Glaser entdeckt historische Künstler-Skizze hinter altem Aquarell in Fürstenwerder
Historische Skizze hinter Aquarell in Fürstenwerder entdeckt

Zerbrochenes Glas offenbart verborgenen Kulturschatz in Fürstenwerder

Was mit einem unglücklichen Pakettransport begann, entwickelte sich zu einer kunsthistorischen Entdeckung in Fürstenwerder. Als Henning Ihlenfeldt und seine Frau Brigitte das lang ersehnte Aquarell auspackten, waren deutlich Glasklirrgeräusche zu hören – das etwa 120 Jahre alte Kunstwerk hatte kein intaktes Glas mehr im Rahmen. „Das ist ärgerlich“, dachten die beiden zunächst, ohne zu ahnen, dass dieses Missgeschick zu einem bedeutenden Fund führen würde.

Überraschung in der Glaserei

Das Ehepaar übergab das beschädigte Werk an eine traditionsreiche Glaserei in Gramzow, die bereits seit 1876 besteht. Bei der notwendigen Neuv erglasung machte der Glaser eine erstaunliche Entdeckung, die selbst den versierten Sammler Henning Ihlenfeldt überraschte. Auf der stabilen Papprückwand, auf die das Aquarell „Abend im Vorfrühling“ von Hans Klohß geklebt war, fand sich eine bisher unbekannte Kohleskizze.

Historische Ansicht der Fürstenwerder Kirche

Die Skizze zeigt die Kirche von Fürstenwerder und stammt vermutlich vom Landschafts- und Architekturmaler Hans Klohß, der von 1905 bis 1909 in dem Ort lebte. „Um diesen Blick auf die Kirche zu haben, ist er vermutlich auf den Stadtmauerwall gegangen“, erklärt Brigitte Ihlenfeldt, die diese Perspektive selbst ausprobiert hat. Ihr Mann Henning, der bereits eine Ausstellung mit Klohß-Werken im örtlichen Heimatmuseum organisiert hatte, erkannte die Skizze sofort: „Ich bin mir fast sicher, dass das Kirchenbild, das wir jetzt als Skizze haben, in der Ausstellung war“.

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Zwei historische Ansichten auf einmal

Das neu verglaste Aquarell zeigt eine Teilansicht der Stadtmauer, während die entdeckte Skizze die Kirche darstellt. „Durch schon damals fehlende Stadtmauerteile sieht der Maler auf verschiedene Häuser im Ort“, erläutert Henning Ihlenfeldt die Perspektive des Aquarells. Der begeisterte Sammler freut sich besonders über diese doppelte Entdeckung: „Ich freue mich immer, wenn neue Ansichten von Fürstenwerder auftauchen“.

Spurensuche zur Herkunft

Gefunden hatte Ihlenfeldt das Klohß-Bild in einem Lüneburger Antiquariat, dessen Inhaber nur verriet, dass er eine gesamte Bildersammlung aufgekauft hatte. Auf der Rückwand des Aquarells fanden sich Notizen, die verraten, dass das Werk bei einer Kunstausstellung des Vereins Berliner Künstler gezeigt wurde – vermutlich nach 1910.

Fürstenwerder als Künstlerort

Der kleine Ort war bereits um die Jahrhundertwende ein beliebtes Ziel für Maler. Ab 1902 war Fürstenwerder von Berlin aus gut mit der Eisenbahn erreichbar, und zahlreiche Gaststätten boten Übernachtungsmöglichkeiten. Das älteste bekannte Bild mit einer Fürstenwerder-Ansicht stammt aus dem Jahr 1903: eine farbige Lithografie „Sonniger Tag in Fürstenwerder“ von Friedrich Kallmorgen.

Henning Ihlenfeldt gibt zu, dass er seinen Heimatort auf dieser Lithografie kaum wiedererkannt hätte – zu sehr hat sich das Ortsbild verändert. „Zum Glück wird der Ort im Namen des Bildes erwähnt“, sagt der Heimatmuseumsleiter. Die neu entdeckte Skizze von Hans Klohß fügt nun ein weiteres wichtiges Puzzleteil zur künstlerischen Dokumentation Fürstenwerders hinzu.

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