Immer wieder kommt es in deutschen Schwimmbädern zu tragischen Todesfällen: Menschen ertrinken in den Becken, darunter vor allem viele Kinder. Das liegt auch daran, dass laut Studien rund 20 Prozent der Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren nicht schwimmen können. Nun haben die ersten Bäder Konsequenzen gezogen.
Neue Regelung im Freibad Verl
Ein Freibad im nordrhein-westfälischen Verl lässt Kinder unter 16 Jahren künftig nur noch baden, wenn sie ein Bronze-Abzeichen vorweisen können oder eine Begleitperson dabei haben. Allein im Jahr 2025 starben in Deutschland mindestens 393 Menschen bei Badeunfällen, die Situation in Freibädern spitzt sich Jahr für Jahr zu. Als Hauptursachen nennt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Selbstüberschätzung, Leichtsinn und mangelnde Schwimmfähigkeit.
Seepferdchen reicht nicht aus
57 Prozent der Eltern stufen ihre Kinder als sichere Schwimmer ein. Das ergab eine repräsentative Umfrage von forsa, die 2022 im Auftrag der DLRG durchgeführt wurde. Aufschluss darüber, wie sicher ein Kind tatsächlich schwimmen kann, gibt die Umfrage allerdings nicht. „Mütter und Väter sind oft der Meinung, ihr Kind kann schwimmen, wenn es das Seepferdchen hat“, sagt der Leiter Ausbildung im DLRG Präsidium, Christian Landsberg. Und weiter: „Sicher schwimmen kann erst, wer den Freischwimmer, also das Schwimmabzeichen Bronze, abgelegt hat.“ Aktuell ist davon auszugehen, dass sechs von zehn Kindern am Ende der Grundschule nicht sicher schwimmen.
Weitere Bäder ziehen nach
Schon in den vergangenen Jahren schlugen in vielen Schwimm- und Freibädern Deutschlands die Mitarbeiter Alarm. Sie berichteten von Eltern, die sich von ihrem Smartphone ablenken ließen oder das Badepersonal in der Verantwortung für ihre Kinder sahen. Immerhin: Das Freibad in Verl bietet Kindern im Gegenzug an, die Prüfung für den Freischwimmer kostenlos abzulegen. Neben dem Freibad haben auch Schwimmbäder in Hagen und in Berkum (Wachtberg) strengere Einlassregeln für Kinder aufgestellt.
Diese Maßnahmen sollen die Sicherheit im Wasser erhöhen und die Zahl der Badeunfälle reduzieren. Die DLRG begrüßt die Initiative und appelliert an weitere Kommunen, ähnliche Regelungen zu prüfen. Eltern werden zudem ermutigt, ihre Kinder frühzeitig an das Schwimmen heranzuführen und auf einen sicheren Schwimmnachweis zu achten.



