Jahrhunderte altes Geheimnis gelüftet: Michelangelo-Büste in Rom identifiziert
In der römischen Basilika Sant'Agnese fuori le mura hat die Kunsthistorikerin Valentina Salerno eine sensationelle Entdeckung präsentiert. Nach mehr als zehn Jahren intensiver Forschung ordnet sie die bisher anonym ausgestellte Büste "Cristo Salvator" dem Renaissance-Meister Michelangelo zu. Das Kunstwerk war bisher lediglich als "Skulptur eines unbekannten Künstlers der römischen Schule des 16. Jahrhunderts" katalogisiert.
Dokumentarische Belege überzeugen Expertin
Valentina Salerno stützt ihre Zuschreibung auf umfangreiches historisches Material. Testamente, Briefe, Tagebücher, Reiseberichte, Inventare und Akten aus der entsprechenden Zeit belegen ihrer Überzeugung nach die Verbindung zwischen der Büste und Michelangelos Nachlass. Die Basilika selbst unterstützte die aufwendigen Recherchen, die nun die Kunstwelt in Aufregung versetzen.
"Die dokumentarischen Belege sind überzeugend und weisen deutlich auf Michelangelo als Schöpfer hin", erklärt Salerno zu ihrer Entdeckung. Die Büste stand jahrhundertelang anonym in der Kirche, ohne dass ihre wahre Herkunft erkannt wurde.
Michelangelos Spätwerk könnte wachsen
Sollte sich die Zuschreibung bestätigen, hätte dies bedeutende Auswirkungen auf das Verständnis von Michelangelos Schaffen. Das bekannte Spätwerk des Künstlers würde damit erweitert und gleichzeitig eine alte Legende widerlegt werden. Diese besagt, dass Michelangelo vor seinem Tod viele Arbeiten zerstört habe – eine Darstellung, die auf den Biografen Giorgio Vasari zurückgeht.
Die Michelangelo-Forschung steht solchen nachträglichen Zuschreibungen traditionell skeptisch gegenüber. Experten prüfen derartige Behauptungen besonders gründlich, da sie das Gesamtbild des Renaissance-Genies verändern können. Eine finale Bestätigung der Echtheit steht zwar noch aus, doch Salernos Untersuchungen liefern bereits jetzt wertvolle neue Erkenntnisse.
Kunst-Sensationen häufen sich
Die Michelangelo-Entdeckung folgt einer weiteren spektakulären Kunst-Enthüllung. Erst am Montag hatte das Rijksmuseum in Amsterdam nach zweijähriger Untersuchung mit modernster Technik die Echtheit eines Rembrandt-Gemäldes bestätigt. Das verschollen geglaubte Meisterwerk "Die Vision des Zacharias im Tempel" aus dem Jahr 1633 war in privatem Besitz aufgetaucht und wurde nun als authentischer Rembrandt aus der frühen Amsterdamer Phase des Malers vorgestellt.
Diese beiden Entdeckungen innerhalb weniger Tage zeigen, wie die Kunstgeschichte durch moderne Forschung und akribische Untersuchungen ständig neu geschrieben wird. Sowohl bei Michelangelo als auch bei Rembrandt beweisen Experten, dass selbst Jahrhunderte nach dem Tod der Künstler noch bedeutende Werke identifiziert und zugeordnet werden können.



