Ostertradition Eiertrüllen: Warum in Ostfriesland Eier Hügel hinunterkullern
Eiertrüllen: Ostfrieslands einzigartiger Osterbrauch

Eiertrüllen: Ostfrieslands einzigartige Osterfreude

Im flachen Ostfriesland, wo Hügel eine seltene Erscheinung sind, hat sich eine besondere Ostertradition etabliert: das sogenannte Eiertrüllen. Am Plytenberg in Leer rollten am Ostermontag zahlreiche Kinder hartgekochte Ostereier den neun Meter hohen Hügel hinunter. Bei sonnigem Frühlingswetter versammelten sich rund 300 Erwachsene und Kinder, um diesem traditionellen Brauch beizuwohnen und selbst teilzunehmen.

Ein Wettbewerb mit historischen Wurzeln

Der Plytenberg gilt als eine der höchsten Erhebungen in der ansonsten ebenen Region Ostfrieslands und ist seit langem ein beliebter Ort für diese österliche Aktivität. „Es ist eine ganz alte Ostertradition, dass die Kinder hier herkommen“, erklärt Anke Schlingmann, stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins Leer. Das Eiertrüllen, was auf Plattdeutsch so viel wie „Eierkullern“ bedeutet, ist Teil eines umfassenderen österlichen Vierkampfes.

Neben dem Eiertrüllen wurden in Leer auch folgende Disziplinen ausgetragen:

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  • Eiersmieten: Ein Weitwurf mit hartgekochten Eiern.
  • Eierlopen: Der klassische Eierlauf, bei dem Geschicklichkeit gefragt ist.
  • Eierbicken: Hier werden zwei Eier gegeneinander gestoßen; der Gewinner erhält das intakte Ei des Gegners.

Organisation und Teilnahme

Jedes Jahr laden der Heimatverein, das Heimatmuseum und die Stadt Leer gemeinsam zu diesem Event ein. Für die Veranstaltung wurden zahlreiche Ostereier gespendet und bunt gefärbt. Dennoch wurden die Besucher ermutigt, eigene „ovale Spielgeräte in hartgekochtem Zustand“ mitzubringen, um sicherzustellen, dass für alle genügend Material zur Verfügung steht.

Das Ziel des Eiertrüllens ist einfach: Gewonnen hat, wessen Ei am weitesten rollt und dabei unbeschädigt bleibt. Dutzende bunte Eier kullerten nacheinander den Hügel hinab – manche sogar mehrmals, um die beste Leistung zu erzielen.

Regionale Verbreitung und sprachliche Besonderheiten

Das Eiertrüllen ist nicht nur auf Leer beschränkt, sondern wird auch an anderen Orten in Ostfriesland praktiziert. Auf den Inseln Norderney und Langeoog rollen die Eier beispielsweise von Dünen herab, was der Tradition eine maritime Note verleiht. Historisch gesehen wird dieser Brauch schon seit langem am Ostermontag gepflegt, der auf Plattdeutsch deshalb auch als „eiertrullende Maandag“ bezeichnet wird.

Am darauffolgenden Tag, dem „upfreten Dingsdag“ (wobei „upfreten“ Plattdeutsch für „auffressen“ ist), werden die übriggebliebenen Eierreste traditionell verspeist. Dies unterstreicht den geselligen Charakter der Veranstaltung, bei dem Spaß und Gemeinschaft im Vordergrund stehen.

Insgesamt zeigt das Eiertrüllen, wie in Ostfriesland trotz der flachen Landschaft kreative und fröhliche Traditionen lebendig gehalten werden. Es ist ein Fest für die ganze Familie, das Jahr für Jahr Besucher anlockt und die österliche Freude auf einzigartige Weise feiert.

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