen Verkehrssystem nicht der Normalzustand sein“, stellte Koch klar. Die Fahrgastrechteverordnung verpflichte die Eisenbahnunternehmen ausdrücklich, Fahrgäste rechtzeitig und angemessen über Abweichungen zu informieren.

Verantwortung nicht nur bei Verkehrsunternehmen

Pro Bahn sieht die Verantwortung für diesen Zustand nicht ausschließlich bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen. Auch die Infrastrukturbetreiberin, die Bahn-Tochterfirma DB InfraGo, müsse ihren Beitrag leisten, insbesondere bei der Planung und Kommunikation von Baustellen. „Wir sehen immer wieder, dass Baustellen kurzfristig oder unzureichend kommuniziert werden“, so Markus Haubold.

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Abschließend betonte Haubold: „Verlässliche Information ist kein Zusatzservice, sondern eine Kernleistung des öffentlichen Verkehrs. Wer Fahrgäste gewinnen will, muss zuerst sicherstellen, dass sie überhaupt wissen, wann und wie ihr Zug fährt.“