Jude Law verkörpert Wladimir Putin: Ein Politthriller zwischen Hommage und Kritik
Nach der Weltpremiere beim Filmfestival in Venedig kommt das Drama „Der Magier im Kreml“ nun in die deutschen Kinos. Der britische Filmstar Jude Law übernimmt darin die Rolle des russischen Präsidenten Wladimir Putin, was bereits im Vorfeld für kontroverse Diskussionen sorgte. Regisseur Olivier Assayas zeichnet in seinem Werk ein Porträt der russischen Machtelite, das zwischen unterhaltsamer Inszenierung und politischer Analyse schwankt.
Die Handlung: Putins Aufstieg in den 1990er Jahren
Der Film spielt in den turbulenten 1990er Jahren in Moskau, einer Zeit des Umbruchs nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Während die russische Bevölkerung erstmals Demokratie und Freiheit erlebt, herrscht unter dem alkoholabhängigen Präsidenten Boris Jelzin zunehmendes Chaos. In dieser Situation erkennt der Milliardär Boris Beresowski das Potenzial von Wladimir Putin, der als Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB zunächst Ministerpräsident und schließlich Jelzins Nachfolger wird.
Zentrale Figur des Films ist Wadim Baranow, gespielt von Paul Dano, der als sogenannter „Magier“ Putins Aufstieg und die Konsolidierung seiner Macht maßgeblich unterstützt. Diese Figur basiert auf dem realen Berater Wladislaw Surkow, der lange Zeit als schillernde Persönlichkeit im politischen Machtspiel des Kremls agierte. Im Film erscheint Baranow jedoch als rückgratloser Intellektueller, dem wenig von der erwarteten „Magie“ anhaftet.
Jude Law als Putin: Zwischen Authentizität und Distanz
Jude Laws Darstellung des russischen Präsidenten wirkt in Teilen etwas hölzern und distanziert. Der Schauspieler selbst betonte, dass es ihm nicht darum gehe, „mit Dreck zu werfen“, sondern eine Geschichte zu erzählen. Dennoch gelingt es Law, Putin auch menschliche Züge zu verleihen – etwa bei Szenen beim Wasserski oder während einer Terrassenparty am Schwarzen Meer. Die Dreharbeiten fanden übrigens nicht in Russland, sondern im benachbarten EU-Staat Lettland statt.
Historische Genauigkeit und künstlerische Freiheit
Regisseur Assayas hält sich in weiten Teilen an historische Ereignisse, darunter die Tragödie des Atom-U-Boots „Kursk“, bei der Putin keine gute Figur machte. Gleichzeitig bedient er sich jedoch russischer Klischees und fiktiver Elemente, insbesondere in der Schlussszene, die einen allzu positiven Eindruck des Präsidenten konterkarieren soll. Aus rechtlichen Gründen wurden zentrale Figuren verfremdet: So wird der ehemalige Ölmagnat Michail Chodorkowski als Dmitri Sidorow dargestellt, der wegen politischer Opposition festgenommen wird.
Kritik oder Hommage? Die ambivalente Darstellung Putins
Assayas begegnet dem russischen Machtgefüge mit Respekt, was durchaus im Sinne des Kremls sein könnte. Putin, der das Land seit über 25 Jahren regiert und 2022 den Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, kommt vergleichsweise gut weg – anders als in drastischen Darstellungen wie dem polnischen Film „Putin. Krieg wird kommen“. Dennoch ist Putins Rolle als Kinoheld kein Novum: Bereits 2008 erschien der russische Film „Ein Kuss – nicht für die Presse“, der eine klare Hommage an den Präsidenten darstellte.
Reaktionen aus Russland und internationale Perspektiven
Putins Sprecher Dmitri Peskow kommentierte den Film vor der Premiere zurückhaltend und bezeichnete es als „gesetzmäßig“, dass Putin als bedeutender Politiker im Film vorkomme. In Russland selbst dürfte der Film jedoch kaum in die Kinos kommen, nicht zuletzt wegen der Sanktionen und der kritischen Schlussszene. Der renommierte Filmexperte Andrej Plachow kritisierte das Werk in der Zeitung „Kommersant“ als „blass“ und „ohne echte Überzeugung“, während er Jude Laws schauspielerische Leistung teilweise anerkannte.
Insgesamt bleibt „Der Magier im Kreml“ ein ambivalentes Werk, das weniger eine klare politische Stellungnahme bietet als vielmehr die komplexen Machtstrukturen im heutigen Russland auslotet. Für das deutsche Publikum eröffnet der Film somit eine differenzierte Auseinandersetzung mit einer der prägendsten Figuren der internationalen Politik.



