US-Richterin ordnet Wiederaufbau von Sklaverei-Ausstellung in Philadelphia an
Ein US-Bundesgericht hat die Wiederherstellung einer bedeutenden Freiluftausstellung zur Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten angeordnet. Die Ausstellung in Philadelphia war im Januar von der US-Nationalparkverwaltung (NPS) abgebaut worden, was nun von Richterin Cynthia M. Rufe als rechtswidrig eingestuft wurde.
Historische Wahrheit darf nicht verschleiert werden
In ihrem wegweisenden Urteil betonte Richterin Rufe, dass die US-Regierung nicht die Befugnis habe, historische Wahrheiten zu verschleiern und zu verfälschen. Die Stadt Philadelphia hatte gegen den Abbau der Ausstellung Klage eingereicht, nachdem die Nationalparkverwaltung die Installation entfernt hatte.
Die Richterin zog in ihrer Entscheidung bemerkenswerte Parallelen zum dystopischen Roman 1984 des britischen Schriftstellers George Orwell. Es sei, als gäbe es nun das Ministerium für Wahrheit aus George Orwells ›1984‹ mit seinem Motto ›Unwissenheit ist Stärke‹, schrieb Rufe in ihrer Urteilsbegründung. Sie kritisierte die Vorstellung, dass die Regierung allein die Macht habe, historische Darstellungen zu löschen, zu verändern oder zu verbergen.
Hintergrund des Konflikts
Die Ausstellung mit dem Titel Freiheit und Sklaverei in der Entstehung einer neuen Nation befand sich im Presidential House, der ehemaligen offiziellen Residenz von George Washington, als Philadelphia die provisorische Hauptstadt der USA war. Die 2010 eröffnete Installation würdigte insbesondere die neun Sklaven, die in Washingtons Haushalt lebten.
Nach Angaben der Stadtverwaltung von Philadelphia war der Abbau vermutlich eine Folge eines Dekrets, das US-Präsident Donald Trump im März 2025 unterzeichnet hatte. In diesem Dekret forderte Trump die Wiederherstellung von Wahrheit und Verstand in der amerikanischen Geschichte und die Rückgängigmachung der Verbreitung von spaltender Ideologie. Die Philadelphia-Ausstellung wurde in dem Dokument ausdrücklich als Beispiel genannt.
Politische Reaktionen und weitere Entwicklungen
Der demokratische Abgeordnete Brendan Boyle, der Teile von Philadelphia im US-Repräsentantenhaus vertritt, begrüßte das zunächst vorläufige Urteil: Ich bin stolz auf unser Land und seine Gründungsideale. Das bedeutet, dass wir die ganze Wahrheit über unsere Geschichte erzählen, das Gute wie das Schlechte.
Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der Präsident Trump seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 verstärkt gegen Kulturinstitutionen vorgeht, die er als ideologisch linksgerichtet betrachtet. Im vergangenen Jahr ließ seine Regierung bereits missliebige Inhalte aus Nationalmuseen in Washington entfernen.
Das Gerichtsurteil gilt zunächst als vorläufige Anordnung, bis weitere Gerichtsverfahren abgeschlossen sind. Die Richterin betonte jedoch nachdrücklich, dass der Schutz historischer Wahrheiten ein grundlegendes demokratisches Prinzip darstelle, das nicht der politischen Willkür unterliegen dürfe.



