Gisèle Pelicots Memoiren erscheinen weltweit: Eine Hymne an das Leben für betroffene Frauen
Gisèle Pelicot: Memoiren als Hymne an das Leben erscheinen

Gisèle Pelicots Memoiren erscheinen weltweit in 22 Sprachen

Am heutigen Dienstag, dem 17. Februar 2026, erscheinen die Memoiren von Gisèle Pelicot unter dem Titel „Eine Hymne an das Leben. Die Scham muss die Seiten wechseln“ weltweit in 22 Sprachen. Die Französin, die über Jahre von ihrem Ehemann Dominique Pelicot mit Medikamenten betäubt und vergewaltigt wurde, oft gemeinsam mit Internetbekanntschaften, schildert in ihrem Werk ihre erschütternde Geschichte. Der Fall, der 2024 verhandelt wurde und international für Schlagzeilen sorgte, findet nun in Buchform seinen Niederschlag.

Die Entscheidung für eine öffentliche Verhandlung

In ihren Erinnerungen beschreibt Pelicot detailliert, wie sie erfuhr, was ihr Ehemann ihr angetan hatte. Ermittler konfrontierten sie mit Fotos, die Dominique Pelicot von seinen Taten gemacht und in einem Ordner namens „Missbrauch“ auf einer Festplatte gespeichert hatte. Zur Überraschung aller entschied sich Pelicot für eine öffentliche Gerichtsverhandlung, mit dem Argument: „Die Scham muss die Seite wechseln.“ Dieser Satz ging in die Geschichtsbücher ein und wurde zum Leitmotiv ihres Engagements.

Pelicot erklärt in ihrem Buch, warum sie sich für dieses öffentliche Verfahren entschied: „Niemand hätte erfahren, was sie mir angetan haben. Kein einziger Journalist wäre da gewesen, um ihre Namen neben ihre Verbrechen zu schreiben. Vor allem aber hätte keine einzige Frau den Gerichtssaal betreten und sich dort weniger allein fühlen können.“ Diese Worte unterstreichen ihren Wunsch, Solidarität und Sichtbarkeit für andere Betroffene zu schaffen.

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Der Avignon-Prozess und die Verurteilungen

Pelicot schildert auch die Begegnung mit ihren Vergewaltigern im Gerichtssaal. Viele der Angeklagten beteuerten ihre Unschuld, doch die Fotos und Videos lieferten laut Gericht untrügliche Beweise. Im sogenannten Avignon-Prozess sprach das Gericht alle 51 Angeklagten schuldig, was als bedeutender juristischer Erfolg gewertet wird. Diese Verurteilungen markieren einen wichtigen Schritt im Kampf gegen sexualisierte Gewalt.

Buchveröffentlichung und Lesungen in Deutschland

In Deutschland bringt der Piper-Verlag das 255 Seiten lange Buch heraus, das Pelicot gemeinsam mit der französischen Journalistin Judith Perrignon verfasst hat. Eine Verlagssprecherin kommentierte: „Es ist eine sehr besondere Geschichte, die in unserem Programm kaum vergleichbar ist.“ Während in Frankreich eine Auflage von 150.000 Exemplaren startet, machte der Piper-Verlag keine Angaben zur deutschen Auflage.

Am 24. Februar 2026 wird Pelicot ihr Buch in Hamburg vorstellen, gefolgt von einer Lesung in München am 26. Februar. Die Auszüge werden von den Schauspielerinnen Maria Furtwängler und Caroline Peters gelesen, was die kulturelle Bedeutung des Werkes unterstreicht.

Eine Botschaft der Hoffnung und Stärke

Mit ihrem Buch und ihrer Geschichte will Gisèle Pelicot anderen betroffenen Frauen Mut machen. Sie schreibt: „Vor allem bin ich ungemein froh, zu wissen, dass eine Frau, die sich beim Aufwachen nicht an den Vorabend erinnern kann, fortan an mich denken wird, oder besser gesagt an das, was mir widerfahren ist.“ Gleichzeitig betont sie: „Ich möchte nicht als Opfer gesehen werden und habe mich nie als Ikone empfunden oder betrachtet.“ Diese Aussagen zeigen ihren Wunsch nach Empowerment und der Überwindung von Stigmatisierung.

Gisèle Pelicot hat mittlerweile eine neue Liebe gefunden und lebt zurückgezogen auf einer Insel an der Atlantikküste. Ihr Leben steht symbolisch für die Möglichkeit der Heilung und des Neuanfangs nach traumatischen Erfahrungen. Ihre Memoiren dienen nicht nur als persönliche Abrechnung, sondern auch als kraftvolles Zeugnis für Resilienz und Solidarität.

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