Theater Plauen-Zwickau trotz Finanzmisere mit ambitioniertem Spielplan
Das Theater Plauen-Zwickau befindet sich in einer schweren finanziellen Krise, plant jedoch für die kommende Spielzeit 2026/2027 ein anspruchsvolles und mutiges Programm. Unter dem Motto „Ganz. Schön. Mutig.“ stellte Generalintendant Dirk Löschner die neuen Produktionen vor, obwohl für das laufende Jahr ein Fehlbetrag von rund 1,3 Millionen Euro erwartet wird. „Es sind schwierige Zeiten, aber manchmal ist Zweckoptimismus besser als Galgenhumor“, erklärte Löschner in einer Pressekonferenz.
Finanzielle Engpässe und gestrichene Produktionen
Die finanzielle Lage des Theaters ist angespannt: Rücklagen sind aufgebraucht, und für das nächste Jahr reicht die Liquidität nicht mehr aus, um alle Verbindlichkeiten zu bedienen. Geschäftsführerin Sandra Kaiser betonte, dass der jährliche Anstieg des Defizits bei etwa 500.000 Euro liegen dürfte. Als Hauptursache gelten steigende Personalkosten, die mehr als 80 Prozent der Gesamtausgaben ausmachen. Tarifsteigerungen wirken sich besonders stark aus, während die öffentlichen Zuschüsse nicht dynamisiert wurden und auch die kommunalen Haushalte unter Druck stehen.
Trotz dieser Herausforderungen musste das Haus Einsparungen vornehmen: Drei Produktionen pro Spielzeit wurden gestrichen, und es finden nur noch sechs statt acht Sinfoniekonzerte statt. Dennoch soll sich der Sparkurs im Programm kaum widerspiegeln. „Dem Spielplan ist der finanzielle Druck nicht anzumerken“, so Kaiser, obwohl im Hintergrund zahlreiche Gespräche zur Stabilisierung der Finanzen laufen.
Ambitioniertes Programm mit über 20 Premieren
Alle fünf Sparten des Theaters – von Schauspiel über Musik bis Tanz – sollen weiterhin gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Für die Spielzeit 2026/2027 sind über 20 Premieren und drei Uraufführungen geplant, darunter große Produktionen wie das Musical „Der Graf von Monte Christo“, das am 28. August 2026 auf der Freilichtbühne am Schwanenteich in Zwickau Premiere feiert. Im Sommer 2027 folgt das Musical „Titanic“ im Parktheater Plauen, das als realistisches Gesellschaftsporträt angelegt ist.
Zu den Höhepunkten zählt auch die Uraufführung von „Ich schieß' auf den Adler! Eine romantische Rhapsodie in Tränen und Flammen“, die im Gewandhaus Zwickau und im Vogtlandtheater Plauen aufgeführt wird. Über die Bundesförderung „Lokal“ erhält das Theater über vier Jahre 250.000 Euro, womit am 5. Mai 2027 in Plauen ein erstes Premieren-Projekt realisiert werden soll. Ein Live-Audiowalk namens „Brot“ wird sich zudem mit dem „Bäckereisterben“ in der Region auseinandersetzen.
Steigende Besucherzahlen als Hoffnungsschimmer
Trotz der finanziellen Schwierigkeiten verzeichnet das Theater Plauen-Zwickau kontinuierlich steigende Besucherzahlen. Im vergangenen Jahr konnten dadurch Mehreinnahmen von rund 250.000 Euro erzielt werden. „Wir machen nie einfach nur weiter, sondern überlegen uns genau, was funktioniert und was das Publikum möchte“, betonte Löschner. Diese positive Entwicklung gibt den Theatermachern Recht und soll auch in der kommenden Spielzeit fortgesetzt werden.
Preisanpassungen sind zunächst nicht vorgesehen; das Theater bleibt bei seinem zweijährigen Rhythmus. Beim Sommertheater 2027 könnte es jedoch eine moderate Erhöhung geben, bei der Tickets um etwa sechs Euro teurer werden. Eine große Produktion im Parktheater Plauen könnte dann bis zu 48 Euro kosten. Kaiser betonte, dass man an den positiven Trend anknüpfen wolle, auch wenn das Haus noch nicht dort sei, „wo wir hinwollen“.
Ausblick: Mut trotz Unsicherheit
Die kommende Spielzeit hält trotz der finanziellen Herausforderungen einige Überraschungen bereit. Das Theater Plauen-Zwickau zeigt sich resilient und setzt auf ein vielfältiges Programm, um das Publikum weiterhin zu begeistern. Während die Personalkosten und fehlende dynamisierte Zuschüsse die Misere verschärfen, bieten die steigenden Besucherzahlen einen Lichtblick. Ob der mutige Kurs langfristig tragfähig ist, bleibt abzuwarten, doch vorerst setzt das Haus auf Kreativität und Engagement in schwierigen Zeiten.



