Nach dem ESC ist vor dem ESC: Bulgarien als Gastgeber 2027
Der 70. Eurovision Song Contest ist gerade erst zu Ende gegangen, da richten sich die Blicke bereits auf das kommende Jahr. Nach dem überraschenden Sieg der bulgarischen Sängerin Dara mit ihrem Song „Bangaranga“ wird der ESC 2027 in Sofia stattfinden. Für Bulgarien ist es der erste Sieg in der Geschichte des Wettbewerbs. Das Land, das erst seit etwa 20 Jahren teilnimmt und sich oft nicht für das Finale qualifizieren konnte, hatte zwischen 2023 und 2025 aus finanziellen Gründen pausiert. Nun feiert es seinen größten Erfolg.
Reaktionen aus Bulgarien: Stolz und Vorfreude
Der bulgarische Regierungschef Rumen Radew zeigte sich auf Facebook begeistert: „Bulgarien erwartet Europa und die Welt bei der Eurovision 2027!“ Dara selbst kündigte an: „Im kommenden Jahr kommt der ESC nach Sofia, und wir müssen uns vorbereiten.“ Die Arena 8888, benannt nach einer Gaming-Plattform, gilt als wahrscheinlichster Austragungsort. Die Multifunktionshalle im Osten der Hauptstadt, nahe dem Flughafen, bietet Platz für 13.000 bis 15.000 Zuschauer – vergleichbar mit der Wiener Stadthalle, die beim ESC 2026 auf rund 10.000 Plätze umgebaut wurde.
Kontroverse Stimmung in Bulgarien
Der ESC spaltet die bulgarische Gesellschaft. Für proeuropäische Fans ist die Teilnahme ein Bekenntnis zur EU, während Kritiker die Show als kommerziell und zu LGBT-lastig empfinden. Als eines der ärmsten EU-Länder steht Bulgarien vor der Herausforderung, ein glamouröses, teures Event auszurichten – eine „Bling-Bling-Show im Armenhaus Europas“, wie es boulevardesk heißt.
SWR und die deutsche ESC-Zukunft
ARD-Programmdirektorin Christine Strobl lobte den SWR für die gelungene Inszenierung des 70. ESC. SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler betonte, man wolle weiterhin „Lagerfeuermomente“ schaffen. Zur Auswahl des deutschen Beitrags sagte er, die öffentliche Vorentscheidung sei zunächst nicht infrage gestellt, aber eine interne Auswahl nicht ausgeschlossen. ESC-Experte Lukas Heinser merkte an, dass interne Entscheidungen wie bei JJ und Nemo erfolgreich sein können: „Man muss nicht das Publikum im eigenen Land überzeugen, sondern das im Rest Europas.“
Hape Kerkelings Tipp für Deutschland
Entertainer Hape Kerkeling riet in der Jubiläumsdokumentation „70 Jahre ESC – More than Music“: Deutsche Beiträge müssten „zu Tränen rühren in Unschuld“, dann verzeihe Europa alles. Dies sei bei Nicole und Lena gelungen und könnte wieder funktionieren, wenn der Beitrag mit historischem Gespür ausgewählt werde.
Israel-Boykott bleibt Thema
Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten den ESC 2026 wegen Israels Vorgehen im Gazastreifen. Ob sie 2027 zurückkehren, ist unklar. Israel wurde Zweiter, der Nahostkonflikt bleibt ungelöst – die Ausgangslage für das nächste Jahr ist ähnlich.



