Deutsche setzen Prioritäten: Straßen vor Klimaschutz
Die Bevölkerung in Deutschland befürwortet laut einer aktuellen Studie verstärkte öffentliche Investitionen, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Straßeninfrastruktur. Andere Themenfelder polarisieren hingegen stärker, und die Skepsis gegenüber einer Finanzierung durch Staatsverschuldung bleibt ausgeprägt.
Gesundheit und Straßenbau an der Spitze
Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung offenbart klare Präferenzen. Rund 91 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Erhöhung der Staatsausgaben im Gesundheits- und Pflegesektor aus, entweder in moderatem oder starkem Umfang. Bildung folgt mit 87 Prozent Zustimmung, während Straßen, Brücken und Autobahnen von 82 Prozent der Teilnehmer priorisiert werden. Die öffentliche Sicherheit erreicht 80 Prozent, und Bahnverbindungen sowie der öffentliche Nahverkehr kommen auf 78 Prozent.
Klimaschutz verliert deutlich an Rückhalt
Im Kontrast dazu fällt die Unterstützung für andere Investitionsbereiche deutlich geringer aus. Nur etwa 56 Prozent der Deutschen wünschen sich mehr Geld für Mobilfunknetze und Internet, während Klima- und Umweltschutz lediglich 53 Prozent und Fußgänger- sowie Radwege nur 51 Prozent der Befragten überzeugen. Verglichen mit einer früheren IMK-Erhebung aus dem Jahr 2021 ist die Zustimmung für Klimaschutzmaßnahmen besonders stark eingebrochen, mit einem Rückgang von 20 Prozentpunkten. Bei Mobilnetz und Internet beträgt das Minus 12 Prozentpunkte, und bei Fußgänger- und Fahrradwegen sind es 4 Prozentpunkte.
Straßenbau gewinnt massiv an Zustimmung
Parallel dazu verzeichnet der Wunsch nach Mehrausgaben für Straßen, Brücken und Autobahnen den deutlichsten Zuwachs, mit einem Plus von 23 Prozentpunkten seit 2021. Auch die öffentliche Sicherheit sowie Bahnverbindungen und öffentlicher Nahverkehr verzeichnen jeweils einen Anstieg von 11 Prozentpunkten. Diese Verschiebung der Prioritäten unterstreicht eine veränderte öffentliche Meinung in Bezug auf infrastrukturelle Investitionen.
Finanzierung bleibt umstritten
Beim Thema Finanzierung zeigen sich die Deutschen gespalten. Zwar stimmen 59 Prozent grundsätzlich zu, dass der Staat zur Finanzierung öffentlicher Investitionen zusätzliche Kredite aufnehmen dürfen sollte, doch 20 Prozent sind unentschieden und 21 Prozent lehnen eine Kreditaufnahme ab. Konkret bevorzugen 66 Prozent der Bevölkerung Ausgabenkürzungen in anderen Bereichen als Finanzierungsquelle, ein Wert, der seit 2021 gestiegen ist. Nur 19 Prozent sprechen sich explizit für Kredite aus.
Die Autoren der Studie, Jan Behringer und IMK-Direktor Sebastian Dullien, betonen, dass die Bevölkerung die Finanzierung über Kredite in begrenztem Umfang akzeptiert, wie etwa durch das schuldenfinanzierte Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. „Gleichzeitig wünschen sich die Bürger eine kritische Überprüfung bestehender Staatsausgaben, um ineffiziente Posten zugunsten öffentlicher Investitionen zu streichen“, so die Forscher.
Investitionsbedarf übersteigt verfügbare Mittel
Das IMK weist darauf hin, dass die Sondervermögen den Investitionsbedarf, der 2024 mindestens 600 Milliarden Euro betrug, selbst bei strikter Verwendung bestenfalls zu zwei Dritteln decken könnten. Das Institut plädiert daher für eine Reform der Schuldenregeln, um mehr Spielraum für Investitionen zu schaffen, da alleinige Umschichtungen im Haushalt nicht ausreichen würden. Die Umfrage, an der rund 2.700 Menschen im Oktober und November 2025 teilnahmen, unterstreicht die komplexen Herausforderungen bei der Finanzierung öffentlicher Güter in Deutschland.



