Ukraine-Krieg: Hunderte russische Verstöße gegen Oster-Waffenruhe gemeldet
Nur wenige Stunden nach Inkrafttreten einer vereinbarten Feuerpause zum orthodoxen Osterfest hat die Ukraine nach eigenen Angaben Hunderte russische Verstöße registriert. Der Generalstab der ukrainischen Armee erklärte am Samstagabend, dass seit 16.00 Uhr insgesamt 469 Verstöße gegen die Waffenruhe dokumentiert worden seien. Darunter befänden sich 22 direkte Angriffe, 153 Bombenangriffe und fast 300 Drohnenangriffe.
Gegenseitige Vorwürfe trotz Feuerpause
Während die ukrainischen Streitkräfte massive russische Verstöße melden, erheben auch russische Regionalbehörden Vorwürfe gegen die Ukraine. Die Gouverneure der Grenzregionen Kursk und Belgorod erklärten, dass ukrainische Angriffe trotz der Vereinbarung stattgefunden hätten und dabei fünf Menschen verletzt worden seien. Diese gegenseitigen Anschuldigungen werfen ein Schlaglicht auf die fragilen Friedensbemühungen im anhaltenden Konflikt.
Selenskyj hofft auf Verlängerung der Waffenruhe
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ging in seiner abendlichen Videoansprache nicht direkt auf die aktuellen Vorwürfe ein. Stattdessen bekräftigte er, dass sich die Ukraine an die von Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstag angekündigte Waffenruhe halten werde. Selenskyj äußerte zudem den Wunsch nach einer Verlängerung der Feuerpause und erklärte: "Wir haben Russland diesen Vorschlag unterbreitet." Putin hatte die Waffenruhe über das orthodoxe Osterwochenende ausgerufen und den russischen Streitkräften befohlen, die Kampfhandlungen bis Sonntagabend einzustellen.
Gefangenenaustausch und Drohnenangriffe vor Feuerpause
Kurz vor Beginn der angekündigten Oster-Waffenruhe kam es zu einem bedeutenden Gefangenenaustausch zwischen beiden Kriegsparteien. Wie die Behörden am Samstag mitteilten, ließen Russland und die Ukraine jeweils 175 Soldaten frei. Gleichzeitig eskalierten jedoch die Kampfhandlungen in den letzten Stunden vor der vereinbarten Feuerpause.
Schwere Drohnenangriffe forderten in der Ukraine mehrere Opfer. In Odessa wurden nach Berichten der Nachrichtenagentur AP mindestens zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. In Cherson starb ein Busfahrer kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe durch einen Drohnentreffer. Die ukrainischen Behörden meldeten insgesamt 160 russische Drohnenangriffe in der Nacht, von denen die meisten abgefangen worden seien. Russland gab seinerseits an, 99 ukrainische Drohnen über Russland und der besetzten Krim abgeschossen zu haben.
Historische Parallelen zu früheren Feuerpausen
Bereits im vergangenen Jahr hatte Russland eine Feuerpause über Ostern verkündet. Auch damals beschuldigten sich beide Seiten anschließend gegenseitig, diese nicht eingehalten zu haben. Diese historische Parallele unterstreicht die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Waffenruhen in diesem langwierigen Konflikt. Die aktuellen Entwicklungen zeigen erneut, wie brüchig vereinbarte Feuerpausen sind und wie schnell sie durch gegenseitige Vorwürfe und militärische Aktionen untergraben werden können.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Situation mit großer Sorge, da jede Verletzung der Waffenruhe die ohnehin schwierigen Friedensbemühungen weiter erschwert. Die Hoffnung auf eine dauerhafte Deeskalation bleibt trotz der aktuellen Rückschläge bestehen, insbesondere angesichts der humanitären Bedeutung der Osterfeiertage für die orthodoxe Bevölkerung in der Region.



