Tim Curry wird 80: Eine Kultfigur feiert Geburtstag
Er schockierte mit nackten Auftritten, begeisterte als transvestitischer Außerirdischer und kämpfte sich nach einem Schlaganfall zurück ins Berufsleben: Tim Curry, die unverwechselbare Stimme und Ikone der „Rocky Horror Show“, feiert am 19. April seinen 80. Geburtstag. Der britische Schauspieler und Sänger, der durch die Rolle des Dr. Frank N. Furter weltberühmt wurde, blickt auf ein bewegtes Leben voller Höhen und Tiefen zurück.
Vom Skandal zur weltweiten Sensation
Bereits sein erstes Engagement als Schauspieler sorgte für Aufsehen: 1968 tanzte Tim Curry nackt im Musical „Hair“ auf der Bühne – angeblich zur großen Verlegenheit seiner Mutter Patricia im Publikum. Doch der eigentliche Durchbruch kam 1973 mit der „Rocky Horror Show“. In Strapse, Stöckelschuhen und mit auffälligem Make-up verkörperte Curry den „Transvestiten vom Planeten Transsexual“ und schuf damit eine der ikonischsten Figuren der Theater- und Filmgeschichte.
Im konservativen Großbritannien der 1970er Jahre war das sexuell aufgeladene Musical von Richard O'Brien eine mutige Provokation. Niemand konnte damals ahnen, dass dieses Stück über einen außerirdischen, bisexuellen Wissenschaftler zu einem weltweiten Kultphänomen werden würde. Die Uraufführung vor nur 85 Zuschauern im Royal Court Theatre entwickelte sich innerhalb weniger Wochen zu einem ausverkauften Erfolg, der bald größere Spielstätten erforderte.
Vom Theaterstar zum Hollywood-Darsteller
Tim Curry, 1946 in der Grafschaft Cheshire geboren und teilweise in Hongkong aufgewachsen, studierte Schauspiel an der Universität Birmingham. Bevor ihn sein „Hair“-Kollege O'Brien zur „Rocky Horror Show“ holte, hatte er bereits Erfahrungen bei der Royal Shakespeare Company gesammelt. Die 1975 entstandene Verfilmung „Rocky Horror Picture Show“ machte Curry mit seinem breiten Grinsen und dem Song „Sweet Transvestite“ endgültig zum internationalen Star.
Trotz des plötzlichen Ruhms blieb Curry bodenständig: „Ich genieße das nicht, aber ich spiele das Spiel mit“, gestand er dem „Guardian“. In den folgenden Jahren war er vor allem im Fernsehen und Theater präsent, spielte im Londoner West End und am Broadway in Stücken wie Brechts „Dreigroschenoper“ und war für seine Mozart-Darstellung in „Amadeus“ für einen Tony Award nominiert.
Vielfältige Karriere mit Höhen und Tiefen
Neben seiner Schauspielkarriere versuchte sich Curry auch als Popstar. Seine markante Gesangsstimme, die er bereits als Kind in der Kirche und später als Dr. Frank N. Furter unter Beweis gestellt hatte, fand jedoch mit seinen Soloalben „Read My Lips“, „Fearless“ und „Simplicity“ nur mäßigen kommerziellen Erfolg. Immerhin schaffte es die Single „I Do The Rock“ in die US-Charts.
Ab den 1980er Jahren etablierte sich Curry dann doch noch in Hollywood. Er spielte in John Hustons Musical „Annie“, der Krimikomödie „Alle Mörder sind schon da“ und schlüpfte für Ridley Scotts „Legende“ in ein spektakuläres Teufelskostüm. Ende der 1980er Jahre zog er in die USA: „Ich bin nach L.A. gezogen, weil sie dort die Kameras auf einen richten“, erklärte er der „New York Times“. „Und ich möchte, dass sie das machen.“
Horror-Ikone und gefragter Synchronsprecher
In den 1990er Jahren stand Curry deutlich häufiger vor der Kamera, wenn auch meist in Nebenrollen. Unvergessen bleibt sein Auftritt als furchterregender Clown Pennywise im Horror-Klassiker „Stephen Kings Es“. Weitere Filmrollen folgten in „Jagd auf Roter Oktober“, „Kevin - Allein in New York“ und „Die drei Musketiere“.
Später konzentrierte er sich zunehmend auf Sprechrollen und wurde zu einer der gefragtesten Synchronsprecher der Branche. Unzähligen Figuren in Zeichentrickfilmen, Kinderserien und Videospielen verlieh er seine markante Stimme und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Auch als Hörbuchsprecher war er erfolgreich.
Leben und Arbeit nach dem Schlaganfall
Im Jahr 2012 erlitt Tim Curry im Alter von 67 Jahren einen schweren Schlaganfall, der ihn teilweise lähmte und auf einen Rollstuhl anwies. Doch seinen charakteristischen Humor verlor er nicht: „Am Tag vor dem Schlaganfall hab ich drei Schachteln geraucht“, scherzte er im „Guardian“-Interview. „Das werde ich nicht wieder machen.“
Trotz der gesundheitlichen Einschränkungen ließ sich Curry nicht unterkriegen und arbeitete weiter als Sprecher. Als die „Rocky Horror Picture Show“ 2016 für das Fernsehen neu verfilmt wurde, wirkte er als Erzähler mit. Auf Conventions und Festivals begeistert er bis heute seine Fans mit Anekdoten aus seinem bewegten Leben. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er seine Autobiografie „Vagabond“, die er selbst als Hörbuch einsprach.
Privates bleibt privat
Laut seiner offiziellen Website war Tim Curry nie verheiratet und hat keine Kinder. Über sein Privatleben ist ansonsten wenig bekannt – eine bewusste Entscheidung des Schauspielers. In seiner Autobiografie erklärt er deutlich: „Affären des Herzens oder im Bett gehen euch – bei allem Respekt – verdammt noch mal nichts an.“
Mit 80 Jahren blickt Tim Curry auf eine außergewöhnliche Karriere zurück, die von mutigen Rollen, künstlerischer Vielseitigkeit und bewundernswerter Resilienz geprägt ist. Vom Skandal-Star der 1970er Jahre zur gefeierten Kultfigur und inspirierenden Persönlichkeit – seine Geschichte ist ebenso ungewöhnlich wie die Charaktere, die er verkörpert hat.



