Berliner Behindertenbeirat fordert Straßenbahn statt Magnetschwebebahn für Spandau
In der aktuellen Verkehrsdebatte um den öffentlichen Personennahverkehr in Berlin positioniert sich der Bezirksbeirat für Menschen mit Behinderung in Spandau deutlich gegen Pläne für eine Magnetschwebebahn. Konrad Hickel, Vorsitzender des Gremiums und selbst Rollstuhlfahrer, argumentiert mit Nachdruck für den Ausbau des bewährten Straßenbahnnetzes.
Barrierefreiheit als zentrales Kriterium
Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen stellt die Barrierefreiheit ein entscheidendes Kriterium dar. Hickel betont, dass die Straßenbahn hier optimale Voraussetzungen biete, da sie in der Regel ohne aufwendige Aufzugsanlagen auskommt. Dies ermöglicht eine selbstständige Nutzung des öffentlichen Verkehrs, was für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unverzichtbar ist.
Die Magnetschwebebahn hingegen würde nach Einschätzung des Experten diese Anforderungen nicht erfüllen können. Die technische Umsetzung einer vollständig barrierefreien Magnetschwebebahn sei deutlich komplexer und würde höhere Investitionen erfordern, ohne dabei die gleiche Flexibilität zu bieten.
Dichtes Haltestellennetz für kurze Wege
Ein weiteres Hauptargument für die Straßenbahn ist die Möglichkeit, ein engmaschiges Haltestellennetz zu schaffen. „Benötigt wird ein ÖPNV-Angebot mit einem dichten Haltestellennetz, um die Wege zur Haltestelle kurz zu halten“, erklärt Hickel. Dies sei besonders für ältere Menschen, Familien mit Kindern und Personen mit eingeschränkter Mobilität von großer Bedeutung.
Die Straßenbahn kann sich nahtlos in das bestehende Stadtbild einfügen und benötigt keine massiven Betonbauwerke, die das Straßenbild dominieren würden. Im Gegensatz dazu würde eine Magnetschwebebahn als technisch aufwendige Hochbahnlösung das Stadtbild nachhaltig verändern.
Langfristige Planungssicherheit gefordert
Der Behindertenbeirat fordert von der Berliner Verkehrsplanung eine langfristige Perspektive. Die aktuellen Planungen sollten bereits den weiteren Ausbau des Straßenbahnnetzes im Blick haben, mit dem Ziel, perspektivisch alle Metrobus-Linien durch Straßenbahnen zu ersetzen.
Mit einer Magnetschwebebahn wäre eine solche flächendeckende Erschließung laut Hickel „vollkommen illusorisch“. Die Straßenbahn biete dagegen bewährte Technologie, die sich in zahlreichen europäischen Städten erfolgreich etabliert hat und kontinuierlich weiterentwickelt werden kann.
Die Debatte um die Magnetschwebebahn wird von Hickel als mögliches Verzögerungsmanöver kritisiert, das den dringend benötigten Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in Spandau behindern könnte. Statt auf technische Experimente zu setzen, plädiert er für pragmatische Lösungen, die bereits heute funktionieren und den Bedürfnissen aller Bürgerinnen und Bürger gerecht werden.



