Busumleitung erschüttert Rostocker Wohnviertel: Anwohner fordern Stopp
Busumleitung erschüttert Rostocker Wohnviertel

Anwohner der Schiller- und Dehmelstraße leiden unter Busverkehr

Seit mehr als zwei Jahren kämpfen die Bewohner der Schiller- und Dehmelstraße in Rostock gegen eine Busumleitung, die ihr Viertel massiv belastet. Der Lärm und die Vibrationen der schweren Linienbusse, die täglich von 4 Uhr morgens bis Mitternacht im Zehn-Minuten-Takt über das historische Kopfsteinpflaster rollen, haben bei vielen Anwohnern zu gesundheitlichen Beschwerden und Schäden an den Gebäuden geführt. Martin Hartmann, einer der Betroffenen, berichtet von Rissen in den historischen Fassaden. Die tonnenschweren Busse der Linien 22 und 23 der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) sind seit dem Start der Bauarbeiten in der Herweghstraße im Jahr 2024 auf dieser Ausweichstrecke unterwegs. Die Bauarbeiten dauern an, und die Anwohner fordern nun ein Ende der Belastung.

Petition und Ortsbeirat als Sprachrohr

Die Anwohner haben eine Online-Petition gestartet, in der sie eine Neubewertung der Umleitung verlangen. Sie schildern, dass die Vibrationen selbst auf den straßenabgewandten Seiten der Häuser spürbar sind und Babyphone anspringen lassen. Ein ruhiger Schlaf sei bei geschlossenen Fenstern kaum möglich, bei geöffneten im Sommer erst recht nicht. Zudem haben sie ihr Anliegen im Ortsbeirat Stadtmitte vorgetragen. Unterstützung erhalten sie nun von diesem Gremium, das einen Dringlichkeitsantrag einbringen will, um die Stadtverwaltung aufzufordern, auf die RSAG einzuwirken, die Umleitung anzupassen und „ausschließlich über asphaltierte Straßen zu realisieren“.

Die RSAG hingegen beruft sich auf die rechtlichen Grundlagen und die Genehmigung durch das Landesamt für Straßenbau MV aus dem Jahr 2024. Andrej Kirschbaum, Teamleiter Angebots- und Verkehrsplanung der RSAG, betonte auf der Sitzung des Ortsbeirates, dass eine Abschaffung der Umleitung einen großen Bereich des Bahnhofsviertels vom öffentlichen Nahverkehr abhängen würde, darunter eine Schule mit 380 Schülern und das Handwerker-Bildungszentrum. Er legte auch aktuelle Fahrgastzahlen vor: Von Januar bis April 2026 nutzten täglich etwa 1200 Menschen die Linien 22 und 23, rund 40 Prozent weniger als vor der Umleitung (2023: etwa 2000 Fahrgäste). Die meisten Fahrgäste sind zu den Stoßzeiten zwischen 6 und 8 Uhr sowie zwischen 14 und 16 Uhr unterwegs.

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Forderungen der Anwohner und Lösungsvorschläge

Die Anwohner, darunter Elisabeth Pfützner, Jörg Weber, Nicole Weber-Lux, Dr. Olga Scholz und Dr. Thomas Neundorf, fordern nicht nur Ruhe und Schutz ihrer Gesundheit, sondern auch eine transparente Kommunikation und verbindliche Zeitpläne für Bauarbeiten und Verkehrsmaßnahmen. Andrej Kirschbaum schlug bereits eine mögliche Lösung vor: Die Linie 22 könnte künftig direkt über die Rosa-Luxemburg-Straße zwischen Steintor und Hauptbahnhof pendeln, während der Takt der Linie 23 an Wochentagen auf alle 20 Minuten abgesenkt wird. Allerdings benötigt die Umsetzung dieser Änderungen entsprechende Genehmigungen, was nicht von heute auf morgen geschehen wird. Die Anwohner hoffen dennoch auf eine baldige Entlastung.

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