Israel und Libanon planen direkte Verhandlungen ab nächster Woche in Washington
Israel-Libanon-Verhandlungen ab nächster Woche in Washington

Direkte Gespräche zwischen Israel und Libanon stehen bevor

Nach israelischen Medienberichten sollen direkte Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon bereits in der kommenden Woche in Washington stattfinden. Die Gespräche wurden von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angekündigt und sollen sich auf die Entwaffnung der schiitischen Hisbollah-Miliz sowie die Aufnahme friedlicher Beziehungen zwischen den beiden Ländern konzentrieren.

Zeitplan und Teilnehmer der Verhandlungen

Die israelische Nachrichtenseite ynet berichtet unter Berufung auf eine informierte Quelle, dass die Gespräche nächste Woche beginnen werden. Zunächst sollen die US-Botschafter beider Länder daran teilnehmen. Auch die Zeitung Maariv und der Sender N12 bestätigen diesen Zeitrahmen, wobei N12 von Verhandlungen voraussichtlich Anfang nächster Woche spricht. Ein Sprecher Netanjahus wollte die genaue Zeitangabe zunächst nicht bestätigen.

In einer Mitteilung des Büros des israelischen Regierungschefs vom Donnerstagabend hieß es, Netanjahu habe das Kabinett angewiesen, die Verhandlungen so bald wie möglich zu beginnen. Dies erfolgte nach wiederholten Bitten aus dem Libanon. Libanons Präsident Joseph Aoun hatte bereits mehrfach seine Bereitschaft zu Gesprächen mit Israel signalisiert.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Bedingungen aus libanesischer Sicht

Aus libanesischen Regierungskreisen wird betont, dass mögliche Verhandlungen nur unter der Bedingung einer Waffenruhe stattfinden sollten. Vorgeschlagen wird ein sogenanntes Pakistan-Modell, das an ähnliche Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA angelehnt ist. Dieses Modell sieht eine zweiwöchige Feuerpause vor, wobei Gespräche 72 Stunden nach Inkrafttreten beginnen sollen.

Die libanesische Delegation soll von Ex-Botschafter Simon Karam geleitet werden. Weitere Mitglieder werden im Rahmen der verfassungsmäßigen Befugnisse des Präsidenten bestimmt, darunter auch ein schiitischer Vertreter. Da die schiitische Hisbollah derzeit mit Israel kämpft, ist eine schiitische Repräsentation für den Erfolg der Verhandlungen als entscheidend angesehen.

Hintergrund der Eskalation

Die Hisbollah hatte ihre Angriffe auf Israel nach Beginn des Iran-Kriegs vor mehr als fünf Wochen wieder aufgenommen. Erstmals seit einer Waffenruhe im November 2024 griff sie Israel wieder mit Raketen an. Israel reagierte mit heftigen Luftangriffen und Bodeneinsätzen im nördlichen Nachbarland.

Am Mittwoch setzte Israel seine Angriffe trotz einer Feuerpause im Iran-Krieg fort und bombardierte zahlreiche Hisbollah-Ziele im Libanon, darunter in der Hauptstadt Beirut. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden dabei mehr als 300 Menschen getötet.

Internationale Reaktionen und Forderungen

Der US-Sender NBC News berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen US-Vertreter, dass Präsident Donald Trump Netanjahu in einem Telefonat aufgefordert habe, die israelischen Angriffe im Libanon herunterzufahren. Auch der US-Sondergesandte Steve Witkoff soll eine ähnliche Bitte ausgesprochen haben.

Kritik kommt von der Hisbollah selbst. Der libanesische Abgeordnete Ali Fajad forderte die Regierung auf, auf einer Waffenruhe als Voraussetzung für weitere Schritte zu bestehen. Hisbollah-Chef Naim Kassim erklärte, Gespräche unter andauerndem Beschuss kämen einer Kapitulation gleich und würden den Libanon seiner Handlungsfähigkeit berauben. Verhandlungen seien grundsätzlich abzulehnen, solange der Gegner weiterhin Gebiete besetze und tägliche Angriffe fortsetze.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration