Deutschland trauert um eine Filmlegende: Mario Adorf im Alter von 95 Jahren verstorben
Die deutsche Film- und Fernsehlandschaft verliert eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Mario Adorf, der gebürtige Züricher mit der markanten Stimme und unverwechselbaren Präsenz, ist am Mittwoch im Alter von 95 Jahren in seiner Pariser Wohnung friedlich eingeschlafen. Seine Ehefrau Monique (81) fand ihn leblos in seinem Bett. Über Jahrzehnte hinweg begeisterte Adorf ein Millionenpublikum in Deutschland und international – im Kino, Fernsehen und auf der Bühne gehörte er zu den wenigen Schauspielern, die Generationen von Zuschauern nachhaltig geprägt haben.
Simon Verhoeven: 'Für mich war er der wilde Onkel aus den Winnetou-Filmen'
Simon Verhoeven, Sohn der Schauspielerin Senta Berger, äußert sich in bewegenden Worten über den Verstorbenen: 'Mario Adorf war uns ein Leben lang ein wunderbarer Freund und als ehemaliger Ehemann von Lis Verhoeven und Vater von Stella Adorf mit unserer Familie sehr eng verbunden.' Verhoeven betont die Dankbarkeit für Adorfs erfülltes, langes und kreatives Leben. 'Als Schauspieler war er eine Wucht, einzigartig charismatisch, intensiv und dabei stets wahrhaftig – als Mensch war es nicht anders.'
Besonders persönlich wird die Erinnerung: 'Ich kannte ihn, seitdem ich ganz klein war, und er war für mich der wilde Onkel aus den Winnetou-Filmen, den ich sehr bewundert habe. Vor allem aber war er für mich der Papa von meiner geliebten Cousine Stella.' Verhoeven erinnert auch an Adorfs komödiantisches Talent, das schon lange vor 'Kir Royal' sichtbar wurde, etwa in gemeinsamen Filmen mit seinen Eltern Senta Berger und Michael Verhoeven.
Christine Neubauer: 'Für mich war er immer eine Legende'
Schauspielerin Christine Neubauer kämpft mit der Trauer: 'Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Mit dem Tod von Mario Adorf ist für mich nicht nur ein großer Schauspieler gegangen, sondern auch ein Mensch, der mich auf ganz besondere Weise begleitet hat.' Sie erinnert sich an ihre ersten Dreherfahrungen mit Adorf und seine warmherzige Art als Kollege. 'Als junge Zuschauerin, als Winnetou-verliebtes Mädchen, hatte ich eine unglaubliche Antipathie – nicht wirklich zu ihm, sondern zu seiner Rolle. Aber genau darin lag seine unglaubliche Kraft.'
Heiner Lauterbachs letzter Gruß an den großen Kollegen
Heiner Lauterbach richtet einen emotionalen Abschiedsgruß an Adorf: 'Lieber Mario, schon als Kind hatte ich Bilder von dir über meinem Bett hängen. Aus den alten Karl-May-Filmen.' Lauterbach betont den Kontrast zwischen Adorfs oft bösen Rollen und seinem herzensguten Charakter. 'Ich habe so viel von dir gelernt. Natürlich als Schauspieler: wie demütig man in diesem Beruf sein muss, wie fleißig, wie zielstrebig, wie fantasievoll und wie geduldig.' Die gemeinsame Zeit am Set von 'Schattenmann' bleibt ihm als prägende Erfahrung in Erinnerung.
Weitere prominente Stimmen der Trauer und Erinnerung
Veronica Ferres beschreibt Adorf als 'einen der warmherzigsten Menschen, der mir je begegnet ist' und betont seine inspirierende Wirkung. Florian Silbereisen erinnert sich an Adorfs Auftritt in seiner 'Adventsfest'-Show: 'Er war wirklich ein ganz Großer! Auch im Himmel wird man ihm gerne zuhören, wenn er mit seiner Weisheit und einem Schmunzeln Geschichten erzählt...'
Frederic Prinz von Anhalt zeigt sich schockiert: 'Ich bin schockiert. Das gibt's doch gar nicht. Das geht mir jetzt sehr nahe.' Er erinnert sich an gemeinsame Diners in London, bei denen Adorf 'immer munter, fröhlich und lustig' gewesen sei. Roberto Blanco betont: 'Alle Momente mit ihm waren besonders', während Heinz Hoenig den Verlust als 'Ende eines Kapitels' beschreibt.
Markus Söder würdigt bayerische Fernsehgeschichte
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder betont Adorfs Bedeutung für den deutschen Film: 'Deutschland verliert einen Giganten des deutschen Films. Mario Adorf war ein Schauspieler mit unglaublicher Wucht, großem Charisma und einer unverwechselbaren Stimme.' Besonders hebt er die bayerische Verbindung hervor: 'Seine große Schauspielkarriere begann in München und mit der Rolle als Heinrich Haffenloher in 'Kir Royal' ist Mario Adorf Teil bayerischer Fernsehgeschichte.'
Eine Persönlichkeit von Integrität und Stil
Entertainer Julian F.M. Stoeckel erzählt eine bezeichnende Anekdote über Adorfs Charakter: Bei der Trauerfeier für Hannelore Elsner sei Adorf als Letzter gekommen, habe sich nicht fotografieren lassen und sich hinten hingesetzt, 'um für sich zu trauern. Das zeigte seinen wahren Charakter und Stil, dass er sich nicht in den Mittelpunkt gerückt und selbst zelebriert hat.' Diese Bescheidenheit und Integrität machen Adorf für viele zu einer besonderen Persönlichkeit, die in der heutigen Zeit selten geworden ist.
Die Trauer um Mario Adorf vereint Publikum, Kollegen und Weggefährten in der Erkenntnis, dass mit ihm nicht nur ein großartiger Schauspieler, sondern auch ein außergewöhnlicher Mensch von uns gegangen ist. Seine Filme und seine unverwechselbare Präsenz bleiben jedoch als bleibendes Vermächtnis erhalten.



