Autofahren im Winter: Sechs wertvolle Tipps für mehr Sicherheit und Komfort
Die kalte Jahreszeit stellt Autofahrer vor besondere Herausforderungen. Neben dem obligatorischen Freikratzen von Scheiben und Scheinwerfern gibt es zahlreiche weitere Maßnahmen, die für mehr Sicherheit und Komfort sorgen können. Martin Weber | 18. Dezember 2025 - 16:30 Uhr
Nicht nur schön, sondern vor allem sicher soll die Fahrt durch die Winterlandschaft sein. Während in einem früheren Beitrag bereits über mögliche Strafzettel und Flensburg-Punkte im Winter informiert wurde, konzentrieren wir uns hier auf praktische Ratschläge für den sicheren und komfortablen Winterbetrieb.
Tipp 1: Auf die dicke Winterjacke verzichten
Obwohl es bei eisigen Temperaturen zunächst widersinnig erscheint, sollte man sich keinesfalls mit dicker Winterjacke hinters Steuer setzen. Dafür sprechen drei gewichtige Gründe:
- Sicherheitsgurt-Wirksamkeit: Die Dicke und glatte Oberfläche von Winterjacken kann die Schutzwirkung des Sicherheitsgurts erheblich mindern. Der Gurt liegt nicht eng genug an und kann an falsche Stellen rutschen, was bei einem Unfall zu inneren Verletzungen führen kann.
- Beweglichkeit: Viele Winterjacken schränken die Bewegungsfreiheit deutlich ein. Dies beeinträchtigt nicht nur die Fahrzeugbedienung, sondern erschwert auch Sicherheitsmaßnahmen wie den "holländischen Griff", der Radfahrer vor Dooring-Unfällen schützt.
- Wärmeempfinden: Sobald die Autoheizung Wärme produziert, isoliert die Winterjacke effektiv dagegen. Paradoxerweise friert man länger, weil die dicke Jacke verhindert, dass die Wärme zur Haut vordringt.
Die Jacke gehört daher besser auf Beifahrersitz oder Rücksitz.
Tipp 2: Kupplung beim Start durchtreten
Frostnächte bedeuten für ADAC und Werkstätten morgendliche Hochkonjunktur, besonders wenn bereits geschwächte Autobatterien der Kälte nicht standhalten. Doch nicht nur alte Batterien leiden unter niedrigen Temperaturen - auch bei neueren Energiespeichern verlangsamen sich die elektrochemischen Prozesse. In städtischen Umgebungen kommen zusätzliche Belastungen hinzu:
- Häufiges Anlassen durch Start-Stop-Automatiken
- Viele Kurzstrecken, die keine ausreichende Batterieladung ermöglichen
Hinzu kommt, dass Motor- und Getriebeöl bei Kälte zäher werden. Muss der Anlasser diese zähen Flüssigkeiten bewegen, entzieht er der Batterie noch mehr Energie. Deutlich einfacher wird der Startvorgang, wenn man die Kupplung durchtritt. Im Gegensatz zum Leerlauf werden dann keine Getriebebauteile im zähflüssigen Öl mitgedreht, was die Batterie erheblich entlastet.
Tipp 3: Heizung zunächst ausschalten
Auch dieser Ratschlag mag zunächst paradox erscheinen, beschleunigt aber tatsächlich die Erwärmung des Fahrzeuginnenraums. Die Heizung von Verbrennermotoren wird vom Kühlkreislauf gespeist. Dreht man bei kaltem Motor die Heizung sofort auf Maximum, benötigt das Triebwerk deutlich länger, um seine Betriebstemperatur zu erreichen. Dies hat mehrere negative Folgen:
- Mehr Abgase: Der Motor verbleibt länger in einem abgas- und verbrauchsstarken Temperaturbereich
- Höherer Verschleiß: Die Motorteile werden stärker beansprucht
- Längere Wartezeit: Es dauert deutlich länger, bis nennenswerte Wärme aus den Lüftungsöffnungen strömt
Die ersten Fahrminuten sollte die Heizung daher ausgeschaltet bleiben. Besonders schonend und schnell erwärmt sich der Motor, wenn man in einem hohen Gang mit niedriger Drehzahl, aber etwas mehr Gas als üblich fährt.
