Erster Star-DJ beendet Karriere nach schweren Missbrauchsvorwürfen in Techno-Szene
Die Hard-Techno-Szene befindet sich in einem tiefgreifenden Erdbeben. Nach schwerwiegenden Vorwürfen des Machtmissbrauchs und sexueller Nötigung gegen mehrere prominente DJs hat der erste der Beschuldigten nun drastische Konsequenzen gezogen und seine Karriere beendet. Die Welle der Empörung reißt nicht ab, während immer mehr Details ans Licht kommen.
Schwere Anschuldigungen erschüttern die Szene
Seit dem vergangenen Wochenende erhebt der Amerikaner Brad auf seinem Instagram-Account @bradnolimit schwere Vorwürfe gegen mehrere namhafte DJs der Hard-Techno-Szene. In zahlreichen Beiträgen und Storys beschuldigt er die Künstler öffentlich des Machtmissbrauchs und übergriffigen Verhaltens gegenüber Frauen, teilweise sogar minderjährigen Personen. Brad bezeichnet sich selbst als ehemaligen Partner der französischen Management-Agentur "Steer", bei der die beschuldigten DJs unter Vertrag stehen.
Konkret nannte er in seinen Anschuldigungen die DJs "Basswell", "Shlømo", "Carv" und "Fantasm". Später folgten weitere Beschuldigungen gegen den Schweizer DJ "Odymel" sowie den niederländisch-kolumbianischen DJ "Hades". Laut Brad hätten sich bislang unzählige Menschen bei ihm gemeldet, sein Account sei in der vergangenen Woche knapp 25 Millionen Mal aufgerufen worden.
DJ Carv beendet Karriere nach Vorwürfen
In einem exklusiven Statement gegenüber "Watson" teilte der Frankfurter DJ "Carv" mit, dass ihm in den vergangenen Tagen bewusst geworden sei, was er angerichtet habe. Zwar weist er alle Vorwürfe strafrechtlich relevanten Verhaltens zurück, zieht jedoch drastische Konsequenzen: "Das Projekt DJ Carv endet hier."
Sein Management sagt alle Auftritte ab und deaktiviert seine Social-Media-Kanäle. Unveröffentlichte Tracks sollen in den kommenden Wochen noch veröffentlicht werden, seine Musik bleibt auf den Streaming-Plattformen abrufbar. Carv hatte zuvor in einem Statement eingeräumt, in der Vergangenheit "private, explizite Nachrichten geschrieben und intime Bilder an Frauen" verschickt zu haben.
Festivals reagieren mit Konsequenzen
Das Hive-Festival bei Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt hat als eines der ersten Festivals Stellung zu den Vorwürfen bezogen. In einem offiziellen Statement heißt es: "HIVE ist ein sicherer Ort für alle – ein Ort der Freiheit, der Inklusion und des Respekts. Wir werden alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Werte und unsere Gäste zu schützen."
Aus diesem Grund nehme man die Vorwürfe sehr ernst und "nehme die betreffenden Künstlerinnen und Künstler mit sofortiger Wirkung aus all unseren Line-ups". Das Festival, das sich innerhalb weniger Jahre zu einem Besuchermagneten der Techno-Szene entwickelt hat und für die kommende Ausgabe im Juni 2026 bereits ausverkauft ist, setzt damit ein deutliches Zeichen.
Weitere DJs wehren sich gegen Vorwürfe
Während Carv seine Karriere beendet, wehren sich andere beschuldigte DJs gegen die Anschuldigungen. Der amerikanische DJ "Fantasm" spricht in einem Video auf Instagram von einer Verleumdungskampagne und betont: "Ich habe nie etwas getan." Er zweifelt an der "Rechtsprechung" über soziale Medien und erklärt, man müsse "den Opfern helfen und einen Gerichtsprozess auf den Weg bringen".
Der französische DJ "Shlømo" geht noch weiter und bezeichnet das Vorgehen von @bradnolimit als "obsessive Rachekampagne". Er wirft Brad vor, Geld verlangt zu haben, um seine "Vendetta" zu beenden, und kündigt rechtliche Schritte an. Shlømo betont, er selbst habe nie eine nicht einvernehmliche Beziehung geführt, nie sexuellen Missbrauch begangen und nie eine sexuelle Beziehung mit einer minderjährigen Person gehabt.
Unterstützung für Betroffene formiert sich
Im Zuge der Enthüllungen machte Brad auf den Instagram-Account @MeTooDJs aufmerksam. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss professioneller Frauen aus der elektronischen Musikszene, darunter Anwältinnen, Psychologinnen, Suchtspezialistinnen und Journalistinnen. Sie unterstützen laut eigener Darstellung Betroffene im Kampf um Gerechtigkeit.
Auch mehrere Star-DJanes der Techno-Szene bezogen Stellung zu den Vorwürfen. Die belgische DJane Amelie Lens veröffentlichte ein emotionales Statement, in dem sie schreibt: "Die Tanzfläche ist unser Zuhause und der Backstage-Bereich unser Arbeitsplatz. Sicherheit wurde viel zu lange als 'Frauenproblem' abgetan." Sie nimmt insbesondere Männer in die Pflicht und betont, dass oft vermeintlich "gute Freunde" übergriffig würden.
Internationale Reaktionen folgen
Die Vorwürfe haben weltweit Reaktionen ausgelöst. Der größte niederländische Hard-Techno-Veranstalter "Verknipt" strich die beschuldigten DJs aus allen Line-ups. Auch deutsche Festivals und Veranstaltungen wie "Electrisize" bei Düsseldorf, der "World Club Dome" in Frankfurt sowie Deutschlands beliebtester Club, das "Boothaus" in Köln, beendeten die Zusammenarbeit mit den Künstlern.
Die Szene steht vor einem tiefgreifenden Wandel, während die Diskussion über Machtstrukturen, Sicherheit und Verantwortung in der elektronischen Musikindustrie weitergeht. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob weitere Künstler Konsequenzen ziehen und wie nachhaltig sich die Aufarbeitung der Vorwürfe auf die Techno-Szene auswirken wird.



