Abschied von einer deutschen Filmlegende: Mario Adorf mit 95 Jahren verstorben
Die deutsche Filmwelt trauert um einen ihrer größten Vertreter: Mario Adorf ist im Alter von 95 Jahren in Paris gestorben. Wie sein Management und seine Filmagentur der Deutschen Presse-Agentur bestätigten, verstarb der Schauspieler am Mittwoch nach kurzer Krankheit. Mit ihm verliert Deutschland einen Jahrhundertschauspieler, dessen Karriere über sieben Jahrzehnte reichte.
Vom Klassenclown zur Filmlegende
Dass Mario Adorf einmal zu den prägenden Figuren des deutschen Films gehören würde, war in seiner Jugend nicht abzusehen. Der gebürtige Schweizer wuchs im rheinland-pfälzischen Mayen auf und gab in der Schule eher den Klassenclown als den Theaterbegeisterten. Nach dem Abitur entschied er sich jedoch für die Schauspielerei und studierte an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München.
Sein Durchbruch gelang ihm 1957 mit der Rolle des Frauenmörders in Robert Siodmaks Krimi „Nachts, wenn der Teufel kam“. Dies war der Beginn einer außergewöhnlichen Karriere, die ihn zu einem der vielseitigsten und produktivsten deutschen Schauspieler machte.
Unvergessliche Rollen und ikonische Auftritte
Mario Adorfs Filmografie liest sich wie ein Who's who des deutschen Kinos. Er spielte in zahlreichen prägenden Produktionen:
- Die oscarprämierte Verfilmung von „Die Blechtrommel“ (1979)
- Die Fernsehproduktion „Der große Bellheim“ (1993)
- Helmut Dietls Kultfilm „Rossini“ (1997)
Besonders legendär wurde sein Auftritt als protziger Fabrikant Heinrich Haffenloher in der ARD-Serie „Kir Royal“ aus dem Jahr 1986. Sein berühmter Ausspruch „Isch scheiß' dich sowas von zu mit meinem Geld!“ ist bis heute im kollektiven Gedächtnis verankert.
Eine der Rollen, auf die er am häufigsten angesprochen wurde, war jedoch eine, die er ursprünglich gar nicht spielen wollte: der Schurke Santer in den Karl-May-Filmen, der Winnetous Schwester Nscho-tschi erschoss. In einem Interview mit der dpa im Herbst 2023 erinnerte sich Adorf amüsiert daran, wie empörte Fans ihn wegen dieser Rolle beschimpften.
Demut und Bodenständigkeit trotz großer Erfolge
Trotz seiner beeindruckenden Karriere blieb Mario Adorf stets bescheiden. „Ich hatte Glück“, sagte er über seinen Werdegang. „Meine Karriere war in dem Sinne bequem. Es war kein Kampf um Anerkennung.“ Diese Einstellung prägte sein gesamtes Schaffen. Er entwickelte nie übermäßigen Ehrgeiz und strebte bewusst nicht nach Auszeichnungen wie dem Oscar, sondern war stets mit dem zufrieden, was er machen durfte.
Dennoch wurde sein künstlerisches Schaffen vielfach gewürdigt. Zu seinen Auszeichnungen zählen:
- Der Adolf-Grimme-Preis
- Das Bundesverdienstkreuz
- Die Goldene Kamera
- Der Bambi
- Der Deutsche Fernsehpreis für das Lebenswerk
Weltläufigkeit und politisches Engagement
Mario Adorf war nicht nur ein begnadeter Schauspieler, sondern auch ein weltoffener und politisch interessierter Mensch. Lange lebte er in Italien, eine Zeit, die er als besonders schön beschrieb. „Dass ich dieses Dolce Vita mitmachen konnte, das habe ich sehr genossen“, erzählte er später.
Seine Kriegserfahrungen prägten ihn tief. „Im und nach dem Krieg habe ich Todesangst und Hunger erlebt“, berichtete er. Diese Erfahrungen machten ihn sensibel für politische Entwicklungen. Das Erstarken von Rechtspopulisten bezeichnete er als „unbegreiflich“ und warnte davor, die Demokratie leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
Privates Glück und letzte Botschaft
Privat fand Mario Adorf sein Glück an der Seite seiner zweiten Frau Monique. Zuvor war er mit Lis Verhoeven verheiratet, mit der er eine Tochter namens Stella hatte. Seine Wahlheimat war München, doch er verbrachte viel Zeit in Paris sowie in Cannes, der Heimatstadt seiner Frau.
Bis ins hohe Alter blieb er aktiv und weltläufig. Vergangenen Herbst feierte er seinen 95. Geburtstag still und bescheiden „mit einem Abendessen mit wenigen Freundinnen und Freunden“, wie er der dpa verriet.
In einer letzten Botschaft ließ Mario Adorf seinem langjährigen Manager Michael Stark ausrichten, dass er seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue danken wolle. Mit seinem Tod verliert die deutsche Filmlandschaft nicht nur einen großartigen Schauspieler, sondern auch einen Gentleman, der trotz allen Ruhms stets bescheiden und bodenständig blieb.



