U6-Verlängerung nach Martinsried: Ab 2027 rollt die U-Bahn 950 Meter weiter
Im Münchner Südwesten wird 2027 ein neues Kapitel im öffentlichen Nahverkehr aufgeschlagen: Die U6-Verlängerung nach Martinsried soll dann eröffnet werden. Von der heutigen Endstation "Klinikum Großhadern" werden die Gleise um 950 Meter weitergelegt, was den Anschluss für Tausende Pendler, Studenten und Forscher deutlich verbessert.
Der U-Bahnhof Großhadern: Ein lebendiger Knotenpunkt
Rund 16.000 Fahrgäste steigen täglich am U-Bahnhof Großhadern ein und aus. Morgens strömen Studentinnen und Studenten mit ihren Rucksäcken aus der Bahn, um zu den naturwissenschaftlichen Fakultäten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) zu gelangen. Später sind Ältere unterwegs: Eine Frau trägt ihren Dackel auf dem Arm, ein Vater schiebt den Kinderwagen, und ein grauhaariger Mann durchsucht die Abfalleimer nach Pfandflaschen – ein Hinweis darauf, dass auch im gutbürgerlichen Stadtviertel prekäre Lebensverhältnisse existieren.
Kiosk und Toiletten: Willkommene Annehmlichkeiten
Ein Lichtblick für die Pendler und Anwohner: Der U-Bahn-Kiosk hat seit Ende Januar nach sechsjähriger Pause wieder geöffnet. Ali Dosti (27), der den Kiosk mit einem Freund betreibt, berichtet: "Die Leute freuen sich, dass wir da sind. Am besten geht Tabak. Die Jungen kaufen Energydrinks und Vape-Zubehör." Ältere Fahrgäste fragen häufig nach Zeitungen, die bald ins Sortiment aufgenommen werden sollen. Allerdings ist der Fahrscheinverkauf bisher von der MVG nicht genehmigt worden.
Eine weitere gute Nachricht: Die Toiletten am Aufgang Würmtalstraße/Heiglhofstraße funktionieren einwandfrei. Für 60 Cent erhalten Besucher Zugang zu sauberen Einrichtungen mit Toilettenpapier und Seife – ein starker Pluspunkt für diese U6-Station.
Architektur und Umgebung: Gelbe Säulen und Einkaufsmeile
Der U-Bahnhof Großhadern, der erst 1993 eröffnet wurde, ist bekannt für seine markante Optik. Knallgelbe Säulen ziehen die Blicke auf sich, und ein Wandgemälde des Künstlers Johannes Klinger zeigt geologische Gesteinsschichten in Braun- und Grautönen. Direkt an der Oberfläche, in der Nähe der Heiglhofstraße, befindet sich eine Einkaufsmeile mit Friseur, Rewe-Markt, Apotheke und mehreren Banken. Besonders beliebt ist der Dönerladen "Elemu Döner" bei Studenten sowie beim Personal des nahegelegenen Klinikums Großhadern.
Stimmen aus der Nachbarschaft
Rentnerin Brigitte Seitz nutzt die U-Bahn gerne, um in die Innenstadt zu fahren. Sie erinnert sich an die Zeit vor der U-Bahn, als hier nur alle 20 Minuten ein Bus fuhr: "Das war damals nicht so gut!" Ihr gefällt die ruhige Wohngegend, und sie beobachtet, dass immer mehr junge Leute nach Großhadern ziehen.
David Stephenson (76), ehemaliger Dozent für Organische Chemie an der LMU, lobt die Barrierefreiheit: "Mit Aufzug und Rolltreppe komme ich überall gut hin. Auch das Deutschlandticket ist praktisch. Früher bin ich Auto gefahren, doch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich jetzt zufrieden."
Die U6-Verlängerung: Ein 212-Millionen-Euro-Projekt
Die Baustelle für die U6-Verlängerung nach Martinsried ist bereits in vollem Gange. Auf einer Breite von 17 bis 19 Metern entsteht ein neuer U-Bahn-Tunnel, der bis zu 20 Meter unter der Oberfläche verläuft. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 212 Millionen Euro. Zu den künftigen Nutzern zählen nicht nur Studenten und Lehrende der LMU, sondern auch Mitarbeiter der Max-Planck-Institute für Biochemie sowie des Innovations- und Gründerzentrums Biotechnologie Martinsried (IZB) mit seinen zahlreichen Start-ups.
Die Eröffnung der neuen Endstation Martinsried im Jahr 2027 wird die Mobilität in der Region nachhaltig verbessern und die Anbindung an wichtige Forschungseinrichtungen stärken.



