Zahnärztliche Versorgung in Mecklenburg-Vorpemmern steht vor großen Herausforderungen
Die Suche nach einem Zahnarzttermin entwickelt sich in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend zu einer schwierigen Aufgabe. Selbst in der Landeshauptstadt Schwerin müssen neue Patienten häufig mehrere Praxen kontaktieren, um überhaupt aufgenommen zu werden. In ländlichen Gebieten gestaltet sich die Situation noch deutlich prekärer, wo oft weite Anfahrtswege in Kauf genommen werden müssen.
Dramatischer Rückgang der Zahnärztezahlen
Seit dem Jahr 2013 ist die Anzahl der Vertragszahnärzte im Nordosten Deutschlands um ein Viertel gesunken. Aktuellen Daten der Kassenzahnärztlichen Vereinigung zufolge praktizieren in Mecklenburg-Vorpommern nur noch 791 zugelassene Vertragszahnärzte. Im Vorjahr waren es noch 841, was einen weiteren deutlichen Rückgang bedeutet. Hinzu kommen 263 angestellte Zahnmediziner und 128 Auszubildende.
Besorgniserregend ist die Altersstruktur: Gut jeder fünfte Zahnarzt befindet sich bereits zwischen 60 und 64 Jahren und steht somit unmittelbar vor dem Ruhestand. Die Suche nach Nachfolgern gestaltet sich zunehmend schwieriger. Während 2018 noch 30 Praxisübernahmen gelangen, waren es 2023 nur noch 19. Derzeit werden für 24 Zahnarztpraxen dringend Nachfolger gesucht.
Land und Zahnärzteschaft reagieren mit umfangreichen Maßnahmen
Um die zahnärztliche Versorgung langfristig zu sichern, haben Landespolitik und Zahnärzteschaft verschiedene Initiativen gestartet. Ein zentrales Element ist die neu eingeführte Landzahnarzt-Quote für die Zahnmedizinstudiengänge in Rostock und Greifswald. Acht Studienplätze werden dabei nicht primär nach Abiturnote vergeben, sondern an Bewerber, die sich verpflichten, nach ihrem Abschluss in unterversorgten ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns tätig zu werden.
Weitere Maßnahmen umfassen:
- Ein Stipendienprogramm mit monatlich 1.500 Euro für maximal sechs Semester
- Finanzielle Unterstützung bei Praxisgründungen und -übernahmen
- Investitionshilfen für moderne Praxisausstattungen
- Förderung von Anstellungen in bestehenden Praxen
Die Finanzierung dieser Programme erfolgt über einen Strukturfonds, der sich aus Beiträgen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung und der Krankenkassen speist.
„Tag der Chancen“ als wichtiges Instrument der Nachwuchsgewinnung
Ein besonderer Fokus liegt auf der Veranstaltung „Tag der Chancen“, die am 25. April im Rostocker Hotel Neptun stattfindet. Diese seit 2019 etablierte Veranstaltung richtet sich speziell an Zahnmedizinstudenten und junge Zahnärzte. Durch praxisnahe Vorträge, Erfahrungsberichte etablierter Kollegen und konkrete Informationen zu Berufseinstieg und Praxisübernahme sollen junge Mediziner für eine Tätigkeit in Mecklenburg-Vorpommern begeistert werden.
Das Interesse an dieser Veranstaltung ist kontinuierlich gewachsen – die Teilnehmerzahl hat sich seit der ersten Auflage bereits verdoppelt. Dies unterstreicht die Dringlichkeit der Thematik und das Engagement aller Beteiligten, Lösungen für die zahnärztliche Versorgung im Nordosten zu finden.
Obwohl im allgemeinzahnärztlichen Bereich offiziell noch keine Unterversorgung festgestellt wurde, zeigt sich im Bereich der Kieferorthopädie bereits ein deutliches Defizit. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim gilt hier als unterversorgt. Die aktuellen Bemühungen von Land und Zahnärzteschaft zielen darauf ab, eine solche Entwicklung im gesamten zahnmedizinischen Bereich zu verhindern und die Versorgung der Bevölkerung langfristig zu gewährleisten.



