Dramatische Dreharbeiten: Verletzungen und Zensur bei DDR-Kinderserie 'Spuk unterm Riesenrad'
Verletzungen und Zensur bei DDR-Kinderserie 'Spuk unterm Riesenrad' (21.04.2026)

Dramatische Dreharbeiten: Verletzungen und Zensur bei DDR-Kinderserie 'Spuk unterm Riesenrad'

Die legendäre DDR-Kinderserie 'Spuk unterm Riesenrad' begeistert seit ihrem Start zu Neujahr 1979 Generationen von Zuschauern. Die siebenteilige Produktion von C. U. Wiesner und Günter Meyer entwickelte sich schnell zum Straßenfeger und wurde später sogar als zweiteiliger Kinofilm adaptiert. Jahrzehnte später erhielt der Stoff mit einem neuen Kinofilm im Jahr 2024 erneut Aufmerksamkeit.

Die besondere Mischung aus Märchen und Alltag

Was die Serie bis heute so einzigartig macht, ist ihre gelungene Verbindung von Märchenelementen mit dem Großstadtalltag der DDR. Die drei Kinder Keks, Umbo und Tammi erleben ihre Abenteuer nicht in fernen Zauberwäldern, sondern mitten im realen Leben: in der Geisterbahn, auf Straßen und Plätzen, im Warenhaus und später im Harz. Dieses Spiel zwischen Alltag und Magie machte die Serie sowohl für Kinder spannend als auch für Erwachsene besonders reizvoll.

Die Geschichte beginnt mit einer einfachen, fast anarchischen Idee: Drei Kinder werfen Figuren aus der Geisterbahn in die Spree und erwecken damit Hexe, Riese und Rumpelstilzchen zum Leben. Von diesem Moment an gerät alles außer Kontrolle. Die drei Wesen streifen durch die Stadt, probieren moderne Welt und alte Zauberkraft gegeneinander aus und sorgen für Chaos, Staunen und Komik.

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Drehorte mit Kultstatus

Die authentischen Drehorte tragen maßgeblich zum Kultstatus der Serie bei. Gedreht wurde unter anderem:

  • Im Kulturpark Plänterwald mit Riesenrad und Geisterbahn
  • Am Spreeufer in Berlin
  • Im Centrum-Warenhaus am Alexanderplatz
  • In Thale und Blankenburg im Harz
  • Auf der Burg Falkenstein

Besonders der 'Dämonenexpress', die Geisterbahn der Großeltern, wurde durch die Serie tief in der Popkultur verankert. Stark modernisiert existiert sie bis heute. Auch der Schleppdampfer 'Helene', auf dem am Spreeufer gedreht wurde, gehört zu den interessanten Randnotizen der Produktion – das Schiff wurde später ausgemustert und 1986 abgewrackt.

Politische Zensur und gefährliche Dreharbeiten

Eine der spannendsten Anekdoten betrifft die Folge 'Alarm im Warenhaus'. Bei der Erstausstrahlung sollte sie zunächst gar nicht vollständig gezeigt werden. Der Grund war politisch heikel und zugleich sehr alltagsnah: Wegen eines Versorgungsengpasses mit Fleisch- und Wurstwaren wollte das DDR-Fernsehen keine prall gefüllten Auslagen zeigen. Besonders problematisch war eine Szene, in der der Riese Fleisch und Wurst eine Treppe hinunterfallen ließ.

Erst nach Protesten von Autor und Regisseur wurde die Episode doch gesendet – allerdings zunächst in gekürzter Form. Später griff man bei Wiederholungen auf die ungekürzte Filmkopie zurück.

Schmerzhafte Spezialeffekte und Verletzungen

Fast noch filmreifer ist die Geschichte um den 'glühenden Finger' des Rumpelstilzchens. Für eine Szene, in der die Figur ein Drahtgitter aufschweißt, bekam Darsteller Siegfried Seibt eine spezielle Finger-Maske mit elektrischer Glühlampe. Dazu kamen Rauch und eine präparierte Brennschicht am Gitter, damit der Trick überzeugend aussah.

Doch der Effekt wurde am Set schmerzhaft echt: Seibt geriet mit dem Finger zu nah an den Draht, der Finger fing Feuer, und der Schauspieler zog sich Brandblasen zu. Trotzdem spielte er die Einstellung zu Ende, weil ein erneutes Anlegen der aufwendigen Maske zu viel Zeit gekostet hätte.

Bei dieser Szene blieb es nicht. In der letzten Folge wurde Seibt bei einem Dreh durch seinen Kollegen Stefan Lisewski versehentlich so unglücklich getroffen, dass ihm zwei Rippen brachen. Umgekehrt verletzte sich Lisewski bei einer anderen Einstellung im Gesicht und fiel anschließend mehrere Tage für den Dreh aus.

Kultstatus und Nachwirkungen

Nach dem großen Erfolg wurde 'Spuk unterm Riesenrad' zum Startpunkt einer ganzen Reihe. Es folgten 'Spuk im Hochhaus' und 'Spuk von draußen'. Regisseur Günter Meyer baute damit eine eigene kleine DDR-Spukuniversum-Tradition auf. Ein nettes Detail für Fans: Meyer selbst hat in 'Spuk unterm Riesenrad' einen Cameoauftritt als Fahrgast im 'Dämonenexpress'.

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Zur Langlebigkeit der Serie trug bei, dass sie immer wieder neu entdeckt wurde. Die ursprünglichen sieben Folgen wurden später als Zweiteiler zusammengeschnitten. Hinzu kamen DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen sowie ein Hörspiel mit Originalstimmen. Seit 2012 wird die Serie sogar als Theaterstück inszeniert, unter anderem in Rostock.

Warum die Serie unvergessen blieb

Der eigentliche Zauber von 'Spuk unterm Riesenrad' liegt tiefer als in jeder Produktionsanekdote. Die Serie erzählt von Unfug, Angst, Neugier, Freundschaft und der Frage, ob aus vermeintlich bösen Figuren doch Verbündete werden können. Hexe und Riese gewinnen im Verlauf der Handlung menschliche Züge, während das Rumpelstilzchen echten Machtwillen verkörpert. Für eine Kinderserie war das erstaunlich vielschichtig.

So bleibt 'Spuk unterm Riesenrad' ein DDR-Klassiker, der mehr ist als bloße Nostalgie. Die Serie verbindet märchenhafte Einfälle mit genauer Alltagsbeobachtung, humorvollen Details und einer Produktion, über die es auch fast 50 Jahre später noch verblüffende Geschichten zu erzählen gibt.