ARD setzt Zeichen gegen Sexismus-Vorwürfe
Die Debatte um vermeintliche Frauenfeindlichkeit des Literaturkritikers Denis Scheck nimmt eine neue Wendung. Während die Literaturwelt noch über Schecks umstrittene Kritiken diskutiert, kündigt die ARD bereits das Programm für die nächste Folge seiner Sendung »druckfrisch« an – und setzt dabei bewusst auf Autorinnen.
Der Auslöser der Kontroverse
Der Kritiker war zuletzt selbst massiv in die Kritik geraten, nachdem er das neue Buch der Autorin Ildiko von Kürhty als »Geschnatter aus der Damentoilette« abgetan und symbolisch in die Abfalltonne geworfen hatte. Diese drastische Geste löste eine breite Debatte über Schecks Umgang mit Büchern von Frauen aus.
Namhafte Autorinnen wie Elke Heidenreich und Sophie Passmann haben dem Kritiker daraufhin Sexismus vorgeworfen. Passmann bezeichnete sein Verhalten als »sehr böse, aber vor allem sehr sexistisch«, während Heidenreich sogar die Absetzung von Schecks Sendung forderte.
Die strategische Antwort des Senders
Die ARD geht nun offensiv mit der Situation um. In der neuen Folge »druckfrisch«, die am 26. April ausgestrahlt wird, »begegnet Denis Scheck starken Frauen«, wie es in einer Pressemitteilung vom Samstag heißt. Der Schachzug ist transparent und gleichzeitig effektiv: Indem Scheck drei Frauen hervorhebt, deren Schreiben er offensichtlich schätzt, untergräbt er das Argument, er habe ein grundsätzliches Problem mit Büchern von Frauen.
Im Mittelpunkt der Sendung stehen Autorinnen Siri Hustvedt, Judith Schalansky und Samantha Schweblin. Die Pressemitteilung betont explizit, dass Scheck Schweblins »feministische Horrorgeschichten« empfiehlt – eine klare Botschaft an die Kritiker.
Die Mülltonnen-Debatte
Neben den Vorwürfen der Frauenfeindlichkeit wird Scheck auch immer wieder kritisiert, dass sein Ritual, schlechte Bücher in die Mülltonne zu werfen, rabiat und aus der Zeit gefallen sei. Interessanterweise korrigiert die aktuelle Pressemitteilung des Senders nun diese Darstellung: Es handele sich bei dem gefürchteten Behältnis gar nicht um eine Mülltonne, sondern um eine »Transportkiste für jene Literatur, die zurückgestellt wird ins Regal«.
Diese sprachliche Nuance – zurück ins Regal statt ab in die Tonne – zeigt, wie sensibel der Sender mit der Kritik umgeht. Ob sich die Debatte damit tatsächlich beruhigen lässt, bleibt abzuwarten. Die Literaturwelt wird die nächste Sendung von »druckfrisch« mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen.



