Münchner Konzerthaus-Projekt: 43 Millionen Euro versenkt
43 Millionen Euro für nichts: Konzerthaus-Projekt gescheitert

Der Freistaat Bayern hat für ein geplantes Konzerthaus in München bereits 43,7 Millionen Euro ausgegeben, ohne dass ein Baubeginn absehbar ist. Das geht aus einer Antwort des Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage der Landtags-Grünen hervor. Das Projekt am Ostbahnhof im Werksviertel steckt seit Jahren in der Planungsphase fest.

Vorgeschichte: Ein Vierteljahrhundert voller Hoffnungen

Bereits vor 25 Jahren forderte der damalige Chefdirigent Mariss Jansons einen eigenen Konzertsaal für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Nach langen Diskussionen über Standorte wie den Marstall oder den Olympiapark fiel 2015 unter Horst Seehofer der Kabinettsbeschluss: Der Bau sollte im Werksviertel entstehen, auf dem Gelände der ehemaligen Kultfabrik. Die Kultfabrik wurde abgerissen, doch seitdem ist die Fläche eine Brache. Kein Grundstein wurde gelegt, kein Kieselstein ausgehoben.

Millionen für Planung, aber kein Bau

Laut der Antwort des Ministeriums wurden 520.000 Euro für Öffentlichkeitsarbeit und rund 5,5 Millionen Euro für Mieten und Pachten ausgegeben. Die jährliche Erbpacht für das Grundstück beträgt 592.000 Euro, der Vertrag kann erst nach 50 Jahren gekündigt werden. Das bedeutet: Selbst bei einem sofortigen Stopp des Projekts würden weitere 26 Millionen Euro fällig. Zum Vergleich: Für die 43,7 Millionen Euro hätte die Stadt München die hochgelobte Isarphilharmonie bauen können – ein funktionierender Konzertsaal, der als Provisorium dient.

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Planungsdesaster mit ständigen Änderungen

Nach dem Kabinettsbeschluss gewann 2017 das Architekturbüro Cukrowicz Nachbaur Architekten den Wettbewerb. Das Projekt wurde geplant, die Akustik von Tateo Nakajima vom Büro Arup betreut. Doch 2018 äußerte der Haushaltsausschuss Bedenken, die Kosten stiegen auf 1,3 Milliarden Euro. Markus Söder verordnete eine Denkpause und forderte „100 Prozent Qualität bei halben Kosten“. 2024 wurde die ursprüngliche Planung verworfen, das Projekt soll nun von einem Generalunternehmer errichtet werden. Statt eines „Konzerthauses“ ist nur noch von einem „Konzertsaal“ die Rede, ohne Kammermusiksaal.

Aktueller Stand: Stillstand trotz Versprechungen

Im Dezember 2025 kündigte Markus Blume einen Kabinettsbeschluss für Januar 2026 an, der bislang nicht erfolgte. Später war vom Frühjahr die Rede, auch das ist verstrichen. Eine Anfrage der AZ blieb unbeantwortet. Blume traf sich vor fünf Wochen mit Simon Rattle, dem Nachfolger von Jansons, doch Details blieben unbekannt. Zuletzt sprach Blume von einer Partnerschaft mit einem privaten Investor und der Möglichkeit eines Orchestergrabens für die Nutzung während der Sanierung des Nationaltheaters. Gerüchte über Verhandlungen mit der Büschl-Gruppe über das Paketpostareal halten sich, doch Blume schloss eine Kooperation mit der Stadt bei der Gasteig-Sanierung aus. Der Vorschlag, die Isarphilharmonie nach der Rückkehr der Münchner Philharmoniker dauerhaft zu nutzen, wird von Klassik-Ultras abgelehnt.

Fazit: Maximalforderungen ohne Ergebnis

Das Projekt leidet unter Maximalforderungen. Der Freistaat hat derzeit nichts: keinen Interim für das Residenztheater, keinen für die Staatsoper. Stattdessen sind 43 Millionen Euro verschwendet, für die man Interimslösungen hätte bauen oder marode Kulturbauten sanieren können.

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