Die Europäische Union hat einen Zuschuss in Höhe von zwei Millionen Euro für die Kunstbiennale von Venedig gestrichen. Grund ist die Entscheidung der Biennale, Russland wieder an der Ausstellung teilnehmen zu lassen. Die 61. Ausgabe der internationalen Kunstausstellung wird am 9. Mai eröffnet. Die EU-Kommission teilte am Donnerstag mit, dass sie die Förderung einfriert.
Kommission fordert Stellungnahme
Die Europäische Kommission hat die Stiftung der Biennale in einem offiziellen Brief über den Förderentzug informiert. Wie ein Sprecher der Kommission, Thomas Regnier, am Donnerstag erklärte, hat die Biennale nun 30 Tage Zeit, um ihre Entscheidung zu rechtfertigen. Russland war seit dem Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 nicht mehr bei der Biennale vertreten. Die Kommission hatte ihre Absicht, die Finanzierung zu kürzen, bereits zuvor angekündigt.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hatte bereits am Dienstag nach einem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg klargestellt: „Russlands Rückkehr zur Biennale von Venedig ist moralisch falsch, und die EU beabsichtigt, ihre Finanzierung zu kürzen.“ Sie betonte, dass Russland während seines Angriffskrieges Museen bombardiere, Kirchen zerstöre und versuche, die ukrainische Kultur auszulöschen. Daher dürfe es nicht zugelassen werden, dass Russland seine eigene Kultur ausstelle.
Biennale verteidigt Teilnahme
Die Biennale von Venedig wies die Vorwürfe zurück und erklärte in einer Stellungnahme, dass sie nicht befugt sei, ein Land von der Teilnahme auszuschließen. „Jedes von der Italienischen Republik anerkannte Land kann eine Teilnahme beantragen“, hieß es. Da Russland den 1914 in den historischen Giardini errichteten Pavillon besitze, habe es lediglich eine Teilnahmeankündigung einreichen müssen. Die Biennale betonte: „La Biennale di Venezia lehnt jede Form des Ausschlusses oder der Zensur von Kultur und Kunst ab. Die Biennale ist – wie die Stadt Venedig – ein Ort des Dialogs, der Offenheit und der künstlerischen Freiheit, der Verbindungen zwischen Völkern und Kulturen fördert, in der beständigen Hoffnung auf ein Ende der Konflikte und des Leids.“
Bei den beiden vorherigen Biennalen war der russische Pavillon nicht genutzt worden: Im Jahr 2022 zogen sich die vorgesehenen Künstler aus Protest gegen den Angriff auf die Ukraine kurzfristig zurück. 2024 überließ Moskau das Gebäude Bolivien. Zuletzt hatte Russland 2019 an der Internationalen Kunstausstellung teilgenommen.
Biennale als bedeutendste Kunstausstellung
Die zeitgenössische Kunstausstellung der Biennale ist die älteste und bedeutendste ihrer Art weltweit. Sie besteht aus einer Hauptausstellung sowie nationalen Pavillons, die von den teilnehmenden Ländern eigenständig gestaltet werden. An der diesjährigen Ausgabe beteiligen sich 99 Nationen mit eigenen Pavillons. 29 davon befinden sich in den Giardini, die übrigen im Arsenale sowie an verschiedenen Orten in der Stadt. Die Biennale hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Druck zurückgewiesen, Länder wie Iran oder Israel von der Teilnahme auszuschließen.
Die EU-Kommission hat die Stiftung der Biennale nun aufgefordert, ihre Entscheidung zu überdenken. Sollte die Biennale innerhalb der 30-tägigen Frist keine zufriedenstellende Erklärung liefern, wird der Zuschuss von zwei Millionen Euro endgültig gestrichen. Die Entscheidung der EU sorgt für Diskussionen: Während die einen die Haltung der EU als notwendiges Zeichen gegen den russischen Angriffskrieg sehen, kritisieren andere die Einmischung in die kulturelle Autonomie der Biennale.



