Auktionen als zweischneidiges Schwert für Thüringer Kunstsammlungen
Ob wertvolle Cranach-Gemälde, handschriftliche Werke von Goethe oder seltenes Thüringer Porzellan – die großen Museen Thüringens nutzen Kunstauktionen gezielt, um verloren gegangene oder fehlende Stücke für ihre Sammlungen zu erwerben. Doch oft entscheiden knappe Budgets und kurze Fristen darüber, ob bedeutende Kulturgüter nach Thüringen zurückkehren können, wie eine Umfrage unter den großen Häusern ergab.
Sabrina Lüderitz, Direktorin des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg in Rudolstadt, fasst zusammen: „Auktionen spielen für unsere Erwerbungsstrategie eine wichtige, wenn auch nicht alltägliche Rolle.“ Auch die Klassik Stiftung Weimar und die Friedenstein Stiftung Gotha erwerben in unregelmäßigen Abständen auf diesem Weg Exponate. Für andere Einrichtungen wie die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sind Auktionen hingegen unbedeutend.
Wenn ein Schnitzaltar unerreichbar bleibt
Das Landesmuseum in Rudolstadt tätigt laut Lüderitz im Schnitt zwei bis drei Ankäufe pro Jahr auf Auktionen. Besondere Objekte waren unter anderem eine Porzellantabatiére mit Fürstenbildnis, Gemälde regionaler Künstler sowie eine moderne Grafik des Klosters Paulinzella. Das Museum hatte jedoch das Nachsehen bei einem Schnitzaltar, der nachweislich aus Schwarzburg stammte.
Die Entscheidung für einen Erwerb fällt nach klaren fachlichen Kriterien: Neben der Relevanz für die Sammlung spielen Seltenheit, Erhaltungszustand und Preis-Leistungs-Verhältnis eine Rolle. Besonders interessant sind Stücke, die dem Fürstenhaus Schwarzburg-Rudolstadt zuzuordnen sind. Schwerpunkte liegen dort, wo Sammlungsreihen ergänzt werden müssen – etwa beim Thüringer Porzellan, bei historischen Verlusten oder bestehenden Lücken.
Suche auch auf eBay und Facebook
„Besonders wertvoll sind Objekte, die eindeutig einer regionalen Werkstatt oder einem historischen Kontext zugeordnet werden können“, sagt Lüderitz. Mehrere Mitarbeiter halten aktiv Ausschau, die Entscheidung wird im Team getroffen. Neben fachspezifischen Internetseiten spielen Plattformen wie eBay oder Facebook eine immer größere Rolle bei der Suche. Das größte Problem beim Ankauf sind meist die Budgetgrenzen.
Die Stiftung Schloss Friedenstein beobachtet den Kunsthandel ebenfalls aufmerksam, so Sprecherin Susanne Finne-Hörr. Kürzlich wurden unter anderem das Gemälde „Salome mit Johannesschüssel“ von Lucas Cranach d.Ä. und die Rubens-Ölskizze „Heiliger Gregorius von Nazianz“ erworben. „Aus Gothaer Perspektive haben Objekte Priorität, die zur historischen Sammlung gehörten.“
Verlorene Werke auf dem internationalen Kunstmarkt
Noch heute gibt es viele Stücke aus einem sogenannten Unrechtskontext, so Finne-Hörr. Gemeint sind Exponate, die unrechtmäßig entwendet wurden – etwa in den Wirren der Weltkriege oder durch Diebstahl. Solche Objekte tauchen immer wieder in Deutschland, der Schweiz, den USA, Frankreich oder Großbritannien auf.
Eine Aufgabe des Provenienzforschers der Gothaer Stiftung ist es, die Verluste aufzuarbeiten, um die Werke zurückführen zu können. Die größte Herausforderung liegt in der Finanzierung: Bei Auktionsankündigungen bleibt meist nicht genug Zeit für Gutachten, restauratorische Einschätzungen und Drittmittelanträge. „Die Museen in Deutschland haben hier meistens das Nachsehen.“ Zudem fehle im Kunsthandel Schweiz oft das Unrechtsbewusstsein in Bezug auf unrechtmäßig erworbene Gegenstände.
Goethes Handschriften zurück in Weimar
Die Klassik Stiftung Weimar erweitert ihre Bestände nach wirtschaftlichen und strategischen Gesichtspunkten. Im November 2025 konnte das Goethe- und Schiller-Archiv bedeutende Handschriften der Weimarer Klassik ankaufen: Insgesamt 22 Autographen, darunter sieben eigenhändige Stücke Goethes. Für dieses Jahr sind einige Erwerbungen geplant, nähere Angaben wurden nicht gemacht.



