Der Streit zwischen Washington und dem Vatikan eskaliert erneut: US-Präsident Donald Trump hat seine scharfe Kritik an Papst Leo XIV. kurz vor dem geplanten Besuch von US-Außenminister Marco Rubio am Donnerstag im Vatikan erneuert. In einem Interview mit dem konservativen Radiomoderator Hugh Hewitt warf Trump dem Papst vor, er gefährde „viele Katholiken und viele Menschen“. Der US-Präsident bekräftigte seinen Vorwurf, Leo halte es für akzeptabel, wenn der Iran eine Atomwaffe besitze. Zudem bezeichnete Trump den Papst als „schwach“ und griff dessen Haltung zur Migration an.
Papst Leo weist Trumps Darstellung zurück
Papst Leo XIV. wies die Anschuldigungen am Dienstagabend entschieden zurück. „Wenn mich jemand dafür kritisieren will, dass ich das Evangelium verkünde, soll er das mit der Wahrheit tun“, sagte der 70-jährige Pontifex vor Journalisten. Die Kirche spreche sich seit Jahren gegen alle Atomwaffen aus, daran gebe es „keinen Zweifel“. Leo erinnerte an seine ersten Worte nach der Wahl: „Friede sei mit euch“. Die Mission der Kirche sei es, das Evangelium und den Frieden zu verkünden.
Rubios Reise unter schwierigen Vorzeichen
Die erneute Attacke Trumps belastet die Reise von Außenminister Marco Rubio zusätzlich. Rubio, selbst Katholik, wird voraussichtlich versuchen, die Spannungen zwischen der US-Regierung und dem ersten in den USA geborenen Papst zu entschärfen. US-Botschafter beim Heiligen Stuhl, Brian Burch, sprach vorab von einem erwarteten „offenen“ Gespräch. Staaten hätten Meinungsverschiedenheiten, die sich durch „Brüderlichkeit und authentischen Dialog“ bearbeiten ließen. Zugleich wies Burch die Darstellung eines tiefen Bruchs zwischen Washington und dem Vatikan zurück.
Das Verhältnis zwischen den USA und dem Vatikan gilt seit Wochen als angespannt. Papst Leo XIV. hatte sich zuletzt mehrfach kritisch zur Kriegsführung der USA und Israels gegen den Iran geäußert und die Angriffe als „wahrlich inakzeptabel“ verurteilt. Trump hingegen stellt den Krieg als notwendig dar, um Teheran am Bau einer Atomwaffe zu hindern. Zusätzliche Empörung hatte ein von Trump verbreitetes KI-Bild ausgelöst, das ihn in einer christusähnlichen Pose zeigte und später wieder gelöscht wurde.
Rubio soll in Rom auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni treffen. Auch dieses Gespräch gilt als heikel, da Meloni den Papst gegen frühere Angriffe Trumps verteidigt hatte. Die Reise fällt zudem mit dem ersten Jahrestag von Leos Pontifikat zusammen.



