In dem psychologischen Drama „Nürnberg“ verkörpert Hollywoodstar Russell Crowe den Nazi-Verbrecher Hermann Göring. Die Darbietung wirkt dabei noch selbstgefälliger als die historische Figur selbst. Regisseur James Vanderbilt inszeniert das Kräftemessen zwischen Göring und dem amerikanischen Psychiater Douglas M. Kelley, gespielt von Rami Malek, als fragwürdige Kolportage.
Ein Dolmetscher als Rettung
Eine zentrale Figur des Films ist ein Dolmetscher, der die Gespräche zwischen Kelley und Göring übersetzt. Für deutsche Zuschauer ist dies besonders wertvoll, da Crowes Deutschkenntnisse für die Rolle oft schwer verständlich sind. Die englischen Untertitel schaffen hier Klarheit.
Mangelnde Distanz zum Bösen
Im Gegensatz zu Jonathan Glazers Meisterwerk „The Zone of Interest“, das den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß distanziert porträtierte, sucht Vanderbilt die Nähe zu Göring. Der Film wirkt stellenweise fast kumpelhaft und verklärt den Nazi-Verbrecher zu einer Art Genie, ähnlich wie Hannibal Lecter. Statt die Banalität des Bösen zu zeigen, scheint Vanderbilt an dessen Faszination zu glauben.
Buchvorlage und Kinostart
Der Film basiert auf dem Sachbuch „Der Nazi und der Psychiater“ von Jack El-Hai aus dem Jahr 2013. Er startet am 7. Mai in den deutschen Kinos und hat eine Laufzeit von 148 Minuten. Neben Crowe und Malek spielt auch Michael Shannon eine Rolle.
Dokumentaraufnahmen als Kontrast
Als der Nürnberger Prozess schließlich stattfindet, zeigt Vanderbilt originale Dokumentaraufnahmen aus den befreiten Konzentrationslagern. Diese tief erschütternden Bilder, die einst im Gerichtssaal vorgeführt wurden, machen umso deutlicher, wie kümmerlich der eigene Film des Regisseurs geraten ist. Der Kontrast zwischen historischer Wahrheit und filmischer Inszenierung könnte kaum größer sein.



