Das letzte Gespräch mit einer Filmlegende
BILD-Showchefin Tanja May erinnert sich bewegend an ihr letztes Treffen mit dem großen Schauspieler Mario Adorf im August 2025 in Saint-Tropez. Wenige Tage vor seinem 95. Geburtstag wirkte der Künstler zufrieden und versöhnlich mit dem Leben, wie May in ihrem Rückblick schildert.
Ein Mann mit Haltung und Humor
Adorf präsentierte sich bei dem Gespräch im Hotel „Althoff Villa Belrose“ als charmanter, direkter und geistig hellwacher Gesprächspartner. „Er war echt, witzig und verabscheute oberflächliche Fragen“, so Tanja May. Trotz körperlicher Einschränkungen – er trug zwei Hörgeräte und bewegte sich mit einem Spazierstock – strahlte er Eleganz und Humor aus. Auffällig war seine Ablehnung, den Gehstock auf Fotos zeigen zu lassen.
Private Einblicke und Familienbande
Der Schauspieler sprach offen über sein Leben und seine Familie. Besonders bewegend schilderte er die tiefe Verbundenheit zu seiner Ehefrau Monique, die ihn traurig stimmte bei dem Gedanken, sie zurücklassen zu müssen. „Diese emotionale Tiefe erzählte mehr über ihn als jede Filmrolle“, betont Tanja May. Adorf verbrachte die heißen Wochen des Jahres regelmäßig mit seiner Frau in ihrem Sommerhaus in Südfrankreich.
Versöhnlicher Blick auf das Alter
Mario Adorf äußerte sich deutlich zu seinem fortgeschrittenen Alter: „Ich habe keinen Ehrgeiz, noch älter zu werden“. Geburtstage und Jahrestage waren für das Paar nicht von Bedeutung – sie übergingen sie meist schweigend. Statt Champagner genügten ihm bei dem Treffen ein Glas Wasser und ein Schokocroissant.
Persönliche Erinnerungen und Abschied
Tanja May, die Adorf seit ihrer Jugend verehrte, teilte eine besondere Anekdote: Als sie ihm gestand, ihn während seiner Rolle in „Der große Bellheim“ am liebsten geheiratet zu haben, lachten beide herzlich. „Ein Moment voller Leichtigkeit, der mir für immer bleiben wird“, erinnert sich die Showchefin. Sie spürte bereits bei diesem letzten Zusammentreffen, dass Adorf körperlich abbaut, und fürchtete, es könnte ihre letzte Begegnung sein.
Mario Adorf verstarb friedlich im Schlaf in seiner Pariser Wohnung. Tanja May betont: „Er hat die Bühne des Lebens würdevoll verlassen. Was bleibt, sind die Liebe und Haltung, die er für immer hinterlässt“. Das letzte Interview mit Fotograf Frank Zauritz dokumentiert einen Künstler, der bis zuletzt authentisch und geistig präsent blieb.



