Der Werkhof in Kukate, eingebettet in die ländliche Idylle des Wendlandes, ist mehr als nur ein Hof. Er ist der Geburtsort der „Kulturellen Landpartie“ (KLP), die jedes Jahr von Himmelfahrt bis Pfingsten stattfindet und die Region in eine weitläufige Kulturlandschaft verwandelt. Auf dem Gelände von Inge und Michael Seelig in der Gemeinde Waddeweitz nahm diese einzigartige Veranstaltung ihren Anfang, die heute weit über die Grenzen des Landkreises Lüchow-Dannenberg bekannt ist.
Ursprünge im Widerstand gegen das Atommülllager
Die Idee zur KLP entstand aus der Protestbewegung gegen das geplante Atommülllager in Gorleben. „Der Atommüll war bedrohlich, wir wollten zeigen, wofür wir stehen“, erinnert sich Mitgründer Michael Seelig an die Anfänge in den 1970er Jahren. Die Initiative wollte ein positives Zeichen setzen und die kreative und offene Seite der Region betonen. „Wir stehen für Kreativität und Offenheit, das ist die Motivation für die KLP“, beschreibt Seelig die Grundidee, die maßgeblich das Image des Landkreises geprägt hat.
Ausstellung „50 Jahre Werkhof Kukate“
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens präsentiert der Werkhof eine Ausstellung, die die historische Entwicklung der jährlichen Großveranstaltung und die eigene Geschichte unter dem Titel „50 Jahre Werkhof Kukate“ zeigt. Die Ausstellung ist bis Sonntag zu sehen und bietet Einblicke in das handwerkliche und künstlerische Schaffen auf dem Hof. Sattler, Keramiker und Tischlermeister zeigen ihre Arbeiten, während in der Webwerkstatt von Inge Seelig und der Goldschmiedewerkstatt von Peter Reddersen Kursteilnehmer angeleitet werden.
Goldschmiedekunst und Kurse
Peter Reddersen, der seit über 40 Jahren auf dem Werkhof arbeitet, fertigt in seiner Werkstatt Gürtelschnallen aus Silber und Messing sowie historische Gewandnadeln. „Ich bin hier seit über 40 Jahren dabei und leiste immer noch gern Hilfestellung bei der Herstellung von Schmuck“, erzählt der Goldschmied. Insgesamt haben mehr als 100 Personen in Kukate über die Jahre unterrichtet, aktuell sind es etwa 20 pro Jahr, die von März bis November Kurse anbieten. Die Teilnehmer können auf dem Rundlings-Gelände auch übernachten und so ganz in die kreative Atmosphäre eintauchen.
KLP 2026: 78 Orte und kultureller Widerstand
Die diesjährige KLP findet unter dem Motto „Zusammen.Wirken!“ statt und umfasst 78 verschiedene Orte, die Ausstellungen, Vorführungen und Vorträge bieten. Kukate selbst ist in diesem Jahr kein offizieller Ausstellungsort, da das kleine Team nicht das erforderliche Programm bis Pfingstmontag leisten kann. In den nächsten Jahren planen die Seeligs, sich langsam aus den Veranstaltungen zurückzuziehen.
Parallel zur KLP ruft die Bürgerinitiative (BI) Gorleben zur „kulturellen Widerstandspartie“ auf. Am Freitag, den 22. Mai, um 14.00 Uhr, findet eine kritische Aktion in der Nähe des Bergwerks statt. „Immer noch flammt die Debatte um Atomkraft auf, die Suche nach einem Atommüllendlager dauert und in Gorleben soll die Zwischenlagerung hoch radioaktiver Abfälle für eine unbestimmte Zeit verlängert werden“, sagt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Die Lagerstätte verliert 2034 ihre Genehmigung, eine Verlängerung ist jedoch geplant. Die BI präsentiert erstmals ein Infozelt in Gedelitz in der Gemeinde Trebel und bietet fast täglich Fahrradtouren sowie am Wochenende Treckertouren zu den Atomanlagen an.
Der Werkhof Kukate bleibt somit ein Symbol für den Zusammenhang von Kunst, Handwerk und politischem Widerstand – eine Verbindung, die die Region bis heute prägt.



