Freitagabend in Berlin-Mitte. Eine weiße Stretchlimousine hält vor einem Kino, ein tätowiertes Bein mit der Aufschrift „Heaven“ schiebt sich heraus. Hier kommt Superstar Ikkimel, in Highheels und einem goldfarbenen Glitzeroutfit, ihr Alter ist unbekannt, vermutlich Mitte bis Ende Zwanzig. Sie wirft eine Party – heute ist ihr neues Album „Poppstar“ erschienen. Ein Event für Insider und Freunde, für das es keine Tickets zu kaufen gibt. Nur wer eingeladen ist, darf kommen; einige Plätze auf der Gästeliste wurden verlost. Hier trifft sich, wer cool ist oder sein will und zur Musikszene gehört. Oder Influencer ist. Oder Ricarda Lang oder Luisa Neubauer heißt, denn auch sie sind anwesend. Und ein bisschen Presse, man will sich ja zeigen.
Erwartungen an eine Ikkimel-Party
Auf einer Ikkimel-Party erwartet man Ikkimel-Sachen: „Fotzenrap“ – also stumpfe Techno-Beats, vulgäre Lyrics. Eine großmäulige Rapperin, der alle zu Füßen liegen, die niemanden braucht und auf alles scheißt. Männer in Hundezwingern. Ketaminkonsum auf Unisex-Toiletten. Krawall. Davon singt sie. Dafür steht sie. Wird es die wildeste Party des Jahres?
Der rote Teppich und die erste Enttäuschung
Ikkimel posiert auf einem roten Teppich. „Mein neues Album ist fotzig, feminin und geil“, sagt sie in ein paar Kameras. Sie freue sich, dass ihre Musik endlich im Mainstream angekommen sei. Deutschlehrer sollten bitte den Song „Eier suchen“ im Unterricht verwenden. Dann verschwindet sie wieder. Die Party selbst? Eine laue Fragerunde mit Mittelstufen-Vibes. Statt wilder Exzesse gibt es höfliche Gespräche, Sekt und Häppchen. Die Künstlerin entzaubert sich selbst.
Fans und Hater
Ikkimel, das war diskursiver Sprengstoff, so war es zumindest bis zuletzt. Sie polarisiert: Sie hat zwei Millionen Hörerinnen und Hörer, Fans nennen sie „Mutter Ikki“ – Hater sprechen ihr jegliches Talent ab. Frauen fühlen sich durch ihre radikale Musik ermächtigt, Männer regen sich über Diskriminierung auf. Von Feuilletonredakteuren bis Sexfluencerinnen hatte im vergangenen Jahr so ziemlich jeder eine Meinung zu Ikkimel. Doch auf ihrer Releaseparty bleibt von dieser Radikalität nichts übrig.
Fazit: Eine enttäuschende Darbietung
Die Party sollte ein Statement sein, doch sie gerät zur Farce. Ikkimel, die sonst mit provokativen Texten und Auftritten glänzt, zeigt sich brav und angepasst. Die Frage, die sich viele stellen: Wo ist eigentlich das scheiß Ketamin? Stattdessen gibt es lahme Unterhaltung und eine Künstlerin, die sich selbst demontiert. Ein enttäuschender Abend für alle, die echten Ikkimel-Spirit erwartet hatten.



