Stefan Heym-Preis für Juri Andruchowytsch: Literaturpreis als Solidaritätszeichen für die Ukraine
Heym-Preis für Andruchowytsch: Solidaritätssignal für Ukraine

Stefan Heym-Preis für Juri Andruchowytsch: Ein literarisches Solidaritätssignal

Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch hat den renommierten Stefan Heym-Preis der Stadt Chemnitz erhalten. Die mit 20.000 Euro dotierte Literaturauszeichnung wurde dem Autor am Samstagabend von Chemnitz' Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) überreicht. In seiner Würdigung bezeichnete Schulze Andruchowytsch als „Stimme seines Landes“ und „Stimme Europas“.

Preis als europäisches Solidaritätszeichen

Der Schriftsteller nahm die Ehrung als „starkes Solidaritätssignal“ für die Ukraine entgegen. „Dieser Preis ist ein klares Zeugnis, dass Sie, Europäer, mit uns, mit der Ukraine sind“, betonte Andruchowytsch in seiner Reaktion. Der Autor, der sich in seinem Werk seit langem mit den politischen Entwicklungen in der Ukraine auseinandersetzt – darunter die „Orangene Revolution“ und die Maidan-Bewegung – sieht in der Auszeichnung eine bedeutende Geste der Unterstützung.

Eine scharfe literarische Stimme

Das Kuratorium des Preises würdigte Andruchowytsch als eine der bedeutendsten literarischen und intellektuellen Stimmen der Ukraine. Sein Werk verbinde gesellschaftspolitische Schärfe mit feinem Humor, der sich auch gegen autoritäre Systeme richte. Die Laudatio hielt Katharina Raabe, Lektorin des Suhrkamp-Verlags für osteuropäische Literaturen, die die besondere Qualität seiner Arbeiten hervorhob.

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Der 1960 geborene Autor wurde zunächst mit experimentell-satirischer Lyrik bekannt und wandte sich später verstärkt Prosa und Essays zu. Zu seinen bisherigen Auszeichnungen zählen:

  • Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
  • Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf

Die Tradition der Einmischung

„In der Bezeichnung des aktuellen Preises mag ich am besten den Punkt mit der Einmischung – in gesellschaftliche wie politische Debatten natürlich. Und ich mische mich gern ein“, wird Andruchowytsch in einer Mitteilung der Stadt Chemnitz zitiert. In seiner Dankesrede verwies er auf den Namensgeber des Preises: „Ich glaube, dass Sie einen hervorragenden Lehrer der Einmischungen und der Munterkeit hatten, er hieß Stefan Heym.“

Hintergrund: Stefan Heym und sein Preis

Stefan Heym wurde 1913 als Helmut Flieg in Chemnitz geboren, wuchs in einer deutsch-jüdischen Familie auf und floh später vor den Nationalsozialisten in die USA. 1952 kehrte er in die DDR zurück, wo er zu einer wichtigen Stimme der oppositionellen Literatur avancierte. Im wiedervereinigten Deutschland blieb er politisch aktiv. Der seit 2008 vergebene Stefan-Heym-Preis ehrt Autoren, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich einmischen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören:

  1. Amos Oz
  2. Christoph Hein
  3. Jenny Erpenbeck

Die Preisverleihung in Chemnitz markierte zugleich den Auftakt der 35. Tage der jüdischen Kultur, was die Verbindung zwischen literarischem Engagement und kulturellem Dialog unterstreicht. Die Auszeichnung Andruchowytschs steht somit in einer doppelten Tradition: der literarischen Einmischung im Geiste Stefan Heyms und der aktuellen Solidarität mit der Ukraine in schwierigen Zeiten.

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