Existenzielle Sorgen: Spediteure an der Müritz kämpfen mit explodierenden Dieselkosten
Die anhaltend hohen Dieselpreise setzen der Transportbranche in der Müritzregion massiv zu. Fuhrunternehmer berichten von dramatischen Mehrkosten und fordern konkrete Hilfen von der Politik, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.
Domino-Effekt befürchtet: Von der Tankstelle bis zum Supermarkt
Kati Saß vom Warener Unternehmen Daniel Transporte macht deutlich, dass die Situation für viele Spediteure existenzbedrohend geworden ist. „Das muss man erst mal verdienen!“, kommentiert sie die zusätzlichen 1000 Euro, die ihr Betrieb alle zwei Wochen fürs Tanken aufwenden muss. Sie warnt vor einem Domino-Effekt: Wenn Transporte teurer werden, könnten bald auch die Lebensmittelpreise explodieren.
Das Unternehmen transportiert vor allem Stückgut und Betonteile, meist im Auftrag des Logistikzentrums Dachser in Stavenhagen. Doch auch bei Umzugsfahrten mussten die Preise angepasst werden. „Da mussten wir leider auch die Preise anziehen und rund 20 Cent pro Kilometer mehr nehmen. Sonst müssen wir irgendwann dichtmachen“, erklärt Saß. Die meisten Kunden würden dies zwar verstehen, doch die allgemeine Preisspirale bereitet allen Beteiligten Sorgen.
Monatliche Mehrbelastung von 60.000 Euro
Andreas Bub, Chef der Friedhelm Bub OHG in Röbel, blickt auf eine Flotte von 50 Lkw. Seit Dezember zahlt er nach eigenen Angaben rund 70 Cent netto mehr pro Liter Diesel. Summasummarum bedeutet dies eine monatliche Mehrbelastung von etwa 60.000 Euro, nur um den Betrieb aufrechtzuerhalten und die 65 Mitarbeiter zu beschäftigen.
Sein Unternehmen nutzt zwar den sogenannten Dieselfloater – einen variablen Zuschlag, der Transportpreise an schwankende Dieselkosten anpasst. Doch dieser Mechanismus wirkt zeitverzögert. „Ich werde mein Geld, das ich nun vorschieße, von den Kunden also erst im Mai bekommen“, erklärt Bub. Viele kleinere Transportunternehmen verfügten gar nicht über solche Absicherungsmechanismen und müssten die Kosten unmittelbar tragen.
Kritik an politischen Maßnahmen
Die jüngste Maßnahme der Bundesregierung, nach der Tankstellen seit dem 1. April die Preise nur einmal täglich erhöhen dürfen, wird von den Betroffenen als unzureichend kritisiert. „Das hilft niemandem und ist einfach nur wieder ein Beweis, dass die Menschen, die arbeiten, dieser Politik egal sind“, urteilt Andreas Bub.
Was aus Sicht der Spediteure helfen würde:
- Eine kurzfristig wirksame „Dieselpreisbremse“
- Die Aussetzung der CO2-Abgaben
- Konkrete Hilfen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Transportgeschäft
Doch Bub zeigt sich pessimistisch: „Aber das wird nicht passieren“. Sein Unternehmen kann im nächsten Jahr auf 40 Jahre seit Gründung zurückblicken – doch die aktuelle Krise stellt die Branche vor eine der größten Herausforderungen ihrer Geschichte.



