Brisantes Theaterstück 'Gott' in Vorpommern: Debatte um selbstbestimmtes Sterben
Theaterstück 'Gott' in Vorpommern: Debatte um Sterben

Brisantes Theaterstück 'Gott' in Vorpommern: Debatte um selbstbestimmtes Sterben

Die Vorpommersche Landesbühne wagt sich mit Ferdinand von Schirachs Stück „Gott“ an eine der grundlegendsten Fragen der Menschheit: Wie wollen wir leben und wie wollen wir sterben? Die Inszenierung, die jetzt Premiere feiert, verhandelt in einer öffentlichen Gerichtssituation das Recht auf selbstbestimmten Tod und bringt damit hochaktuelle ethische Diskussionen auf die Bühne.

Öffentliche Verhandlung mit persönlichem Schicksal

Im Zentrum des Stücks steht Helene Gärtner, gespielt von Nadja Hamami, die nach dem Verlust ihres Mannes keinen Lebenssinn mehr sieht und sich das Leben nehmen möchte. Ihr Antrag auf tödliche Medikamente wird abgelehnt, woraufhin sie ihre Hausärztin um Beihilfe zum Suizid bittet. Dieser „Fall“ wird vor dem Deutschen Ethikrat verhandelt, wo Autonomie des Menschen, Lebensschutz sowie die Rollen von Staat, Religion und Recht aufeinandertreffen.

Seit 2020 ist die Hilfe zur Selbsttötung in Deutschland grundsätzlich erlaubt, doch der Zugang zu tödlichen Medikamenten bleibt streng reglementiert. Ärzte bewegen sich in einem rechtlich und ethisch sensiblen Feld. Das Stück spiegelt keine Fiktion, sondern reale gesellschaftliche Konflikte wider, in denen Moral, persönliche Haltungen und juristische Argumente kollidieren.

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Publikum als aktiver Teil der Debatte

Unter der Regie von Maya Franke wird das Theater zum Ort öffentlicher Auseinandersetzung. Die seit Brecht bekannte „vierte Wand“ zum Publikum wird durchbrochen: Die Zuschauer dürfen nicht nur mitfühlen, sondern auch mitentscheiden. In der Pause können sie abstimmen, wie sie die Frage nach dem selbstbestimmten Tod beantworten würden. Diese interaktive Komponente belebt Schirachs Gerichtsdrama neu und fordert zur aktiven Teilnahme auf.

Ferdinand von Schirach, erfolgreicher Jurist und einer der meistgelesenen deutschen Autoren der Gegenwart, durchschaut mit seinem Intellekt die großen Krisen unserer Zeit. Mit „Gott“ entwickelt er die Form des Gerichtsdramas weiter, die er bereits in „Terror“ etablierte. Seine klare Sprache und der Mut, existenzielle Wahrheiten auszusprechen, machen das Stück zu einem herausfordernden Theatererlebnis.

Engagiertes Ensemble und nachhaltige Wirkung

Die Inszenierung in Vorpommern setzt auf ein engagiertes Schauspielerensemble, darunter viele Absolventen der Zinnowitzer Theaterakademie. Ausstatter Peter Sommerer hat ein abstrakt-räumliches Bühnenbild gestaltet, das den Fokus auf die inhaltliche Tiefe legt. Ihm liegt besonders am Herzen, dass das Thema des Abends fortwirkt und zu weiterem Austausch anregt.

„Sich über das Leben und Sterben auszutauschen, persönliche Standpunkte zu äußern, kann helfen, es leichter zu ertragen, wenn man in eine solche Situation gelangt“, sagt Sommerer. Das Stück soll angstfreie Räume schaffen, um in Partnerschaften, Familien und gesellschaftlichen Diskursen über diese essenzielle Frage zu sprechen.

Premiere und weitere Vorstellungen

„Gott“ hat am 21. Februar um 19.30 Uhr Premiere im Gelben Theater „Die Blechbüchse“ in Zinnowitz. Weitere Vorstellungen finden am 25. Februar und 18. März ebenfalls in Zinnowitz statt, sowie am 10. und 12. März sowie 16. April im Theater Anklam. Karten sind unter der Telefonnummer 03971 2688800 erhältlich.

Das Publikum kann sich auf ein intensives Theatererlebnis freuen, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken und Diskutieren anregt. Dass dabei Fragen offenbleiben, ist kein Mangel, sondern eine Einladung, das Thema weiter zu vertiefen – denn es geht um das Wichtigste für uns alle: unser Leben.

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