Kulturstreit in Dresden: Intendantin verweigert Chor die CD-Aufnahme
Im Dresdner Kulturpalast herrscht seit Monaten ein schwelender Konflikt, der nun eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Die Intendantin der Dresdner Philharmonie, Frauke Roth, hat sich gegen eine geplante CD-Produktion mit dem hauseigenen Philharmonischen Chor ausgesprochen - und damit für erhebliche Verstimmung unter den Sängern gesorgt.
Stardirigent wollte Zeichen setzen - Intendantin legt Veto ein
Eigentlich sollte es ein besonderes Projekt werden: Sir Donald Runnicles, der neue Chefdirigent der Dresdner Philharmonie, zeigte sich von den Leistungen des Philharmonischen Chores so beeindruckt, dass er eine professionelle CD-Aufnahme mit dem Ensemble initiieren wollte. Doch diese Pläne sind nun geplatzt. Intendantin Frauke Roth hat ihr Veto eingelegt und stattdessen angekündigt, für die Aufnahmen einen externen Profichor engagieren zu wollen.
Die Begründung aus dem Umfeld der Intendantin sorgt für besondere Empörung: Der hauseigene Chor sei "nur" ein Laienensemble und entspreche nicht den qualitativen Ansprüchen für eine Studioaufnahme. Diese Einschätzung trifft die rund 70 ehrenamtlichen Sängerinnen und Sänger besonders hart, die seit Jahrzehnten den Klangkörper der Philharmonie prägen.
Doppelter Affront für ehrenamtliche Chormitglieder
Für die betroffenen Sänger kommt diese Entscheidung einem doppelten Schlag ins Gesicht gleich. Bereits in den vergangenen Wochen hatte Intendantin Roth für Aufsehen gesorgt, als sie ankündigte, dass Chormitglieder ab 2027 monatliche Gebühren zahlen müssten - zunächst 25 Euro, später sogar 35 Euro. Als Begründung nannte sie damals die angespannte finanzielle Situation der Philharmonie.
Doch diese Argumentation wirft Fragen auf. Die Dresdner Philharmonie erhält jährlich rund 28 Millionen Euro aus dem Stadthaushalt. Vor diesem Hintergrund erscheint es vielen Beobachtern widersprüchlich, einerseits von ehrenamtlichen Sängern Gebühren zu verlangen und andererseits für CD-Produktionen teure externe Profichöre zu engagieren.
Kritik aus der Politik und Verteidigung der Philharmonie
Die Entscheidung der Intendantin stößt auch in der Dresdner Politik auf Unverständnis. Stadtrat Matteo Böhme, kulturpolitischer Sprecher von Team Zastrow, übt deutliche Kritik: "Dies zeigt ein sehr seltsames Verständnis von Kultur und Ehrenamt. Die langjährige Arbeit des Chores verdient Respekt und Anerkennung. Gebühren von Chormitgliedern zu verlangen und sie dann noch bei einer CD-Produktion auszuschließen, ist respektlos."
Auf Nachfrage bestätigte eine Sprecherin der Dresdner Philharmonie zwar den Vorgang, wies jedoch den Vorwurf einer Abwertung des eigenen Chores zurück: "Die Entscheidung gründet sich nicht in einer qualitativen Abwertung des Ensembles, sondern in den spezifischen Anforderungen des jeweiligen Produktionsformats. Studioaufnahmen verlangen ein Höchstmaß an klanglicher Homogenität, stilistischer Flexibilität sowie die Fähigkeit, auch unter erheblichem Zeitdruck reproduzierbar auf höchstem Niveau zu arbeiten."
Unklare Kosten und alternative Choroptionen
Welcher Profichor konkret zum Einsatz kommen soll, ist laut Philharmonie-Sprecherin noch nicht entschieden. In der Vergangenheit habe man jedoch häufig mit dem MDR-Rundfunkchor zusammengearbeitet. Zu den entstehenden Kosten konnte die Sprecherin keine konkreten Angaben machen - diese variierten stark und ließen sich derzeit nicht beziffern.
Die Situation offenbart einen grundlegenden Konflikt im Dresdner Kulturleben: Einerseits wird das Ehrenamt als tragende Säule des kulturellen Lebens beschworen, andererseits werden ehrenamtlich Engagierte mit Gebührenforderungen konfrontiert und bei prestigeträchtigen Projekten übergangen. Der Streit im Kulturpalast dürfte damit noch längst nicht beendet sein, sondern vielmehr symptomatisch für größere Spannungen zwischen professionellen Ansprüchen und ehrenamtlichem Engagement im Kulturbereich stehen.



