Henry Hübchen im Filmkunstfest-Interview: Polizeiruf-Erinnerungen, klare Politik-Worte und Sehnsucht nach Frieden
Henry Hübchen: Filmkunstfest, Politik und Friedenswunsch

Filmstar Henry Hübchen wünscht sich mehr Friedenstüchtigkeit

Schauspieler Henry Hübchen wurde beim 28. Filmkunstfest in Schwerin mit dem Goldenen Ochsen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. „Sehr geschmeichelt, gerührt und beschämt“ fühle er sich, so der Künstler, der durch Filme wie „Alles auf Zucker“ und „Whisky mit Wodka“ bekannt wurde. Das 35. Schweriner Filmkunstfest wirft bereits seine Schatten voraus: Beim Warm-up der Schweriner Volkszeitung und des Nordkuriers im Filmpalast Capitol wird Hübchen als Stargast erwartet – an jenem Ort, wo er 2018 die prestigeträchtige Auszeichnung erhielt.

Erinnerungen an Schwerin und den Polizeiruf

Wenn ich an Schwerin denke, erinnere ich mich sofort an die fünf Folgen „Polizeiruf 110“, die wir vor fast 25 Jahren dort gedreht haben, erklärt Hübchen. Die Dreharbeiten im Hotel „Speicher“ blieben ihm besonders in Erinnerung, nicht zuletzt weil die Produktion 2005 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. „Ich frage mich, wieso unsere Krimis noch nie wiederholt wurden“, merkt der Schauspieler nachdenklich an und hofft, dass dies nichts mit seinem ehemaligen Kollegen Uwe Steimle zu tun hat.

Steimle, der bis 2009 in 31 Polizeiruf-Folgen den Kommissar Jens Hinrichs spielte, sieht Hübchen beim NDR in Ungnade gefallen. „Es ist eine Katastrophe, welche Etiketten ihm angehängt werden – ‚gesichert rechtsextrem‘ zum Beispiel. Er ist das Gegenteil, aber ‚gesichert unbequem‘“, verteidigt Hübchen seinen Kollegen und kritisiert damit die aktuelle Tendenz zur Etikettierung statt zum inhaltlichen Diskurs.

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Von Netflix bis zum Goldenen Ochsen

Aktuell ist Henry Hübchen in der Netflix-Spionageserie „Unfamiliar“ zu sehen. Auf die Frage nach must-see Netflix-Produktionen antwortet er differenziert: „Die Welt ist so vielfältig, gerade in einer Zeit, in der man jederzeit alles sehen kann. Wir werden überflutet mit Informationen und Unterhaltung“. Besonders kritisch sieht er die zunehmende Option von KI-Produktionen: „Da kann gelogen werden, dass sich die Balken biegen“.

Zum Thema Ruhestand nach der Verleihung des Goldenen Ochsen für sein Lebenswerk hat Hübchen eine klare Haltung: „Ruhestand heißt ja nicht ‚ruhig stehen‘, sondern ‚tun und lassen können, was man will‘“. Als Vorbild nennt er das Multitalent Armin Mueller-Stahl, der in diesem Jahr ebenfalls den Goldenen Ochsen erhalten wird. „Ich kann verstehen, dass ihm irgendwann die Zeit zu kostbar wurde, in einem Trailer am Drehort zu sitzen“, so Hübchen, der diese Einstellung zu 120 Prozent nachvollziehen kann.

Politische Positionierung und Landtagswahl in MV

Besonders deutlich wird Henry Hübchen bei der Frage nach der politischen Situation in Mecklenburg-Vorpommern. Zur bevorstehenden Landtagswahl und den Umfragewerten der AfD von 35 Prozent sagt er: „Nein, warum sollte mich das beunruhigen? Wir haben ein Parlament und in diesem sitzen die Parteien, die vom Volk gewählt werden“. Für ihn haben Wahlergebnisse immer Gründe: „Wenn SPD, CDU oder Grüne weniger Wähler für sich gewinnen können, muss es dafür ja Gründe geben“.

Auf die Nachfrage, ob er nicht die Gefahr rechtsextremer Positionen sehe, antwortet Hübchen: „Das wird man dann sehen. Aber 35 Prozent, also den größten Zuspruch, hat ja offenbar die AfD“. Seiner Meinung nach lassen sich solche Ergebnisse „nicht durch Verbotsanträge oder Brandmauern eliminieren“. Was es stattdessen brauche, sei eine inhaltliche Auseinandersetzung.

Die Sehnsucht nach Friedenstüchtigkeit

Zum Abschluss des Interviews verrät der bald 80-jährige Schauspieler seinen größten Wunsch für die Zukunft: „Wenn ich etwas erleben möchte, dann ist es, mehr Friedenstüchtigkeit als Kriegstüchtigkeit“. Hübchen hat das Gefühl, dass in der Gesellschaft „nur noch in Feindschaften gedacht wird, statt an friedliche Koexistenz, Interessenausgleich und gemeinsame Sicherheit“. Trotz dieser kritischen Beobachtung wünscht er sich, „ein unerziehbarer Optimist zu bleiben“.

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Beim Warm-up zum Filmkunstfest wird sich alles um den Defa-Spielfilm „Jakob der Lügner“ drehen – die einzige DDR-Produktion, die jemals für einen Oscar nominiert war. Hübchen spielte darin 1974 ein Liebespaar mit Blanche Kommerell und begegnete Hauptdarstellern wie Erwin Geschonneck und Armin Mueller-Stahl mit respektvollem Abstand. Diese besondere Filmgeschichte und die politischen Statements des Schauspielers versprechen einen intensiven Abend im Schweriner Filmpalast Capitol.