Friedensverhandlungen in Pakistan drohen vor Beginn zu scheitern
Die geplanten Friedensgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad stehen bereits vor ihrem offiziellen Beginn auf wackeligen Füßen. Die vereinbarte befristete Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien wird durch fundamentale Streitpunkte gefährdet, die eine dauerhafte Friedenslösung in weite Ferne rücken lassen.
Trump kritisiert Iran scharf wegen Hormus-Blockade
US-Präsident Donald Trump wirft dem Iran vor, sich nicht an die vereinbarte Öffnung der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus zu halten. Auf der Plattform Truth Social bezeichnete er das Verhalten Teherans als „sehr schlechte Arbeit“, die man auch als „unredlich“ bezeichnen könne. „Das ist nicht die Vereinbarung, die wir getroffen haben!“, kritisierte der amerikanische Präsident weiter. Zuvor hatte Trump bereits gewarnt, der Iran solle besser keine Gebühren von Tankern für die Durchfahrt verlangen.
Medienberichten zufolge haben in den zwei Tagen seit Ankündigung der Waffenruhe lediglich ein Dutzend Schiffe die Meerenge passiert – ein Bruchteil des regulären Schiffsverkehrs. Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran Anfang März hatte den Transport von Öl und Flüssiggas aus dem Persischen Golf praktisch zum Erliegen gebracht und zu rasant steigenden Weltmarktpreisen geführt.
Iran fordert Waffenruhe-Ausweitung auf Libanon
Der Iran wiederum besteht darauf, dass die vereinbarte Waffenruhe auch für den Libanon gelten muss, wo Israel weiterhin Stellungen der proiranischen Hisbollah-Miliz angreift. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr dementierte Berichte über eine bereits in Islamabad eingetroffene Delegation und erklärte, die Verhandlungen seien gestoppt, solange Israel seine Angriffe fortsetze.
Die israelischen Streitkräfte bestätigten erneute Angriffe auf Hisbollah-Stellungen im Libanon, bei denen etwa zehn Abschussrampen getroffen worden seien. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte, Israel werde die Miliz weiterhin mit Härte bekämpfen, kündigte aber gleichzeitig direkte Verhandlungen mit dem Libanon an, die kommende Woche in Washington beginnen sollen.
Komplexe Verhandlungsagenda erwartet
Aus pakistanischen Sicherheitskreisen hieß es, zunächst seien Vorgespräche auf Expertenebene vorgesehen, gefolgt von einem Treffen der Verhandlungsführer am Samstag. Die Gespräche könnten bei Bedarf bis Sonntag andauern. Für eine langfristige Konfliktbeilegung müssten sich die Kriegsparteien in zahlreichen strittigen Punkten einigen, darunter:
- Irans umstrittenes Atomprogramm
- Die Entwicklung ballistischer Raketen durch Teheran
- Die dauerhafte Sicherung der Schifffahrtswege
- Die Rolle regionaler Milizen wie der Hisbollah
Regionale Spannungen und wirtschaftliche Auswirkungen
Die anhaltenden Konflikte haben bereits erhebliche wirtschaftliche Folgen. Nach Angriffen auf Produktionsstätten ist Saudi-Arabiens Ölproduktionskapazität um rund 600.000 Barrel pro Tag gesunken. Zudem reduzierte sich die Kapazität der wichtigen Ost-West-Pipeline, die Öl unter Umgehung der Straße von Hormus transportieren kann, um weitere 700.000 Barrel täglich.
Israel kritisierte zudem den Vermittler Pakistan scharf nach Äußerungen des pakistanischen Verteidigungsministers, der Israel als „Fluch für die Menschheit“ bezeichnet hatte. Netanjahus Büro nannte solche Aussagen „empörend“ und erklärte, sie dürften von keiner Regierung toleriert werden, die sich als neutraler Vermittler verstehe.
Die komplexe Gemengelage aus territorialen Streitigkeiten, wirtschaftlichen Interessen und regionalen Machtansprüchen lässt befürchten, dass die Friedensgespräche in Islamabad bereits in ihrer Anfangsphase scheitern könnten, bevor substantielle Verhandlungen überhaupt beginnen.



