Der Leuchtturm von Norderney, das Wahrzeichen der Nordseeinsel, zeigt derzeit ein ungewohntes Bild: Seine Lichtsignale erscheinen seltener als gewohnt. Grund dafür ist ein verschlissenes Getriebe in der Optik des Turms, das die Rotation verlangsamt. „Durch die Änderung der Rotation hat sich die Wiederkehr der Kennung um zwei Sekunden verlängert“, erklärte ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Ems-Nordsee. Statt wie bisher alle zwölf Sekunden blinkt der Turm nun nur noch alle 14 Sekunden.
Technischer Defekt in 60 Metern Höhe
Die Ursache liegt in gut 60 Metern Höhe, wo sich die drehbare Lichttechnik befindet. „Die Antriebseinheit, bestehend aus Getriebe sowie Haupt- und Reservemotor, dreht hochpräzise die wuchtige Optik des Leuchtfeuers“, so der WSA-Sprecher. Regelmäßige Wartung durch Fachleute sei selbstverständlich, doch nach über 25 Jahren seien Komponenten des spezialgefertigten Getriebes abgenutzt und müssten ausgetauscht werden. Daher weicht das Signal nun von der üblichen Taktung ab.
Schifffahrt informiert – Ersatzteil wird erwartet
Da die eindeutigen Lichtzeichen bis heute eine wichtige Orientierungshilfe für die Schifffahrt in der Deutschen Bucht darstellen, hat das WSA die Seefahrer über die geänderten Signale informiert. Die Techniker der Behörde warten nun auf ein Ersatzteil, um den Defekt zu beheben. Andere Komponenten wie die Lichtquelle oder die Optik funktionieren weiterhin einwandfrei, sodass der Leuchtturm seine Funktion grundsätzlich erfüllen kann.
Bedeutung der Leuchttürme in der modernen Navigation
Der Norderneyer Leuchtturm weist seit über 140 Jahren den Weg. Einst mit einer Petroleumlampe betrieben, kommt heute eine 400-Watt-Dampfentladungslampe zum Einsatz. Trotz moderner Technik wie elektronischer Seekarten, Satellitenkommunikation und Schiffsortungssystemen betont das WSA die anhaltende Relevanz der Leuchtfeuer: „Sie sind auch in modernen Zeiten ein unverzichtbares Hilfsmittel für eine sichere Navigation.“ Fehler oder Fehlinterpretationen elektronischer Systeme könnten vorkommen, daher sei es wichtig, bewährte Navigationshilfen weiterhin zu nutzen.
Anders als früher kommen die rund 150 Leuchttürme an der deutschen Nord- und Ostseeküste heute ohne Wärter aus. Sie werden von Verkehrszentralen an Land überwacht. Techniker besuchen die Türme nur noch für Instandhaltungsarbeiten wie den Wechsel von Leuchtmitteln oder das Testen von Notstromanlagen.



