Neubrandenburger Pflegeunternehmen Wilma: Insolvenzverfahren und Zukunftsperspektiven
Wilma in Neubrandenburg: Insolvenz und Neuanfang

Neubrandenburger Pflegeunternehmen Wilma im Insolvenzverfahren

Das Neubrandenburger Pflegeunternehmen Wilma befindet sich derzeit in einem Insolvenzverfahren, nachdem es im vergangenen September Insolvenz anmelden musste. Geschäftsführerin Lisa Cziborra, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrer Kollegin Julia Brendicke führt, äußert sich nun erstmals detaillierter zu den Hintergründen und Zukunftsperspektiven.

Ursachen der Insolvenz und juristische Verfahren

Laut Cziborra wurden in der Vergangenheit des Unternehmens Unregelmäßigkeiten festgestellt, die aktuell im Rahmen des Sanierungsverfahrens aufgearbeitet werden. Es laufen juristische Verfahren, an denen mehrere Parteien beteiligt sind, deren Ausgang noch abgewartet werden muss. Die Geschäftsführerin betont, dass sich das Unternehmen trotz dieser Herausforderungen auf die Zukunft konzentriert und eine Neustrukturierung anstrebt.

„Wir arbeiten mit allen Beteiligten zur Aufarbeitung zusammen, während wir versuchen, dass der laufende Geschäftsbetrieb möglichst wenig beeinflusst wird“, erklärt Cziborra. Es gebe Ermittlungsverfahren gegen die vorherige Geschäftsführung, zu deren Stand das Unternehmen jedoch keine Informationen habe.

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Stabilität trotz Insolvenz: 160 Mitarbeiter halten die Treue

Erstaunlicherweise hat das Insolvenzverfahren weder bei Kunden noch bei Mitarbeitern zu Abwanderungen geführt. Alle 160 Mitarbeiter sind dem Unternehmen treu geblieben, darunter mehr als 40 vietnamesische und indische Auszubildende. Cziborra führt dies auf transparente Kommunikation und persönliche Beziehungen zurück, da sie seit 2017 im Unternehmen tätig ist und alle Mitarbeiter persönlich kennt.

Zur Bewältigung von Ängsten wurde ein unternehmensinterner Kummerkasten eingerichtet, über den Mitarbeiter informiert werden und Fragen stellen können. „Nur mit Ehrlichkeit und Transparenz erreicht man, dass Ängste abgebaut werden“, so die Geschäftsführerin. Sie verweist zudem auf die stabile Nachfrage in der Pflegebranche, wo in Neubrandenburg bereits 30 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt sind.

Unternehmensgruppe und Zukunftsperspektiven

Wilma gehört zu einer Unternehmensgruppe unter dem Dach einer Holding, zu der auch andere Unternehmen wie Emil oder TheraExpert zählen. Diese waren ebenfalls von Insolvenzbekanntmachungen betroffen. Cziborra erklärt, dass Wechselwirkungen innerhalb der Gruppe dazu führten, dass auch gesunde Unternehmen in eine neue Struktur gebracht werden mussten.

Trotz dieser Herausforderungen ist die Geschäftsführerin optimistisch: „Davon bin ich absolut überzeugt, dass alle diese Unternehmen eine Zukunft haben“. Auch der Insolvenzverwalter habe dies gegenüber den Mitarbeitern deutlich gemacht. Lediglich im gastronomischen Bereich, etwa bei der Hafenstunde, möchte man nicht mehr tätig sein.

Zusammenarbeit mit Insolvenzverwalter und Zeitplan

Die Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Insolvenzverwalter Herrn Busching aus Neubrandenburg gestaltet sich sehr gut. „Die Idee des Kummerkastens kam zum Beispiel von der Kanzlei, weil sie die Erfahrung mit Insolvenzen hat“, berichtet Cziborra. Das Tagesgeschäft wird operativ weiterhin von der Geschäftsführung in enger Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter geleitet.

Als Ziel wurde angekündigt, bis zum 31. August aus der Insolvenz herauszukommen. Cziborra begründet ihren Optimismus mit den aktuellen Zahlen: „Derzeit wird der Insolvenzplan vorbereitet. Da ist alles schwarz, und zwar solide schwarz“. Sie bestätigt, dass nicht der reine Geschäftsbetrieb das Problem war, sondern zusätzliche Zahlungsforderungen, die zu den Insolvenzgründen führten.

Neue Projekte: Ausbau der ambulanten Palliativversorgung

Wilma blickt bereits nach vorn und plant den Ausbau der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV). Seit Januar begleitet das Unternehmen Patienten ambulant beim Sterbeprozess, etwa in der Häuslichkeit oder in ambulanten Wohnformen. „Wir haben in diesem Bereich hochqualifiziertes Fachpersonal und glauben, dass das Thema weiter an Bedeutung gewinnen wird“, so Cziborra.

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Hintergrund ist ein bundesland-einheitlicher Vertrag mit den Kostenträgern, den der Berufsverband ausgehandelt hat. Dies ermöglicht erstmals eine verlässliche Kalkulation von Kosten und Refinanzierungsmöglichkeiten.

Fachkräftesicherung und internationale Ausbildung

In einer Branche, die für Fachkräftemangel bekannt ist, gelingt es Wilma, 160 Mitarbeiter und 45 Auszubildende zu halten. „Ohne ausländischen Zuzug ist das Personalproblem in der Pflege nicht zu lösen“, betont Cziborra. Das Unternehmen setzt seit Jahren auf Kräfte aus Vietnam und Indien und arbeitet mit Agenturen in beiden Ländern zusammen.

Wilma bietet eine hochqualifizierte Ausbildung durch ein reines Ausbildungsteam mit einer Koordinatorin und Praxisanleitern. „Es hat sich herumgesprochen, dass jeder, der hier die Ausbildung durchläuft, gut gerüstet ist für die Arbeit in der Pflege“, so die Geschäftsführerin. Auch wenn nicht alle Lehrlinge nach der Ausbildung im Betrieb bleiben, sieht man sich nicht in Konkurrenz zu anderen Anbietern, sondern als Teil eines Netzwerks zur Stärkung der Region.

Netzwerkarbeit und unternehmerische Konzentration

Anders als ihr Vorgänger, der sehr prominent als Vertreter der Pflegebranche auftrat, setzt Cziborra auf zurückhaltendere Netzwerkarbeit. „Wir werden uns als Unternehmen weiterhin für das Thema einsetzen. Aber das muss nicht unbedingt prominent passieren“, erklärt sie. Vorrangig konzentriert sie sich jedoch auf den Weg aus der Insolvenz und die Zukunft des Unternehmens Wilma.