Nach über 110 Jahren: Traditionsreicher Karl-May-Verlag sucht neuen Eigentümer
Karl-May-Verlag nach 110 Jahren auf Verkaufssuche

Nach über 110 Jahren: Traditionsreicher Karl-May-Verlag sucht neuen Eigentümer

Seit mehr als einem Jahrhundert prägt der Karl-May-Verlag die deutsche Literaturlandschaft mit seinen charakteristischen grün-goldenen Bänden. Nun steht das traditionsreiche Haus vor einem bedeutenden Wendepunkt: Geschäftsführer und Alleingesellschafter Bernhard Schmid sucht nach über 110 Jahren einen neuen Eigentümer für den Familienbetrieb.

Ein Verlag mit bewegter Geschichte

Der Karl-May-Verlag wurde am 1. Juli 1913 von Euchar Albrecht Schmid, dem Großvater des heutigen Geschäftsführers, gegründet. Seit 1960 hat der Verlag seinen Sitz in der oberfränkischen Stadt Bamberg, nachdem er ursprünglich in Radebeul bei Dresden beheimatet war. Bernhard Schmid, der 64-jährige derzeitige Inhaber, erklärt seine Motivation für den Verkauf: „Karl May ist meine große Leidenschaft, die mich seit Jahrzehnten begleitet. Mir geht es nun darum, rechtzeitig die Zukunft dieses besonderen Hauses zu sichern und einen geeigneten Nachfolger zu finden.“

Kultfiguren und weltweiter Erfolg

Der Name Karl May steht international für deutsche Abenteuerliteratur von höchster Qualität. Rund 200 Millionen Bücher wurden bislang weltweit verkauft, die Werke des Autors sind in etwa 45 Sprachen übersetzt worden. Besonders die Geschichten um den edlen Apachenhäuptling Winnetou und seinen deutschen Blutsbruder Old Shatterhand haben Generationen von Lesern begeistert und Karl May zu einem der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren gemacht.

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Die kulturelle Wirkung der Figuren zeigt sich in verschiedenen Medien:

  • In den 1960er-Jahren prägten Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand das Bild der Helden in erfolgreichen Kinofilmen
  • Seit den 1930er-Jahren begeistern die Karl-May-Festspiele auf Freilichtbühnen deutschlandweit das Publikum
  • Die berühmten „Gesammelten Reiseerzählungen“ erschienen bereits ab den 1890er-Jahren im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld in Freiburg

Kontroversen und aktuelle Debatten

Die Winnetou-Figur sorgt auch in jüngster Zeit für kontroverse Diskussionen. 2022 entbrannte eine heftige Debatte, als der Ravensburger Verlag Kinderbücher zum Film „Der junge Häuptling Winnetou“ kurzfristig vom Markt nahm. Während Kritiker die Darstellungen als zu klischeehaft und stereotyp empfanden, sprachen andere von „Cancel Culture“ und einer übertriebenen politischen Korrektheit.

Uschi Glas, die in der ersten Winnetou-Verfilmung von 1963 die Halbblut-Figur Apanatschi verkörperte, äußerte sich damals deutlich: „In den Filmen und Romanen gibt es Gute und Böse, unabhängig von ihrer Hautfarbe. Diese Geschichten bilden das echte Leben ab. Man sollte aufhören, hier auf Biegen und Brechen einen Anlass für Kritik zu suchen.“

Die Zukunft des Verlags

Nun beginnt für das Haus hinter Winnetou und Old Shatterhand ein neues Kapitel. Der Verlag sucht nach mehr als 110 Jahren erfolgreicher Tätigkeit einen neuen Eigentümer, der die Tradition bewahrt und gleichzeitig innovative Wege für die Zukunft findet. Die Entscheidung von Bernhard Schmid, den Familienbetrieb in neue Hände zu geben, markiert einen historischen Moment für die deutsche Verlagslandschaft und die Kultfigur Winnetou.

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger wird mit großer Sorgfalt betrieben, um das literarische Erbe Karl Mays auch für kommende Generationen zu bewahren und weiterzuentwickeln. Der Verlag bleibt vorerst in Bamberg ansässig und setzt seine Arbeit unter der Leitung von Bernhard Schmid fort, bis ein neuer Eigentümer gefunden ist.

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