Münchner Flughafen: Jahrzehntealtes Fernbahn-Problem könnte endlich gelöst werden
Seit seiner Eröffnung im Jahr 1992 leidet der Münchner Flughafen an einem grundlegenden infrastrukturellen Mangel: Es gibt keine direkte Anbindung an den Fernverkehr der Deutschen Bahn. Während andere große deutsche Airports wie Frankfurt über eigene ICE-Bahnhöfe verfügen, müssen Reisende in München stets auf Regionalzüge oder S-Bahnen umsteigen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat nun bei der Eröffnung eines bedeutenden Terminal-Erweiterungsbaus Hoffnungen geweckt, dass dieser Geburtsfehler behoben werden könnte.
Bund prüft Fernverkehrsanbindung – Bayern drängt auf Umsetzung
Bei der feierlichen Einweihung des neuen Terminal-Piers kündigte Minister Schnieder zunächst verbesserte Regionalverbindungen an. „Wir werden den Flughafen weit besser an den Münchner Hauptbahnhof anschließen“, versprach er. Die eigentliche Sensation war jedoch seine Ankündigung zur Fernverkehrsanbindung. Der Bund prüfe aktuell ein Konzept des Flughafens und des Freistaats Bayern für einen ICE-Bahnhof am Airport. Diese Prüfung soll bereits im Sommer abgeschlossen sein.
Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU), der zugleich dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft vorsteht, reagierte umgehend: „Sagen Sie uns, wann wir mit der Umsetzung rechnen können“, forderte er konkretes Handeln ein. Ursprünglich war der Flughafen in den 1980er Jahren tatsächlich mit einem Fernbahnhof geplant worden, dieser Teil des Projekts wurde jedoch nie realisiert.
Terminal-Erweiterung: 665 Millionen Euro für sechs Millionen zusätzliche Passagiere
Anlass der politischen Diskussionen war die Fertigstellung eines der größten Bauprojekte im deutschen Luftverkehr der letzten Jahre. Der nach siebenjähriger Bauzeit vollendete „Terminal 1 – Pier“ bietet Kapazität für bis zu sechs Millionen zusätzliche Passagiere pro Jahr – vergleichbar mit der Gesamtkapazität des Flughafens Hannover.
Die wichtigsten Fakten zum Neubau:
- Baukosten: 665 Millionen Euro (ursprünglich unter 500 Millionen Euro geplant)
- Länge: 360 Meter mit Platz für zwölf gleichzeitig abgefertigte Flugzeuge
- Spezielle Ausstattung: Drei Fluggastbrücken für den Airbus A380 mit zwei Ebenen
- Inbetriebnahme: Eine Woche nach der Eröffnungsfeier
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete das Bauwerk als „weiteren Meilenstein in der Entwicklung Bayerns“. Die Bauarbeiten hatten 2019 begonnen und sollten eigentlich bereits 2023 oder 2024 abgeschlossen sein. Die Corona-Pandemie führte jedoch nicht nur zu Verzögerungen, sondern auch zu erheblichen Kostensteigerungen.
Weitere Expansion bereits in Planung
Der Erweiterungsbau ist speziell für den wachsenden Interkontinentalverkehr konzipiert. Bereits jetzt sind weitere Ausbaupläne in der Pipeline: Die Lufthansa plant am zweiten Terminal bis 2035 einen weiteren Neubau mit Kapazität für bis zu zehn Millionen zusätzliche Passagiere. Die Fluggesellschaft ist Mitbetreiberin des zweiten Terminals und treibt die Expansion aktiv voran.
Im vergangenen Jahr verzeichnete der nach Frankfurt zweitgrößte deutsche Flughafen über 43 Millionen Starts und Landungen. Während das Thema der dritten Startbahn – von Umweltschützern und Grünen abgelehnt – bei der Feier keine Rolle spielte, rückte die Fernbahnfrage wieder in den Fokus. Sollte die Prüfung des Bundes positiv ausfallen, könnte München nach über drei Jahrzehnten endlich seine ICE-Anbindung erhalten.