Tipp 4: Handbremse mit Bedacht nutzen
Das übliche Einparkritual - Motor abstellen, Gang einlegen, Handbremse ziehen - kann im Winter unangenehme Überraschungen bereithalten. Bei vielen Fahrzeugen funktioniert die Handbremse nicht über den hydraulischen Bremskreislauf, sondern über Zugseile ähnlich wie bei Fahrrädern. In diesen Seilen kann bei Frost Kondenswasser gefrieren, wodurch sich die Parkbremse nicht mehr lösen lässt - im schlimmsten Fall ein Fall für den Abschleppwagen.
Bei scharfem Frost sollte man daher auf die Handbremse verzichten. Die "P"-Stellung bei Automatikgetrieben oder ein eingelegter Gang bei Handschaltern bieten meist ausreichende Haltekraft. Ein hoher Gang ist dabei besonders effektiv, da das Fahrzeug den Motor über eine lange Übersetzung "mitziehen" müsste. Nur bei steilem Untergrund sollten zusätzlich die Räder eingeschlagen werden:
- Bei Gefälle (Fahrzeugfront bergab): Räder in Richtung Bordstein
- Bei Steigung (Fahrzeugfront bergauf): Räder vom Bordstein weg
Fahrzeuge mit elektrischer Parkbremse sind zwar weniger anfällig, doch auch hier ist bei starkem Frost Zurückhaltung sinnvoll.
Tipp 5: Tank nicht unter ¼ fallen lassen
Kondenswasserbildung stellt im Winter ein ernstzunehmendes Problem dar. Je leerer der Tank, desto mehr feuchte Luft befindet sich darin. Bei nächtlichem Frost kühlen die Tankwände aus, und bei tagsüber steigenden Temperaturen oder durch Auspuffabwärme schlägt sich das Wasser an der Tankinnenseite nieder. Da Wasser schwerer als Kraftstoff ist, sinkt es zum Tankboden, wo sich meist die Anschlüsse für das Kraftstoffsystem befinden.
Die potenziellen Folgen sind gravierend:
- Bei Benzinern: Beeinträchtigte Einspritzdüsen, unrunder Lauf, eingefrorene Kraftstoffleitungen oder -filter
- Bei Diesel: Ausflocken des Dieselkraftstoffs, vereiste Filter oder Leitungen, Schäden an Hochdruckpumpen, Korrosion
Besonders problematisch wird es bei häufigem Kurzstreckenbetrieb und Temperaturwechseln. Über den gesamten Winter sollte der Tankfüllstand daher dauerhaft über ¼ liegen. Vor scharfem Frost oder längeren Standzeiten empfiehlt sich sogar vollständiges Volltanken.
Tipp 6: Reifendruck leicht erhöhen
Winterreifen bieten bei Regen, Matsch und Schnee mehr Grip, weil ihre Gummimischung auch bei Kälte weich bleibt. Allerdings zieht sich die Luft in den Reifen bei Kälte zusammen. Zwar dehnt sie sich nach einigen Kilometern durch Aufwärmen wieder aus - viele Pendler fahren jedoch nicht weit genug für diesen Effekt.
Die Folgen sind erhöhter Abrollwiderstand, gesteigerter Kraftstoffverbrauch und stärkerer Reifenverschleiß. Ein um 0,2 bis 0,3 Bar erhöhter Reifendruck gegenüber den Herstellerangaben für die jeweilige Beladung stellt meist den optimalen Wert dar und schadet auch nicht, wenn die Reifen bei längeren Fahrten stärker "auf Temperatur kommen".
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