Bühnenadaption von Stanišićs Roman feiert umjubelte Premiere in Neubrandenburg
Mit seinem 2014 erschienenen und mehrfach ausgezeichneten Roman „Vor dem Fest“ schuf Saša Stanišić eine literarische Liebeserklärung an die ostdeutsche Provinz. Jetzt wurde dieser vielschichtige Text im Neubrandenburger Schauspielhaus in eine fesselnde Theaterproduktion verwandelt. Unter der Regie von Schauspieldirektor David Czesienski feierte die Bühnenfassung am Samstag eine gefeierte Premiere vor begeistertem Publikum.
Geschichten aus der Uckermark erwachen auf der Bühne zum Leben
Stanišićs Roman spielt im fiktiven Dorf Fürstenfelde, basiert jedoch auf realen Recherchen des Autors in der Uckermark, insbesondere im Ort Fürstenwerder. Der Text vereint Sagen, Legenden, Mythen und historische Gegebenheiten aus mehreren Jahrhunderten zu einem dichten Erzählteppich. Czesienski überträgt diesen poetischen Ansatz gekonnt auf die Bühne und präsentiert Geschichten, die sowohl nachdenklich stimmen als auch Mut machen.
Im Zentrum der Inszenierung steht die Figur der Johanna Schwermuth, gespielt von der überzeugenden Susan Ihlenfeld. Als Hüterin des „Hauses der Heimat“ sammelt und bewahrt sie die alten Erzählungen rund um Fürstenfelde und seine zwei Seen. Eine dieser Sagen handelt vom rätselhaften Fährmann, der nie wiederkehrte – gleich zu Beginn des Stücks vom gesamten Ensemble eindrucksvoll erzählt.
Starkes Ensemble verkörpert die Dorfbewohner von Fürstenfelde
Das Theaterensemble überzeugt in der anspruchsvollen und temporeichen Inszenierung durchweg. Besonders hervorzuheben ist Matthias Horn in der Rolle des Ex-NVA-Oberstleutnants Wilfried Schramm, den er zwischen Heißhunger auf die letzte Zigarette und Selbstmordplänen grandios skurril darstellt. Larissa Emma Voulgarelis spielt die junge Anna Geher, die in dieser schicksalhaften Nacht Schramm vom Selbstmord abhalten will, während sie selbst aus der provinziellen Enge fliehen möchte.
Die weiteren Dorfbewohner werden von einem vielseitigen Ensemble dargestellt: Anika Kleinke, Josefin Ristau, Charlotta Grimm, Dirk Schmidt und Leon Ullrich schlüpfen dabei in mehrere Rollen. Ullrich verkörpert beispielsweise gleich vier verschiedene Figuren, während Ristau und andere Ensemblemitglieder durch ihre körperliche Präsenz beeindrucken.
Raffinierte Bühnenbilder und musikalische Untermalung
Die Schauspieler bewegen nicht nur durch ihre darstellerische Leistung, sondern auch durch ihre Interaktion mit dem Bühnenbild. Die von Lisette Schürer entworfenen Kulissen bestehen aus mehreren großen, rollenden Quadern, die mithilfe von Projektionen die idyllische Landschaft rund um Fürstenfelde abbilden. Durch Drehung der Konstruktionen entstehen verschiedene Räume und Schauplätze.
Musikalisch wird die Produktion von Johannes Kühn begleitet, der als Live-Musiker auf der Bühne den passenden akustischen Hintergrund für das abwechslungsreiche Spiel bietet. Diese Kombination aus visuellen und akustischen Elementen schafft eine immersive Theatererfahrung.
Vom Buch zur Bühne: Unterschiedliche Arten des Vergnügens
Roman und Theateradaption bieten dem Publikum unterschiedliche Zugänge zu Stanišićs Werk. Während das Buch zum wiederholten Lesen und Markieren schöner Passagen einlädt, schaffen die Schauspieler auf der Bühne bleibende Bilder, die im Gedächtnis haften bleiben. Vielleicht motiviert die Theaterproduktion sogar dazu, den Roman erneut zur Hand zu nehmen oder die Inszenierung ein weiteres Mal zu besuchen.
Unter den Premierenbesuchern befand sich auch Henning Ihlenfeldt aus Fürstenwerder, der sowohl Stanišić als auch Czesienski bei ihren Recherchen unterstützt hatte. Als Hüter der Heimatstube und Geschichtenerzähler fand er großes Vergnügen an der Umsetzung auf der Bühne.
Weitere Aufführungstermine im Neubrandenburger Schauspielhaus:
- 24. April, 19:30 Uhr
- 1. Mai, 16:00 Uhr
- 5. Mai, 19:30 Uhr



