Münchens U-Bahnhof Westfriedhof: Ein unterirdisches Design-Wunder mit internationaler Strahlkraft
Oben idyllische Friedhofsruhe, unten futuristische Architektur – am U-Bahnhof Westfriedhof in München treffen Gegensätze auf einzigartige Weise zusammen. Die 1998 eröffnete Station hat sich zu einem echten Design-Juwel entwickelt, das sogar international für Aufsehen sorgt.
Lichtspektakel unter der Erde
Wer in den U-Bahnhof Westfriedhof einfährt, erlebt einen beeindruckenden Kontrast: Nach kurzem Tageslichteinfall taucht man plötzlich in eine blau schimmernde Felslandschaft mit riesigen farbigen Leuchten ein. Das innovative Lichtdesign stammt von Ingo Maurer (1932-2019), der auch den U-Bahnhof Münchner Freiheit gestaltete. Elf tief hängende Leuchten mit einem Durchmesser von 3,80 Metern in Blau, Rot und Gelb tauchen den Bahnsteig in faszinierende Farbschattierungen.
Die rauen Seitenwände, die so belassen wurden, wie sie in den Boden gefräst wurden, werden zusätzlich blau angestrahlt. Ein feines Netz schützt vor herabfallenden Steinen. Besonders bemerkenswert ist das Tageslicht am südlichen Bahnsteigende, das bis auf die Bahnsteigebene fällt und zusammen mit den scheinbar schwebenden Treppen den Eindruck vermittelt, man steige in eine mystische Höhle hinab.
Internationale Bekanntheit durch New York Times
Die außergewöhnliche Gestaltung machte den Bahnhof zu einem beliebten Fotomotiv – nicht nur für Münchner Hobbyfotografen, sondern auch für internationale Medien. Während der Coronazeit dokumentierte die New York Times öffentliche Orte weltweit, und ein Bild des U-Bahnhofs Westfriedhof von Fotografin Laetitia Vacon erschien im März 2020 im Artikel "Die große Leere". Das Foto ist bis heute im Onlineshop der Times erhältlich – ab 50 Dollar aufwärts.
Die Station wurde bereits auf Plattencovern verewigt und zierte sogar eine Briefmarke. Die Kombination aus dem architektonischen Konzept des Büros Auer und Weber und Maurers Lichtdesign schafft eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht.
Wichtiger Verkehrsknotenpunkt mit bewegter Geschichte
Der Bahnhof liegt an der Grenze zwischen Gern (Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg) und Moosach und wurde am 24. Mai 1998 eröffnet. Ursprünglich Endhaltestelle der U1 und Tram 21, wurde die U-Bahn später bis zum Olympia-Einkaufszentrum verlängert. Heute kreuzen sich hier mehrere Buslinien, die Trambahnen 20 und 21 sowie die U1 und U7, was die Station zu einem wichtigen Umsteigepunkt macht.
Die Geschichte des Bahnhofs war nicht immer problemlos: 2014, nur 16 Jahre nach der Eröffnung, musste eine aufwändige Sanierung durchgeführt werden, weil beim Bau eine Fuge zwischen Decke und Wänden nicht abgedichtet worden war. Wasser war eingedrungen, die Reparatur dauerte zwei Jahre und verursachte Millionenkosten.
Besondere Bauvorfälle und Infrastruktur
Beim Bau des U-Bahntunnels unter dem nahegelegenen Dantestadion kam es 1994 zu einem Zwischenfall: Durch die Bauarbeiten rutschte Material ab, mit dem ein Bombenkrater verfüllt worden war, und während eines Regionalligaspiels entstand ein 90 Zentimeter breites und 30 Zentimeter tiefes Loch auf dem Spielfeld. Das Spiel wurde abgebrochen, glücklicherweise kam niemand zu Schaden.
Die Infrastruktur rund um den Bahnhof ist vorbildlich: Neben U-Bahn-, Bus- und Tramanschluss gibt es reichlich überdachte Fahrradstellplätze und eine Park & Ride-Tiefgarage mit über 200 Stellplätzen, die über den Streckentunnel gebaut wurde. Sogar ein Kiosk und moderne, barrierefreie Toiletten finden sich im rostrot gehaltenen Zwischengeschoss.
Idyllische Oberfläche mit historischem Friedhof
An der Oberfläche erwartet Besucher der 1898 angelegte Westfriedhof mit seiner markanten Aussegnungshalle von Architekt Hans Grässel aus dem Jahr 1902. Hier ruhen prominente Persönlichkeiten wie Malerfürst Franz von Lenbach, Ex-Kaiserin Soraya und TV-Star Robert Lembke.
Gegenüber der Haltestelle lockt eine Kleingartenanlage mit der griechischen Taverne "Zur Gartenlaube", die rustikalen Charme und Blick auf O2-Hochhaus und Olympiaturm bietet. In der Nähe liegen auch die einzigartige Wohnanlage Borstei aus den 1920er Jahren sowie das Dantestadion und Münchens einziges Warmfreibad, das Dantebad.
Der U-Bahnhof Westfriedhof verbindet somit nicht nur Verkehrswege, sondern auch Gegensätze: Moderne Architektur trifft auf historische Friedhofskultur, unterirdisches Lichtspektakel auf oberirdisches Idyll – ein einzigartiger Ort mitten in München.



