Hape Kerkeling erinnert an Großvater Hermann: Buchenwald-Überlebender und das Vermächtnis 'Nie wieder'
Kerkeling über Großvater in Buchenwald: 'Nie wieder' als Kompass

Gedenken an Buchenwald-Befreiung: Hape Kerkeling ehrt Großvater Hermann

Der Großvater von Hape Kerkeling überstand zwölf Jahre Folter und Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Terrorregime. Für den bekannten Entertainer ist die heutige KZ-Gedenkstätte Buchenwald daher kein abstrakter Erinnerungsort, sondern ein zentraler Teil der eigenen Familiengeschichte. „Hier in Buchenwald wurde er gefoltert, gedemütigt und wurde Zeuge unzähliger Morde. Dass er diesen Wahnsinn überlebt hat, ist ein Wunder“, betonte Kerkeling in einer bewegenden Rede an der Gedenkstätte Buchenwald. Anlass war das Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers vor 81 Jahren durch US-Truppen.

Warnung vor dem Ende der Erinnerungskultur

Kerkeling mahnte eindringlich, die Erinnerung und die daraus erwachsende Verantwortung wachzuhalten. „Immer lauter und dreister werden die Stimmen, die nach einem Ende der Erinnerungskultur rufen! Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie“, sagte er mit Nachdruck. Er verwies auf Artikel eins des Grundgesetzes – „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – und bezeichnete diesen Satz als eine in Stein gemeißelte Antwort auf die Verbrechen von Buchenwald.

„Wer diese wertvolle Erinnerung ausblenden will, wer diese Zeit zu einem ‚Vogelschiss‘ herabwürdigen will, der greift unser Fundament an“, so Kerkeling weiter. Eine Gesinnung, die Menschen wieder ausgrenze, die Gesellschaft spalte und historische Verbrechen relativiere, habe in Deutschland keinerlei Berechtigung. Seine Worte richteten sich klar gegen Tendenzen, die NS-Verbrechen zu verharmlosen.

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Hermann Kerkeling: Ein Zimmermann, der nicht wegsehen wollte

Kerkelings Großvater Hermann war als politischer Häftling in Buchenwald inhaftiert. In dem Konzentrationslager nahe Weimar hielten die Nationalsozialisten zwischen 1937 und 1945 mehr als eine Viertelmillion Menschen gefangen. Etwa 56.000 von ihnen starben an den katastrophalen Bedingungen oder wurden von der SS ermordet. Die Befreiung durch US-Truppen am 11. April 1945 und das Kriegsende in Europa am 8. Mai 1945 markieren historische Wendepunkte.

Hape Kerkeling beschrieb seinen Großvater als einen Mann der Tat, nicht der großen Worte – einen Zimmermann aus Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen. „Er war ein Mensch, der schlichtweg nicht bereit war wegzusehen, als die Dunkelheit über Deutschland hereinbrach“, erklärte der Entertainer. Hermann Kerkeling habe kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 Flugblätter gegen Adolf Hitler verteilt.

„Er hat nicht geschossen, er hat nicht sabotiert – er hat lediglich die Wahrheit geschrieben, gedruckt und verteilt. Das kostete ihn zwölf Jahre seines Lebens. Zwölf Jahre!“, sagte Hape Kerkeling unter emotionaler Betonung während der Gedenkveranstaltung. Diese mutige Handlung führte zur Inhaftierung und der Häftlingsnummer 6.117, die Hermann Kerkeling ab Juli 1942 im KZ Buchenwald trug.

Das Schweigen brechen: „Nie wieder“ als täglicher Kompass

Hape Kerkeling betonte, sein Großvater habe lange aus Rücksicht auf die Familie geschwiegen. „Mein geliebter Großvater Hermann hat geschwiegen, um seine Familie zu bewahren. Ich breche dieses Schweigen und spreche heute, um ihn und alle Opfer, die hier litten und starben, zu ehren“, erklärte er. Er rief die Zuhörer eindringlich auf, ebenfalls ihre Stimme zu erheben: „Und ich bitte Sie alle: Sprechen auch Sie. Lassen Sie nicht zu, dass das Schweigen wieder die Oberhand gewinnt.“

Die Demokratie lebe nicht vom Wegsehen, sondern vom mutigen Hinsehen und Handeln. „Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das ‚Nie wieder‘ kein Lippenbekenntnis bleibt, sondern unser täglicher Kompass ist“, schloss Kerkeling seine Rede. Damit unterstrich er, dass die Lehren aus der Geschichte aktives Engagement für Menschenwürde und Demokratie erfordern – jeden Tag aufs Neue.

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