35 Jahre BAGGS Bigband: Eine Erfolgsgeschichte aus Leidenschaft und Improvisation
Im Goethe-Gymnasium Schwerin erklingt seit 35 Jahren der kraftvolle Sound einer besonderen Jugend-Bigband. Was 1991 mit zehn Schülern und drei einfachen Stücken begann, hat sich unter der Leitung von Michaela Geißler zu einem der führenden Jugend-Bigband-Ensembles Deutschlands entwickelt. Die Geschichte der BAGGS ist geprägt von Mut, Improvisation und einer außergewöhnlichen musikalischen Leidenschaft.
Ein musikalischer Aufbruch ohne Jazz-Ausbildung
Als Michaela Geißler 1991 den Auftrag erhielt, an der Schule eine Bigband aufzubauen, stand sie vor einer besonderen Herausforderung. Ihre musikalische Ausbildung in der DDR war klassisch geprägt, Jazz spielte darin keine Rolle. „Ich wusste, dass es so etwas gibt, aber gelernt habe ich es nicht“, erinnert sich die Lehrerin. Dennoch sagte sie zu – getrieben von Neugier und dem Vertrauen der Schulleitung, die damals klar signalisierte: „Du kannst das, du machst das.“
Heute leitet Geißler das Ensemble gemeinsam mit ihrem Kollegen Matthias Strauch. Die Anfänge waren bescheiden: offene Besetzung, einfache Stücke und vorsichtig gesteckte Ziele. Doch genau diese Mischung aus Offenheit und Experimentierfreude trug das Projekt von Beginn an. Schüler kamen hinzu, weil sie etwas Neues ausprobieren wollten, und so wuchs die Bigband organisch mit jeder Probe.
Vom kleinen Ensemble zur deutschen Spitze
Mit den Jahren entwickelte sich die BAGGS kontinuierlich weiter. Ein entscheidender Schritt war die Einführung von Bläserklassen, die frühzeitig an das Zusammenspiel heranführen und den Nachwuchs sichern. Viele Schüler bringen heute bereits mehrere Jahre Ensemble-Erfahrung mit, wenn sie in die Bigband wechseln – ein Fundament, das das musikalische Niveau spürbar hebt.
Die wöchentlichen Proben bilden dabei nur den Kern der Arbeit. Probenfahrten, Workshops und Konzertreisen erweitern den Horizont der jungen Musiker. „Die Schüler sollen sehen, was noch möglich ist“, betont Geißler. Dieser Anspruch zeigt deutliche Wirkung: Mehr als 400 Konzerte hat die Bigband inzwischen gespielt, darunter Auftritte bei Festivals, Wettbewerben und Reisen ins Ausland.
Ein Engagement, das über den Unterricht hinausgeht
Hinter diesem Erfolg steht ein Einsatz, der weit über regulären Musikunterricht hinausreicht. Proben am Wochenende, organisatorischer Aufwand und zusätzliche Termine gehören zum Alltag. „Man darf nicht auf die Uhr schauen“, sagt Geißler mit einem Lächeln. Diese Haltung prägt die Arbeit bis heute und sorgt dafür, dass die Bigband über Jahrzehnte stabil bleibt und sich kontinuierlich weiterentwickelt.
Die Nachhaltigkeit des Projekts zeigt sich auch in den Lebenswegen ehemaliger Mitglieder. Viele bleiben der Musik verbunden, einige haben sie sogar zum Beruf gemacht. Diese Verbundenheit wird beim bevorstehenden Jubiläum besonders sichtbar.
Großes Jubiläumskonzert mit Ehemaligen
Am 18. April feiert die BAGGS ihr 35-jähriges Bestehen mit einem besonderen Konzertabend in der Aula des Goethe-Gymnasiums. Beginn ist um 17 Uhr. Geplant ist ein dreiteiliges Programm:
- Auftritt der aktuellen BAGGS Bigband
- Gastauftritte befreundeter Ensembles aus Hannover und Wismar
- Ein besonderer Höhepunkt mit der Ehemaligenband
Viele frühere Mitglieder, die inzwischen als professionelle Musiker unterwegs sind, kehren für das Jubiläum auf die Bühne zurück. Die sogenannte Ehemaligenband ist bereits weitgehend besetzt und verspricht einen emotionalen Moment der musikalischen Wiederbegegnung.
Die Geschichte der BAGGS Bigband zeigt, wie aus einer improvisierten Idee unter schwierigen Voraussetzungen eine musikalische Erfolgsgeschichte werden kann. Ohne formale Jazz-Ausbildung, aber mit viel Leidenschaft, Durchhaltevermögen und pädagogischem Geschick hat Michaela Geißler ein Ensemble geschaffen, das seit 35 Jahren junge Musiker prägt und die deutsche Bigband-Landschaft bereichert.



