Stephan Zinner im Interview: Warum 'Himmel, Herrgott, Sakrament' kein zweites 'Rosenheim-Cops' ist
Zinner: 'Himmel, Herrgott, Sakrament' nicht mit 'Rosenheim-Cops' vergleichbar

Erfolgsserie 'Himmel, Herrgott, Sakrament' geht in zweite Staffel

Die bayerische Erfolgsserie "Himmel, Herrgott, Sakrament" feiert ihren fulminanten Einstand im Bayerischen Fernsehen mit einem Rekordstart des jungen Jahrtausends. Mit Marktanteilen von knapp 30 Prozent im Freistaat und über einer Million Zuschauern war die Fortsetzung der Serie um den rebellischen Pfarrer Reiser nur eine Frage der Zeit. Franz Xaver Bogner führt erneut Regie, während Stephan Zinner erneut in die Rolle des unkonventionellen Geistlichen schlüpft.

Stephan Zinner über seine Rolle als Pfarrer Reiser

Stephan Zinner, der selbst evangelisch aufgewachsen ist, betont seine freie Außensicht auf die katholische Kirche: "Ich stehe unter keinen Dogmen und muss auch nicht gleich zur Beichte gehen, wenn ich dem Rebellen eine Stimme gebe." Die Figur des Pfarrers Reiser ist angelehnt an den Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler, der die Kirche als lebendigen Teil der Gesellschaft sieht. Zinner erklärt: "So jemand wie Pfarrer Schießler sieht die Kirche nicht als abgeschlossenes, starres Ding, sondern als eine Kirche mitten in der Gesellschaft und deshalb in Bewegung – und vor allem eine, die niemanden ausschließt."

Unterschiede zu den 'Rosenheim-Cops' und Serienerfolg

Der Schauspieler, der auch bei den "Rosenheim-Cops" mitgewirkt hat, wehrt sich gegen Vergleiche: "Man kann 'Rosenheim-Cops' und 'Himmel, Herrgott, Sakrament' nicht vergleichen." Dennoch erkennt er gemeinsame Erfolgsfaktoren: "Eine Sache funktioniert, wenn man Figuren vorgestellt bekommt, von denen man denkt: Ah, den kenn' ich! Das schafft Nähe und Interesse." Bogner gelinge es meisterhaft, Charaktere fürs Fernsehen zu schärfen, ohne sie zur Karikatur zu verkommen.

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Die Attraktivität der Serie erklärt Zinner mit der gelungenen Mischung aus Tradition und Kritik: "Wenn man das dann nicht nostalgisch verklärend darstellt, hat man beides: Tradition und Kritik – und da kann sich dann ja jeder einordnen." In zunehmend säkularen Zeiten wirken die 2000 Jahre Kirchengeschichte und persönliche Familiengeschichten weiter nach, selbst wenn viele Menschen die Kirche längst verlassen haben.

Zweite Staffel und mögliche dritte Runde

Nach dem überwältigenden Erfolg der ersten sechs Folgen war eine zweite Staffel fast zwangsläufig. Zinner lacht über Regisseur Bogners anfängliche Bedenken: "Das ist auch ein bisschen professionelle Koketterie von dem alten Fuchs. Der hatte schon noch was im Köcher." Mit Themen wie dem Zölibat und der Beziehung des Pfarrers zu einer Frau biete die Serie weiterhin reichlich Zündstoff.

Für eine mögliche dritte Staffel schweben bereits Ideen im Raum. Zinner spielt mit dem Gedanken: "Man könnte Pfarrer Reiser, um ihn ruhig zu stellen, ja zum Kardinal wegbefördern." Rom als Schauplatz wäre zwar reizvoll, aber aus finanziellen Gründen unwahrscheinlich. Der Schauspieler ist jedoch überzeugt: "Wenn der Franz gefragt wird, fällt dem Bogner schon noch was ein."

Persönliches: Social-Media-Abstinenz und Nockherberg-Pläne

Der vielbeschäftigte Künstler – er ist Schauspieler, Autor, Musiker und Kabarettist – schützt sich bewusst vor Überlastung. "Ich glaube, es ist der ständige Genre-Wechsel: Kabarett, Schauspiel, die Band, Schreiben. Das bringt immer wieder eine frische Energie." Seine Social-Media-Abstinenz auf WhatsApp erklärt er so: "Absolut. Mir schadet das überhaupt nicht, wenn ich mal auf einem Kanal nicht erreichbar bin."

Nach seiner Premiere als Fastenprediger am Nockherberg bleibt die Zukunft ungewiss. Zinner verrät: "Die von Paulaner haben mir jedenfalls nach meinem Auftritt keinen Maßkrug hinterhergeworfen. Wir haben ausgemacht, dass wir im Sommer im Biergarten eine Maß trinken und alles weitere besprechen." Kritik nimmt er mittlerweile gelassener: "Früher war Kritikannahmefähigkeit nicht meine große Stärke, aber ich habe gelernt, dass Kritik einem durchaus helfen kann."

Alle sechs neuen Folgen von "Himmel, Herrgott, Sakrament" sind bereits in der ARD Mediathek verfügbar. Im BR Fernsehen läuft ab Freitag, den 10. April, immer freitags um 20:15 Uhr eine Doppelfolge der erfolgreichen Serie.

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