Hape Kerkeling gedenkt in Buchenwald seines Großvaters und mahnt zur Wachsamkeit
81 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald stand der Entertainer Hape Kerkeling (61) nicht als gefeierter Komiker, sondern als betroffener Enkel auf dem Ettersberg. Bei der Gedenkveranstaltung durchschritt er das Tor, das einst sein Großvater Hermann als Häftling Nummer 6117 passieren musste. In einer bewegenden Rede erinnerte Kerkeling an das Leid seines Opas und appellierte eindringlich, die Erinnerung an die NS-Verbrechen wachzuhalten.
Der Weg des Großvaters: Von Zimmermann zum politischen Häftling
Hermann Kerkeling, ein Zimmermann aus Recklinghausen, wurde am 2. Juli 1942 in Buchenwald interniert. Als sogenannter politischer Häftling und „Hochverräter“ erlitt er Folter, Demütigung und Zwangsarbeit. Sein Enkel betonte, dass dieser „Hochverrat“ heute als Zeichen der Menschlichkeit gelte, da Hermann bereits 1933 Flugblätter gegen Hitler verteilte. Für diese mutige Tat büßte er zwölf Jahre seines Lebens in Haft, darunter in Buchenwald, wo er in der Effektenkammer die geraubten Habseligkeiten der Häftlinge verwalten musste.
Kerkeling schilderte, wie die Barbarei des NS-Regimes damit begann, Menschen zu Nummern zu degradieren und Mitgefühl durch bürokratische Kälte zu ersetzen. Sein Großvater überlebte die Befreiung 1945 als körperlich gebrochener Mann, erhielt jedoch nie eine angemessene Wiedergutmachung. Das Unrechtsurteil wegen Hochverrats wurde zu seinen Lebzeiten nicht aufgehoben, und er verstummte in einem bleiernen Schweigen, das seine Familie kaum durchdringen konnte.
Appell gegen Gleichgültigkeit und für demokratische Werte
In seiner Rede warnte Kerkeling vor Geschichtsvergessenheit und der Gefahr, dass die Geister des Faschismus in heutiger Hetze und Gleichgültigkeit wiedererwachen könnten. Er betonte, dass die Erinnerung an die Opfer nicht als Belastung, sondern als Schutz vor einer Wiederholung der Geschichte zu verstehen sei. Die zunehmenden Rufe nach einem Ende der Erinnerungskultur seien eine Bedrohung für die Demokratie.
Der Entertainer verwies auf Artikel 1 des Grundgesetzes, der die Würde des Menschen als unantastbar festschreibt und eine direkte Antwort auf die Gräuel von Buchenwald darstelle. Den furchtbaren Spruch „Jedem das Seine“ am Lagertor deutete er um: Statt Tod und Macht für die Nazis solle er heute für die unveräußerliche Würde, Freiheit und Rechte jedes Menschen stehen.
Die Pflicht der Nachfahren: Wächter der Erinnerung sein
Kerkeling erklärte, dass er lange gebraucht habe, über das Schicksal seines Großvaters zu sprechen, nun aber die Zeit gekommen sei, als Nachfahre die Erinnerung wachzuhalten. Demokratie sei kein Geschenk, sondern ein Versprechen, das jede Generation gegen Bequemlichkeit und Wegsehen verteidigen müsse. Sein Großvater habe geschwiegen, um die Familie zu schützen; er spreche heute, um die Opfer zu ehren und zum Handeln aufzurufen.
Abschließend rief er alle Anwesenden dazu auf, nicht zuzulassen, dass das Schweigen die Oberhand gewinne. Das „Nie wieder“ dürfe kein Lippenbekenntnis bleiben, sondern müsse zum täglichen Kompass in einer Gesellschaft werden, die aus der Geschichte lernt und die Menschenrechte verteidigt.



